Mausloch

Das Mausloch ist mein öffentliches Tagebuch.
Mein Refugium. Meine Höhle. Mein Ventil. Viel Spaß!

Mittwoch, 29. April 2020

Als der Muffin mein Leben rettete

"Sabine könnten Sie bitte mit der Patientin auf Zimmer 3 gehen? Da kann man lüften."
Jetzt hört man schon im normalen Betrieb so eine Ansage nicht soo gern, aber aktuell nervt es richtig! Bedeutet das ja entweder, die Patientin müffelt wie toter Waschbär  oder Patientin verbreitet Todesviren. Ich glaube, der tote Waschbär wär mir tatsächlich lieber gewesen.
Also jetzt ist es soweit, mein erstes Mal ... ich ziehe eins dieser gelben Ganzkörperkondome aus dem Schrank. Beim Anziehen merke ich sofort, das Ding ist luftdicht, kein Sauerstoffaustausch möglich. Dann die Spezialmaske, die Gute, für besondere Anlässe - ich bin hier zum arbeiten und nicht zum vor mich hin atmen! Handschuhe über die Ärmel. Der Azubi schnürt mich ein. Und zum Schluss das Sahnehäubchen: ein Visier! Allerdings gebe ich nach dem 4. Versuch auf, mir das Ding auf den Kopf zu setzen, der Gurt löst sich jedesmal. Schade, ich habe heute leider kein Schutzvisier für dich! Aber eine Schutzbrille hab ich, ich liebe ja Doppelbrillenoptik, da freu ich mich bei jedem 3D-Film im Kino!
So geschützt von oben bis unten schubse ich die Patientin vor mir her ins Zimmer 3. Während sich die Frau ununterbrochen für den Aufwand entschuldigt, versuche ich verzweifelt, mich zu konzentrieren. Meine Hände sind schon komplett eingeschlafen und taub. Blutabnehmen ohne Sicht und Gefühl, das klingt spannend! Ich taste nach der Vene und kann sie nur erahnen. Aber länger kann ich nicht suchen, mein Astronautenanzug bringt mich gleich um, das ist eine Sauna to go! Und das mir !!
Außerdem geht mir das nicht enden wollende Geplapper auf die Nerven.
Bitte Leut, wenn ihr mal beim Blutabnehmen seid - seid einfach still! Dann kann sich die Labortante konzentrieren und hat euch lieb!
Ich fühle, wie Schweißtropfen über meine Lippen am Kinn entlang laufen. Mein Rücken tut weh. Egal jetzt, rein mit der Nadel, Schuss ins Blaue! Und ein Treffer! Nein, kein Glück, das ist Können! *hust
Dann der Rachenabstrich für den gefährlichen Test. Mund auf, ganz weit! Hurra sie hört auf zu sabbeln!!
Ich weiß, dass ich den Wattetupfer so weit wie möglich in den Hals schieben muss und bin einen kurzen Augenblick froh, dass ich auf dieser Seite des Wattestäbchens bin. Bevor die Patientin richtig Zeit hat zu würgen bin ich fertig und beschwöre die Frau, dass sie direkt nach Hause gehen soll und nicht mehr rauskommen darf, bis sie unseren Anruf kriegt. Und ich versichere zum 10. Mal, dass sie sich nicht entschuldigen muss.
Ein einziger Gedanke erfüllt mich: runter mit dem Zeug !! Schnell!
"Sabine, ich hätte da noch einen Abstrich, die Patientin ist im Nebenraum. Gehen Sie auch ins Zimmer 3." Ich weiß schon, lüftbar. Die Patientin setzt sich. Ich fühle, wie der Kittel an den schweißnassen Armen kleben bleibt. Die Handschuhe sind nicht mehr Kinderkackegelb sondern durchsichtig vom Schweiß.
Schnell Mund auf, schnell den Rachen schrubbern, schnell weg mit dir! Und schön zu Hause bleiben!
Jetzt aber!
Kaum zurück im Labor, kurz bevor ich wieder Sauerstoff bekommen sollte "Sabine, da wäre noch ein Patient in Zimmer 4, einen Coronaabstrich bitte!"
Wollt ihr mich verarschen?
So jetzt gehts auf Zeit! In weniger als 5 Min zerfließe ich. In Selbstmitleid und wörtlich!
Ich schnappe mir ein drittes Röhrchen und stürme in Zimmer 4, wo ich einen toten Waschbären mit schlecht sitzender Perücke vorfinde. Ich strahle den Mann an, ich bin schließlich Profi. Auch, wenn der das unter der Maske nicht sieht. Ich versuche immer, super freundliche Augen zu haben, keine Ahnung, ob das so rüberkommt. Könnte auch als wirrer Blick interpretiert werden.
Während ich dem Mann, der mich nicht versteht, wild gestikulierend vorscharade, dass er seinen Mund weit aufmachen soll (spiel das mal vor mit Mundschutz) sammelt sich in meiner VIP-Maske das Wasser an. Er öffnet den Mund und ich bin nicht unglücklich darüber, dass meine Brille beschlagen ist. An seinem einzigen Zahn vorbei stochere ich gekonnt mit meinem Wattestäbchen in des Opfers Rachen. Stöpsel drauf, ab der Fisch!
Ich rufe Azubinchen herbei und sie hilft mir, mir die Sachen vom Körper zu rupfen. Brille weg, Handschuhe runter, schwierig, alles klebt fest. Diesen gelben Kittel weg und den Mundschutz, ich keuche und muss einen elenden Anblick bieten, Azubi guckt erschrocken. Ich sitze auf der Liege und versuche, zu atmen und mir das Gesicht zu trocknen. Alter Schwede!
Und es ist erst halb neun!
Gehetzt bringe ich meine Beute von drei gefährlichen Stäbchen in Sicherheit, da stolpere ich fast über den fies geparkten Rollator eines Opas, der es sich schon mal im Labor gemütlich gemacht hat. Schließlich hat er ja jetzt einen Termin und bis ich ihn aufrufe, dauert es ihm zu lange.
Ich bin noch nicht wieder unter den Lebenden und trocken auch noch nicht, da kann ich die Fragen des Opas nach meinem Wochenende und was die Liebe macht nur schwer ertragen. Warum könnt ihr nicht einfach den Schnabel halten, ich muss mich konzentrieren! Neue Handschuhe über schweißnasse Hände pfriemeln zum Beispiel is schwer! Der Profi in mir schweigt, während meine Augen dem Opa den Schweigefuchs zeigen!
Der Opa ist fertig und geht, ich reiße mir alles von Gesicht und Händen und in dem Moment kommt Kollegin U zu mir, streckt den Kopf ins Labor und verkündet:
"Es gibt neue Kirschmuffins! Komm und hol dir welche!"

Sabine - saved!



Sonntag, 26. April 2020

schau schau, so schlau !

was manch einer nie für möglich gehalten hätte, es ist passiert! Ich bin schlauer geworden! Die Antworten auf den letzten post (Laaangweilig) haben mich zum grübeln gebracht und das ganze Wochenende haben die Gedanken in mir geblubbert, bis ich zu dem Schluß gekommen bin, dass es ganz phantastische Worte sind, die ich da geschickt bekommen hab! Vielleicht ist es ja tatsächlich so, dass es in erster Linie an der Übung liegt, und somit auch an den Räumlichkeiten. Wenn man nicht mittendrin ist im Geschehen, kann (!) man nur von außen zugucken! Diese Erkenntnis kam wie ein Gong von hinten! Es besteht also die Möglichkeit, dass es garnicht nur an mir und meiner Unfähigkeit zu Sozialkontakten liegt, sondern an der Gewohnheit!!
Das bestätig sich nochmal, wenn ich überlege, wann meine Glanzzeiten waren. Wann war ich die Queen of smalltalk, wann konnte ich flirten und mit frohen Herzens Fremden in die Arme schmeißen? Ich weiß es! Das war damals! Ha-haa, damals als ich weggegangen bin, als ich unterwegs war, fast jeden Abend! Inmitten von Leuten, immer in ner Gruppe oder mindestens mit ner bekloppten Freundin. Da war ich in Übung und mir fiel das Geplapper voll leicht.
Und damals hab ich auch nicht einen Sinn in diesem Gesabbel gesucht, war nicht nötig weil sich niemand dafür interessiert. Heute hinterfrage ich alles. Nicht gut. , viel zu "verkopft".
Ich weiß schon, dass ich nie mehr so locker sein werde, aber ein bisschen auflockern könnte ich die alte Fregatte schon, denk ich. Ich lass mich von mir selbst überraschen!
Danke an die klugen Frauen!

Ich bin sogar NOCHMAL klüger geworden! Mein Blut beanstandet, es fehle ihm massiv Vitamin D und Schilddrüsenhormone und es verlangt Abhilfe.Damit kann ich arbeiten. Jetzt gibts auch eine Erklärung, warum ich immer so elend müde bin. Eine weitere Erklärung .. es ist nämlich schon verdammt spät und ich sollte schleunigst ins Bett!
Gute Nacht!


(der is gut!)

Dienstag, 21. April 2020

laaangweilig !

Ich merke, dass etwas anders ist. Man kennt sich ja selbst am Besten und bemerkt Veränderungen schneller als andere. Wahrscheinlich bemerkt man als Einziger solche Veränderungen und spinnt wiedermal bloß rum. Aber ich merk, dass ich mich selber in unserem kleinen Kollegengrüppchen ins Abseits stoße, jedenfalls fühlt es sich so an. Dabei ist es genau das Gegenteil, was ich möchte! Ich will da schon drin sein, mittendrin am liebsten! Aber es läuft voll in die falsche Richtung!
Als die neue Kollegin (U) zu uns gekommen ist als Ersatz für die hyperfröhliche Kollegin G fand ich das ganz toll. Weil die lustig ist und nicht so gekünstelt "haha ich bin so lustig, schau wie lustig ich bin! hahaha bei mir musst du mit allem rechnen weil ich so crazy bin, echt hey! haha bissle Spaß muss schon sein .." Ehrlich? Ich könnt im Kreis kotzen, wenn ich mit so jemand länger auskommen muss!  Aber die Misere ist beendet und Kollegin U steht auf der Matte. Und U ist cool! Die mag ich spontan. Jetzt isses so, dass die beiden Kolleginnen U und T zusammen an der Anmeldung sitzen. Den ganzen Tag. Und in dieser Zeit haben die beiden festgestellt, dass sie .. wie sagt man .. selbe Signale? Selbe .. ach Wellenlänge, genau, die haben sie. Und sie verstehen sich super da vorne. Dann gibts noch die Azubine. Eine ganz Süße, fleißige, die Anfangs etwas schüchtern war aber jetzt immer mehr auftaut! Und die drei hör ich halt dauern lachen und kichern und über irgendwelche Taschen auf amazon oder Fingernägel oder sonstwas reden. Leider ist das nicht meine Welt, ich brauch Taschen zum tragen und nicht zum süß finden, ich hab unlackierte, kurze Fingernägel und mein Geschmack ist ziemlich anders. Ich bin Kollegin S, die in ihrem Kabuff sitzt, neben der Anmeldung, neben da wo alle sind. Und ich arbeite vor mich hin und hör halt nur zu. Ab und zu ruf ich was dazu aber das kommt ziemlich dünn. Ich kann mich aber nicht dazustellen, weil ich ja arbeiten muss. Nervt.
So und jetzt hab ich bemerkt, selbst wenn ich auch vorne am Tresen steh oder mal jemand zu mir ins Labor kommt, da sehe ich mich selbst sitzen und krieg den Mund nicht auf! Ich glaub, ich hab den smalltalk verlernt!! FUCKKKK! Das konnte ich doch mal so gut, Konter geben und coole Antworten und frech war ich und irgendwie gut drauf.
Dahin.
Es ist scheinbar nichts mehr übrig von der lockeren Sabine, jetzt reagiere ich verkrampft und hab keine Ahnung, was ich lässiges antworten könnte, wenn jemand ein Thema in den Raum wirft.
Das ist übel, das gefällt mir überhaupt nicht! Ich will das nicht, ich will wieder locker flockig vor mich hinquatschen !! Irgendwas stimmt nicht.
Noch was gefällt mir nicht, wenn ich daheim bin, leg ich mich hin und schlafe ein. Auch wenn ich mich nicht hinlege, schlaf ich ein.  Ich schlaf einfach immer ein, sitzend, liegend, sogar stehend.
Gerne auch für ein paar Sekunden vor dem Bildschirm. Den ganzen Tag lang - aber Nachts is Hyper Hyper how much is the fish!!
Also irgendwas stimmt nicht. Ich werd noch eine seltsame alte Frau die die Kinder von ihrem Rasen verjagt. Morgen lass ich mir vom Azubi mal Blut abnehmen, vielleicht bin ich dann schlauer.
Vielleicht werde ich aber auch einfach nur alt und biestig. Und langweilig.


Sonntag, 19. April 2020

Der Herr der Fliegen

So fleißig!! Alle drei! Und das an einem Sonntag, ja bisd du depperd!!!
Ein Jahr haben wir das vor uns her geschoben und nachdem ich letzte Woche 4 Wespen im Schlafzimmer hatte, hab ich heute den Bub gezwungen, mit mir die Fliegengitter an zu bringen! Seins war ja schon letztes Jahr komplett weggeweht worden, meins hing noch an einem Eck fest.
Das ist vielleicht eine bescheuerte Arbeit! Fängt mit Fensterrahmen putzen an, das tät ja schon reichen, um einem den Sonntag zu versauen. Danach mit nem Spachtel die alten Klebereste wegkratzen. Morgen hab ich Muskelkater, das sag ich dir! Sowas ist nichts für meinen zarten Körper! Da haste selber null Bock auf diese Arbeit und musst aber dein Kind dazu motivieren! Der Gipfel der Selbstbeherrschung! Und dann läuft natürlich Musik vom Bub, da hab ich keine Chance. Klebereste kopfüber vom Rahmen kratzen mit japanischem Rap im Hintergrund - a Traum! Erschwerend kommt dazu, dass beim Bub das Fenster nicht ganz aufgeht - da ist wichtige Technik, die nicht verrutscht werden darf! Und bei mir sorgt eine Heizungsverkleidung Marke Eigenbau für Spannung, da darf man nämlich nicht drankommen - sonst fällt die ab und ich hab schließlich versprochen, gut auf das Kunstprojekt aufzupassen! Bin ja froh, dass ich das Ding hab - die Heizung ist unfassbar hässlich! Ein riesiges, rechteckiges Monstrum aus den Untiefen der 60er- Jahre-Heizungslager.
Dann die neuen Klebestreifen zurechtschneiden. Messen und rechnen ist ja nicht so meins, wofür hab ich einen Gymnasiasten im Haus? Mach mal, das kriegst du schon hin. Meine Qualitäten liegen nicht im Klebestreifen abmessen, aber damit kann ich leben. Die Klebestreifen kleben da, wo sie kleben sollen und der Bub sinkt erschöpft auf den Entspannungsstuhl vonner IKEA, meinem geliebten "Markus". Erstmal ausruhen. Wir sind körperliche Arbeit nicht gewohnt. Außerdem knallt die Sonne auf unser Tun, das erschwert das ganze Vorhaben enorm.
Mit dem letzten bisschen Energie, die ich aufbringen kann, rupfe ich den Bub vom Markus und wir schneiden die Fliegengitter zu. Was eine echte Herausforderung ist. Soll ja locker sein und darf nicht spannen. Aber auch nicht zu locker - wie gesagt, rechnen und messen war nie meine Kür! Mein Lieblingsmathelehrer Herr Barnickel weiß das! Und ich schreibe hier bewusst den Namen B-A-R-N-I-C-K-E-L aus, das ist meine teuflische Rache für jahrelange Mathequal !! Har har ... jetzt stehtst du in einem Blog und alle können es lesen! Ich bin sowas von böse!
Die Fenster.
Zum eigenen Erstaunen bringen wir es zusammen fertig, die Netze an die Fenster zu drücken!
Ok, schön ist was anderes, aber es tut seien Dienst und hält die Fliegen und Mücken draußen.

Pflicht getan! Hurra!
Ich geh lesen!

Donnerstag, 16. April 2020

die Schinkennudeln von gestern

Seit drei Tagen lässt mich dieser Traum nicht mehr los. Dass ich grundsätzlich nen ziemlichen Stiefel zusammenträume, weiß ich.
Wirres Zeug, meistens werde ich verfolgt oder suche was oder stecke sonst irgendwie im Schlamassel.
Mit dem aktuellen Traum will mir mein Unterbewusstsein dringend sagen, dass ich für verschiedene Sachen einfach zu alt bin. Zum Beispiel zum Fortgehen am Abend. Und ganz speziell zu alt zum flirten, der Zug ist sowas von abgefahren!

Der Traum war so: Ich bin mit zwei Jungs und einem Mädchen unterwegs, die ich im echten Leben noch nie geserhen hab
(Ist ja schon mal bemerkenswert, sonst wird immer nur von bekannten Nasen geträumt). Die drei waren Anfang zwanzig und ich so alt wie ich bin - knapp 50. Ganz ganz knapp. Aber knapp! Wir laufen planlos durch die Stadt, bis wir in einem Lokal landen, das laut der drei Jungspunde total angesagt sei. Wir sitzen da und ich finde alles doof. Musik, Leute, was geredet wird und
dass ich überhaupt hier sein muss - alles doof! Mein Gegenüber will mich überreden, was zu essen zu bestellen, es gäbe hier den besten Salat aller Zeiten. Aber ich will nicht. Ist mir zu blöd hier. Dann stellt der Typ fest, dass ich früher viel lustiger war und dass es jetzt keinen Spaß mehr macht, wenn ich dabei bin. Ich unterstütze das, früher war alles besser. Früher war ich
voll die Partymaus und heute ein alter Lederstiefel. Ich will hier weg, ich finde alles hier lächerlich, die ganze Kneipe und überhaupt.
Dann schmeißt mir der Typ 20€ hin und schlägt vor, ich solle mir ein Taxi rufen weil er geht jetzt. Der andere Typ geht mit ihm und das Mädel steht wortlos auf und ist auch weg.
Ich bin erleichtert, dass ich heim kann und beschließe im gehen, mir die Schinkennudeln von gestern warm zu machen.
Und steige fröhlich ins Taxi, froh, hier weg zu kommen.

Was will mir der Traum sagen? Dass ich keinen Bock mehr hab, unter Leute zu gehen? Dass ich mein Hausmütterchen-Dasein genieße? Also das ist ziemlich verzwickt. Weil, wenn ich könnte, wie ich wollte, würde ich unbedingt wollen! Aber so will ich lieber nicht.
Weißte Bescheid?!
Wenn ich laufen könnt, so schmerzfrei und locker flockig den Weg entlang hüpfen könnte und dabei auch noch keine Gloria mehr wär, sondern ein Normalinchen, dann würde ich allen wahrscheinlich auf die Nerven gehen, weil ich ständig irgendwohin wollte.
Kino, Theater, Kneipe, Bar - völlig egal, hauptsache was erleben! Yiiehaaa!
Es wäre mir egal, wie alt ich bin. Ich würde überall hingehen, wo es mir Spaß macht.
Früher - damals, a long time ago - war Ausgehen das Wichtigste. Spaß haben. Und es hat auch Spaß gemacht! 
Wir waren immer irgendwie alle gleich alt und gleich orientiert, wir wollten feiern ohne zu denken! Ich hatte eine Stammkneipe, war eigentlich nie allein.
Feiern ging nicht ohne Alkohol und mit Alkohol fängste an, zu flirten und dummes Zeug zu tun. ( was meist das gleiche ist).
Und tanzen, das war auch wichtig! Es gab auch überall Gelegenheit, über Rockkneipen biste überall gestolpert und Rockdiscos gab es auch an fast jeder Ecke. 
Heute sagt man nicht mehr "Disco", heute sagt man "Club". Pfff

So, dann fasse ich mal  zusammen: tanzen kann ich nicht, saufen will ich nicht, flirten darf ich nicht, ich will eigentlich bloß meine Ruhe und was feines zu Essen. Die Schinkennudeln von gestern zum Beistpiel. Und mein Sofa.
Eigentlich bin ich recht zufrieden.
Und ausgetobt hab ich mich auch, reichlich sogar. Bisschen faul bin ich vielleicht noch und dauermüde.
Es ist zwar schön, ab und zu irgendwohin zu gehen, aber das beschränkt sich eher auf Konzerte, wo man sitzen kann. Harry Potter in Concert zum Beispiel oder eine BigBand. Zusammen mit Waldfeger.
Und meiner Mama. (Hätte mir das einer erzählt, als ich 20 war, ich wär vom Glauben abgefallen!!)
Jupp, es hat sich einiges verändert.
Mein Name ist Sabine B., ich bin (verdammt knapp) 50 und das ist auch gut so!





Montag, 13. April 2020

du kommst hier nicht rein, geschlossene Gesellschaft!

Wir alle zusammen haben für Oma ein Osterkörbchen gefüllt.Jeder hat was dazu beigetragen, so dass es kein Osterkörbchen mehr war sondern ein Osterkorb, ein ziemlich schwerer.
Selbstgebackene Makronen von Tochter, Fliederseife und Tofiffee von Waldfeger, dazu Obst, eine Bentobox mit Essen, Klopapier (haha), Muffins, selbstgemachter Eierlikör von Sohn, Osterkarten und Hörbücher und ein Haufen Sachen, die sie hoffentlich zum lächeln bringen. Hat richtig Spaß gemacht, diesen Korb zu füllen! Wir sind dann am Samstag zu viert - Waldfeger, Sohn, ich und der Korb - zu Oma's Wohnstift, um sie zu besuchen. Richtig besuchen kann man die Oma ja garnicht  mehr, die Senioren sind ziemlich eingeschränkt in ihrem Bewegungsradius. Heißt, das ganze Haus steht unter Quarantäne.
Es wurde sogar an der Toreinfahrt ein Zelt aufgebaut, in dem 3-4 Security-Kerle aufpassen wie ein Luchs, dass keiner den Senioren zu nahe kommt oder sonst irgendwelche Dummheiten macht.
Wir nähern uns dem Zelt und werden sofort von einem der Aufpasser ausgebremst. Den Korb müssen wir abgeben, obwohl wir gesagt haben, dass die Oma gleich auftaucht. Der Türsteher kommt sich sehr, sehr wichtig vor und ist sich seiner Verantwortung so bewusst, dass er uns anfaucht und uns lautstark mit den Abstands-Regelungen bekanntmacht. Wie aufmerksam von ihm. Oma ist jetzt da, wir stehen wie die Orgelpfeiffen am Eingang und unter den missbilligenden Blicken der Sicherheitsbeauftragten schlendert Oma einfach an denen vorbei, parkt ihren Rollator VOR dem Mäucherchen und nimmt Platz. Wir stehen in ca 2 Meter Abstand zu ihr am Wegesrand. Da baut sich der Gorilla vor Oma auf und will uns weiter weg scheuchen, wir machen ihm wohl nicht den vertrauenswürdigsten Eindruck. Nein, 2 Meter sind ihm nicht genug und am liebsten hätte er uns wohl eine Markierung für die Füße mit Kreide auf den Gehsteig gemalt. 10 Meter weiter. Die Art, mit der er uns in unsere Schranken weist, lässt darauf schließen, dass wir nicht im entferntesten würdig genug sind, hier stehen zu dürfen. Ahnungslos wie wir sind können wir froh sein, wenn uns wenigstens EINER mal sagt, wo's lang geht!
Sicherheit ist wichtig, klar, aber man kann's auch übertreiben. Mr. Wichtig lässt uns keine Sekunde aus den Augen. Ihm wär wohl am liebsten gewesen, wir wären einfach im Auto auf dem Parkplatz 20 m weiter geblieben und hätten der Oma unser "Frohe Ostern" durch ein Megaphon zugebrüllt!
Also die Stiftsbewohner sind schon gut behütet, da beißt die Maus keinen Faden ab!
Wenn mein Chef genauso Wert auf Sicherheit legen würde, dann dürfte ich eigentlich garnicht mehr arbeiten. Beim Blutabnehmen muss ich mit den Patienten auf Tuchfühlung gehen, da ist nix mit meterweise Abstand! Aber das interessiert jetzt nicht.
Die Oma ist mit ihrem Korb dann brav zurück in ihr Zimmer und ruft uns später an, sie freut sich sehr und findet das richtig gut!
Finden wir auch!





Und jetzt?
Ostern ist vorbei, Urlaub ist vorbei und morgen gehts wieder los mit dem Alltagstrott.
Ich hab 8 Wochen vor mir, 8 Wochen mit Mundschutz. Also 8 Wochen ohne zu atmen. Freu mich schon!
Atemlos durch's Labor ... lalalaaaaaaa

übrigens hier noch was schönes:
Da der Brunnen unserer Siedlung nicht geschmückt wurde dieses Jahr, haben wir das selber in die Hand genommen, Steine bunt angemalt und auf den Brunnen gelegt. Ich find' das ne super Aktion! Haben auch einige mitgemacht!





'n Likörchen? Zu Ostern?

Was für ein schönes Ostern!!
Das Osterfrühstück, das bei uns ja schon Tradition hat, solange ich mich erinnern kann, fand statt - trotzdem wir nur zu dritt waren. Es war ein schön gedeckter Tisch mit feinen Sachen - ich mag Frühstück sehr, vor allem, wenn man Zeit hat und nicht alleine ist. (ABBA lief im Hintergrund) Dafür sind wir am Ostersonntag extra früh aufgestanden. Satt mit Lachs und Eiern und Bacon und Brötchen dann erstmal schön Pause machen. Der Bub kriegt die Macht (also die Fernbedienung) und ich leg mich erstmal aufs Sofa, Nickerchen machen. Osternickerchen! Was für ein Leben!
Und dann erfüllt sich mir ein Wunsch, den ich schon länger heimlich hab. Weisst, nachdem sich jeder bei uns gern verkrümelt und allein vor sich hinwurschtelt und im Haus rumort, bleiben wir heute mal zusammen. Mehr noch, wir setzen uns gemeinsam auf die Terrasse und spielen! Wie lang haben wir nicht mehr gespielt?!
Das erste Spiel heißt Anno Domini, da kriegst du ne Karte mit einem Ereignis drauf und musst schätzen, wann  in welchem Jahr das ungefähr war. Du denkst dir, das könnte in den 50ern gewesen sein, spätestens in den 60ern. Dann legt jemand vielleicht ein Veto ein und dreht die Karte um und zur allgemeinen Verblüffung war das Ereignis 1829! Knapp verschätzt also. Und die anderen kriegen einen Punkt (in Form eines Bonbons). Erst war's nur interessant, weil du da echt was erfährst, und dann wurds immer lustiger. Zumal wir noch Reste vom selbstgemachten Nutellalikör von Tochter gefunden haben!
Das zweite Spiel heißt BAM! und du musst mit den Begriffen auf deinen Karten einen Satz ergänzen. Die hatten es ganz schön in sich, das Spiel ist nämlich ab 18 und solche Wörter lese ich normalerweise nicht vor meinem Kind laut vor. Durch den Nutellalikör wurde das immer lustiger und lauter, herrlich gute und ausgelassene Stimmung bei uns!
Das Spiel war gleichzeitig mit der Flasche beendet, die Herren fuhren bissl Fahrrad und ich hab dann mal angefangen, fürs Abendessen zu kochen.
Feines Essen, gute Stimmung, und die richtige Entscheidung, welchen Film wir uns angucken werden:
Die Unglaublichen 2. Hab ich zwar schon im Kino gesehen, aber vergesslich wie ich alte Schachtel bin, wusste ich nicht mehr viel von der Handlung.
Irgendwie war dieser Ostersonntag fast noch schöner als all die anderen vorher, auch wenn wir Ostern offiziell ausfallen lassen wollten. Das heißt, es war kein Besuch da und es gab keine Geschenke. Die Kinder haben einen Schokohasen und ein paar Gutties bekommen, ein gut riechendes Duschgel und bissl Kohle. Und trotzdem war das ein super schöner Tag. Entspannt und gut gelaunt. Hätt ich gern mehr!
Und was mich total freut: das Kartenspiel, das ich für den Bub bestellt hab, heißt Anno Domini mit einem anderen Schwerpunkt als Thema. Gibt ja verschiedene Kategorien. Und es ist nicht pünktlich angekommen. Also das ist jetzt nicht das, was mich so freut, aber genau dieses Spiel hat er sich heute ausgesucht!
Bedeutet, das ihm das gut gefällt! Und meine Bedenken sind passè !
Hurra!
Frohe Ostern!





danke, Waldfeger! <3 <3 <3 


Dienstag, 7. April 2020

Pechmarie

Vorhin war ich streng zu mir selber. Wenn man das nicht ab und zu bewusst macht, ziehen so kostbare Tage wie Wochenende oder Urlaub unbemerkt an einem vorbei. Das wär viel zu schade!
Satt vom Frühstück sitze ich auf der Couch, die Terrassentür ist offen, es weht einen verfrühten Sommer zu mir herein und irgendjemand arbeitet draußen. Wahrscheinlich wird irgendwas abgeschliffen, es klingt so. Gleichmäßig. Das lullt mich total ein und ich beschließe, mich kurz hin zu legen.
Nach einer knappen Stunde wach ich auf und überlege, was ich jetzt mach: auf die andere Seite legen oder aufstehen. Ich denke an die Kissen, an meine armen Gelenke, an den anstehenden Einkauf, die Wäsche, Zähneputzen, ... und dann zieh ich mich selber am Schlafittchen vom Sofa hoch. Mann es ist Mittag !!!
Wie gefährlich, wenn einem keiner auf die Finger schaut! Ich neige ja sowieso zum faul sein und zum Zeit dahinziehen lassen, dass mir das gefällt hab ich nicht gesagt, aber ich neige dazu.
Wenn mir niemand Feuer unterm Arsch macht, bleib ich auf selbigem sitzen und daddel im Internet rum.
Früher war das meine Mama, sie hat echt gut aufgepasst, dass ich keine Zeit verschwende und erst meine Pflicht tu. Ich hab den Spruch noch im Ohr: "Erst die Arbeit, dann das Vergnügen!"
Ach Mama.
Du hast ja so recht! Irgendwie hab ich grade im Moment das Bedürfnis, zum Sohn rüber zu schauen und ihn an diesen Umstand zu erinnern. Mit erhobenem Zeigefinger!
Nee doch lieber ohne.
(kurz abwesend)
So das musste sein. Aber er ist klüger als ich, er weiß, was er wann tun muss und hat seine Arbeit im Blick. Ich war anders, als ich so alt war. Ich hatte schon immer dieses Faul-Gen in mir und erst mit Druck oder mit Panik, weil die Arbeit morgen fertig sein muss, da konnte ich auf einmal. Klingt ziemlich erbärmlich, wenn ich das hier so lese.
Meiner Ansicht nach gibt es zwei Typen, was Arbeitsaufträge angeht:
Typ 1: Die Arbeit muss in 2 Wochen fertig sein - da fang ich lieber gleich an, damit es gut wird und ich keinen Stress hab.
Typ 2: Die Arbeit muss in 2 Wochen fertig sein - dann hab ich ja noch 2 Wochen Zeit und leg mich jetzt schön hin. (Oder damals: dann kann ich bis dahin ja noch schön feiern gehen!)

Ich wär gern Typ 1, aber ich muss leider zugeben, tief in meinem Innern bin ich Typ 2.
Im Märchen wär ich die Tochter der Schwiegermutter. Oder der mittlere von drei Brüdern. Ist dir schon mal aufgefallen, dass es IMMER 3 Brüder sind, die IMMER die gleiche Rollenaufteilung haben?
Der älteste ist immer die Spaßbremse. Der mittlere der faule Freßsack und der jüngste der schlaue Hübsche, der die Königstochter abkriegt. Der heißt übrigens immer Hans.
Und die faulen Pechmarie'n heißen Luise. Nenn dein Kind nie Luise, da weisste von Vornherein schon, was du kriegst!


Sonntag, 5. April 2020

Love, Peace & Happiness

Manchmal gibt es Momente, da passt's einfach. Da tut nix weh, da musst' nix tun, da hast' keinen Termin, sondern Zeit und Frieden um dich herum.
Jetzt ist so ein Moment. Wir sind zurück vom Steine klauen und sitzen im Garten. Es ist angenehm warm, blauer Himmel Sonne pur. Vögel zwitschern, ein Rabenpärchen unterhält sich über drei Häuser hinweg. Was die sich wohl erzählen? "Ingeborg, hast du nach den Kindern gesehen?""Warum immer ich? Ich brauche auch mal meinen Freiraum, Günther!" Günther weiß, dass er dagegen nicht ankommt und fliegt los, die Brut nachzählen.
Und ich sitze hier bei Cappuccino und Zitronenkuchen, vermisse das ewige Geschrei der Leute auf der Straße überhaupt nicht und lese mein liebstes Buch. Momentan liebstes Buch.
Da weht ein kleiner Windhauch.
Manchmal passt's einfach!




Samstag, 4. April 2020

Der Geist ist willig, aber der Rest nicht

Ich wollte fleißig sein. Wirklich! Putzen, waschen, saugen, ... Aber kaum komm ich ins erste Zimmer, liegt da ein Buch ... direkt neben einem Bett ... Ach ich bin so ein schwaches Menschlein. Seufz!