Mausloch

Das Mausloch ist mein öffentliches Tagebuch.
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Samstag, 2. Juli 2022

Blognacht Nr.10 - bisschen konfus, aber schön

Uuund da bin ich wieder! Ich meine, ich bin oft hier, aber heute ist wieder so ein besonderes Datum, ein besonderer Tag und es wird eine ganz besondere Nacht! Wirst schon sehen!

Heute ist nämlich wieder Blognacht! 

Freitag Abend, kurz vor neun. Es ist unnatürlich hell draußen. Sommerhell. Langsam könnte die blaue Stunde mal beginnen, die mag ich nämlich sehr. Die Nachbarn sind draußen im Garten und lachen, meine Jungs sitzen im Wohnzimmerund schauen irgendwas, was nicht Mama-tauglich ist - Resident Evil oder sowas. 

Und ich sitze im Schlafzimmer, hab Radio Gong nehenbei an, eine Flasche zuckerfreies Spezi und grade eben hab ich den Impuls für diese, hoffentlich erfolgreiche, Schreibnacht bekommen:

Dafür habe ich eine Schwäche

Das ist das Thema. Es steht uns natürlich frei, über was wir schreiben wollen. Aber ich möcht schon immer den Impuls aufgreifen, das ist für mich eine Herausforderung! Ich finds spannend, wenn mir jemand ein Stichwort hinschmeißt und ich da was draus machen soll. Will.

Wenn ich mir das Thema so anschau, suggeriert es für mich erstmal, dass man für manche, bestimmte Dinge schwach werden kann oder könnte. Das heißt doch, dass man die restliche Zeit über stark ist oder es zumindest sein soll. Immer "under control" und erhobenen Hauptes! Und als starke Frau darf man auch Schwächen zeigen. Oder soll man das, ist es gestattet oder bevorzugt? Eigentlich merke ich gerade, dass ich mich auf schwieriges Terrain begebe, solche tiefe Überlegungen, die auf den Grund gehen, können gefährlich sein. Und ich möchte jetzt nicht tief schürfen und nach dem Sinn von Stärke und Schwäche graben. Was man von einem selber und was die Gesellschaft erwartet und blablaa ... Ha, vielleicht ist das schon mal eine Schwäche von mir, dass ich mich weigere, tiefgründig zu 
schreiben? Viel zu anstrengend, für mich und für eventuelle Leser. Ich kann das nicht leiden, überall gibts diese Sprüche, diese Lebensweisheiten ... “Lass dich nicht verbiegen, sei du selbst, liebe dich selbst, folge deinem Traum" oder das Schlimmste: "Lebe den Tag als wäre es dein letzter” 


Wie so Poesiealbum-Sprüche, 
obwohl ich die damals sehr mochte! Alle Mädels hatten ein Poesiealbum und es war eine Ehre, in eins schreiben zu dürfen! Was haben wir uns alle Mühe gegeben, uns da sauber und schön zu verewigen! Und diese Aufklebebildchen! Alternativ hat man selber ein Kunstwerk gemalt, aber Mühe haben sich alle gegeben!Ich hab mein Poesiealbum noch. Wo ist das eigentlich?


Wie komm ich jetzt auf mein Poesiealbum? Jetzt ist Blognacht!

Aah, draußen fängt es an zu dämmern. Meine Lieblingstageszeit, kurz bevor die Straßenlaternen angehen. Meist zwitschern jetzt ein paar Amseln. Als Kind hat man
zu dieser Zeit ganz kritisch die Laternen beobachtet, musste man doch schleunigst nach Hause, wenn die Lichter angehen! Schöne Zeit. Wir waren ein Haufen Kinder in userer Straße. War eher ein Platz als eine Straße, mit kleinem Park, Spielplatz und Hinterhof. Und vielen Ecken und Winkeln zum rumräubern. Immer, wenn ich anmeinem Elternhaus vorbeifahre, werde ich sehr langsam, damit ich die Fenster und alles genau anschauen kann. Ich bin hoffnungslos nostalgisch!
Ja – da haben wir eine Schwäche! Das Sich-so-gerne-erinnern! Wenn ich so im Schritttempo an meinem alten Haus vorbeitucker, sehe ich im Geiste unseren Hund am Fenster, wie er rausguckt und auf sein Herrchen wartet. Und ich seh meinen roten VW Käfer vor dem Haus stehen. Ich seh mich mit einer Horde Kinder in den Hof laufen und Feuer-Wasser-Blitz spielen. Ich seh meine Oma mit ihrem Stock und der gruseligen Perrücke vorbeilaufen. Und meine Freundinnen, die auf der Straße Gummihüpfen spielen. 
Hab ich schon erwähnt, dass ich eine wunderbare Kindheit hatte? In den 70ern, noch ziemlich frei und zwanglos. Zumindest was Äußerlichkeiten oder Statussymbole angeht. Und ich erinnere mich super gerne dran! Ein bisschen wehmütig zwar, aber trotzdem gern. 



Ich wollte was zum Thema Schwäche schreiben. Schwäche, die einen Ausnahmezustand der sonst allgegenwärtigen Stärke darstellt. Aber muss ich das denn? Klar sind wir alle stark, den ganzen Tag, jeder irgendwie anders. Ob du all deine Stärke brauchst, um zu funktionieren, oder auch nur um dich in die Arbeit zu prügeln? Stärke, die du zeigst, wenn du so gerne was sagen würdest und nicht darfst. Du reißt sich zusammen obwohl du am liebsten lauter böse Worte schreien würdest. Oder man braucht viel Stärke, um diese Affenhitze auszuhalten ohne zu verzweifeln. Stärke, die da sein muss, damit du nachsichtig sein kannst, konsequent, geduldig, standhaft und damit du dich im Griff hast.
Aber wenn du Schwäche zeigen kannst, dann darfst du locker lassen. Dann musst du dich nicht zusammenreißen und kannst dem nachgeben, was dich so reizt. 
Zumindest ein bisschen.

Meine Güte, nach einer dreiviertel Stunde bin ich erst beim Thema angelangt! Zeit wirds, die Straßenlaternen sind schon an! Jetzt aber!

Also ich interpretiere meine "Schwächen" mal als die Momente, an denen ich mich hingebungsvoll und kopfüber in ein Thema schmeißen kann – zum Beispiel meinem Hang zu allem, was historisch oder nostalgisch ist. Vintage. Ich liebe es! Ich mag es so sehr, in der Vergangenheit zu wühlen, mich an meine Vergangenheit zu erinnern, an die Kindheit meiner Kinder, an früher. Nein, früher war nicht alles besser – aber meist schöner! Auch, wenn mir das damals nicht bewusst war.
Abgesehen von meiner Vergangenheit fasziniert mich auch Geschichte, die meiner Stadt und die unserer Gesellschaft. In Bonn war ich mal in einem Deutschland Museum. Das war Wahnsinn, super interessant und ich will da unbedingt nochmal hin. Ein Tag reicht nur nicht aus um alles angemessen zu inhalieren!
Ich liebe alte Autos, alte Haushaltsgegenstände, alte Möbel, alte Klamotten. So ziemlich alles, was ein Museum so hergibt. Museen mag ich demnach natürlich auch! Ich will unbedingt mal nach München ins Deutsche Museum!

Das ist also eine ganz offizielle Schwäche von mir: altes Zeug.

Abgesehen davon sind da noch einige Dinge, die mich "dahinschmelzen" lassen. 
Das muss nichts Großes sein, zum Beispiel ein Biss in eine Pizza, während ich auf Diät bin! Du glaubst es nicht, wie genial so ein Abbeißen von was Verbotenem sein kann!! Letzten Dienstag waren wir essen im Blauen Haus, weil der Mann Geburtstag hatte. Und da durfte ich einen Bissen von seinem Riesenschnitzel haben. Ich schnupper dran und sofort setzen all meine Vernunftsensoren aus, die Gier gewinnt und ich gebe dieser Schwäche nach – ich beiß einfach rein! O du selige Schnitzelwonne!! Weisste, wennde' nicht darfst .. nie schmeckt ein Schnitzel besser!
Oder vorgestern – ich hab Wurstsalat gemischt für die Jungs. Man kann nicht kleingeschnittete Wiener, Käsewürfel und Essiggurkenscheibchen in eine Schüssel werfen, ohne dass da so 2,3 Stückchen in meinen Mund wandern. Schwach. Schwäche. Meine Schwäche, no chance!! Aber ich hab die paar Sündenwürfel auf meiner Abnehm-App abgerechnet. Es ist nichts passiert. Für mich gabs dann ein Pfannkuchensüppchen. Hach ja. Dieser 1 cm Wiener Würstchen, ich schmecks immernoch! Göttlich!



Normalerweise bin ich stark und hab mich im Griff. Meistens. Aber manchmal .. garnicht!
Geht das überhaupt, dass einer immer stark ist und sich ständig im Griff hat? 
Manche wirken ja von außen so, sind sehr organisiert und scheinen perfekt. Vor allem diverse Kindergartenmütter – da zieht's dir die Schuhe aus! 
Eine hat uns mal zu sich eingeladen und hat uns voller Stolz ihr blitzsauberes Haus gezeigt.
Nicht schlecht, kann man schon staunen und etwas neidisch sein. Aber dann stellte sich 
heraus, dass sie vor lauter aufräumen und putzen ihre 6 Kinder völlig vergessen hat. Die wurden in den Hobbykeller verbannt und sich selbst überlassen. Weil die Mama keine Zeit hat, die muss den Boden wischen. Von wegen perfekte Mutti. Ich bin lieber unorganisiert und leicht chaotisch, dafür aber für die Lütten da! 
Ich war schon ziemlich chaotisch, ziemlich sehr sogar. Zeitmanagement war mein großer Feind. Ich war ständig und überall zu spät. Das war dann eine weniger charmante Schwäche von mir, zum Glück hab ich das größtenteils überwunden.
Ich komm mal lieber zu den netten Schwächen, den "Marotten" oder wie sagt man?
Wenn man das Synonym zu "Schwäche" googelt, dann steht da

Bedeutung: Nachteil. 
VerlustSchadenNachteilSchwächeÜbelBehinderungMinusHakenMisserfolgBeeinträchtigungHemmung
Abwertung. ...
•Bedeutung: Komplex. GanzeGattungKomplexSchwäche. ...
•Bedeutung: Zusammenbruch. SchwächeDekompensation.
•Bedeutung: Umstand. MangelSchwäche.
•Bedeutung: Neigung.

Klingt eigentlich nach was schlechtem. Aber ich denke, eine Schwäche kann auch goldig sein, charmant und durchaus nachvollziehbar! Wie meine Schwäche auf gutes Essen. Oder die Schwäche, vergangenem nachzuhängen. Dass ich eine Schwäche für Oldies hab, wissen viele. Zumindest hab ich das hier im Mausloch schon ausgiebig breitgetreten. 
Man sollte aber auch nicht "Schwäche" oder Neigung mit Geschmack verwechseln! Vielleicht hab ich das in diesem Beitrag schon gemacht, ohne es zu merken, 
aber eine Schwäche für etwas zu haben, da gibt man doch kurz mal die Kontrolle ab. 
Man lässt sich gehen, man schmilzt dahin! Der eigene Geschmack bleibt ja bestehen, zumindest eine Zeitlang. 
Aber das verträgt sich auch. Ich kann geschmacklich ganz locker flockig in eine bestimmte Richtung tendieren und bei besonderen "Merkmalen" außer Rand und Band geraten.

Kann man mir noch folgen?

Also kann ich guten Gewissens behaupten, dass ich eine Schwäche für bestimmte Typen hab .. ohne dass es mir direkt bewusst ist, find ich den Typ "Wikinger" total verschärft! Stell's dir mal bildlich vor: So ein Mann voller Urgewalt und Kraft, am besten mit längeren, blonden Haaren und Bart .. wenn der dann auch noch schöne Hände hat und eine tiefe Stimme – dann ist es um mich geschehen! Dann glotze ich das Objekt der Begierte nur treudoof an und staune sprachlos vor mich hin! 
Keine Ahnung, woher das kommt – vielleicht weil meine 1. große Liebe (mein 
MOFL) ein nordischer Typ war und mich das für immer geprägt hat. Der MOFL. Ein bisschen wie eine Mischung aus Sting und Thor. Jedenfalls in meiner Phantasie. 
Tatsächlich sind schöne, kräftige Hände wichtig! Gehört genauso zum Gesamtpaket wie eine tiefe, dunkle Stimme. Hocherotisch! 
Es gibt einen, der so eine Stimme hat. Der ist zwar jetzt kein Wikinger, aber ein echt schöner Mann. Mit unfassbar starker Ausstrahlung! Benedikt Cumberbatch! (kreisch!) 
Hör dem mal zu, wenn er redet! Ich bin rettungslos verloren, ehrlich, wenn mir jemals im Leben so einer begegenen würde, der mir in Leder gehüllt, mit wallendem blonden Haar und tiefer, Schokoladenbrowniestimme irgendwelche Dinge ins Ohr raunt – dem geb ich sofort meine Kontodaten und brenne mit ihm durch!



Einmal, vor langer Zeit, als ich noch jung und schön war, stand ich mit meiner Freundin in der Rockfabrik und wir schauten den Leuten zu. Freitags war es nicht allzu voll und es lief ausschließlich Hardrock. Dementsprechend war auch das Publikum, lauter cooler Rocker und wir hatten echt Spaß beim Gucken! Dann hab ich so einen gesehen, wie ich ihm mir in meinen Kleinmädchenträumen erdacht hatte – ein echter Wikinger! Fehlte nur der Helm und die Axt! Wir tauften ihn Erik und von da an haben wir ihn nicht mehr aus den Augen gelassen! Erik hatte eine Menge Freunde, es schien so, als würden ihn alle kennen. Er hat sich sogar benommen wie ein alter Krieger und ziemlich rumkrakeelt, aber das fanden wir sehr authentisch. Jeden Freitag warteten wir auf Erik. Bis die Rockfabrik geschlossen 
wurde und wir ihn nie wieder sahen. 
Im Grunde bin ich ganz froh, also jetzt, dass ich damals keinen Wikinger abgekriegt
hab. Ich stell mir das ziemlich stressig vor, so im Alltag. Allein die Haushaltsplanung, die Elternabende oder Besuche bei den Schwiegereltern. Ist schon gut so, wie es ist. Was fürs Auge und fürs Ohr, das reicht.

Ohne es zu wollen hab ich mich gerade online geoutet! Dass ich auf nordische Krieger abfahre, die mir irgendwas ins Ohr säuseln. Das hätte ich zu Anfang der Blognacht auch nicht erwartet!
 

Ich versuche mich mal an einem Fazit.

Mein Fazit ist, dass ich es völlig ok finde, einer Schwäche nachzugeben. Und auch,
Schwächen zu haben. Vorhin hab ich mir Gedanken gemacht, ob es Menschen gibt, die sich immer unter Kontrolle haben. Jetzt meine ich, das wär so richtig schlimm! Jemand ohne Schwächen – das muss ein Roboter sein oder ein Cyborg. Schwächen sind menschlich und wichtig! Und ab und zu sollte man seinen Schwächen auch nachgeben. 
Und sei es nur 1 cm Wiener Würstchen, das einem zum Glück verhilft!

Danke für die Geduld und den guten Willen, in diesem wilden Versuch, sinnvoll zu schreiben, zurecht zu kommen!
Gute Nacht!





Blognacht powered by Anna Koschinski 

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