Keine großartigen Pläne heute. Außer die beiden trockenen Stunden mittags auszunutzen, man muss nehmen, was man kriegt.
Wir laufen rüber zum Deich und genießen das Schlendern auf den roten Steinstraßen, ohne nass zu werden. Stöbern in Andenkenläden, reservieren im Fischrestaurant für heute Abend einen Tisch für zwei, freuen uns über jede Kleinigkeit, uns sei es nur ein Rosenbusch vor dem malerischen, weißen Steinbogen.
Dann komme ich endlich zu meinem ersehnten Ostrfriesentee! Ich hab gelernt, dass die Ostfriesen ihren Tee nicht einfach nur so trinken - nee, nee! Dat mut originaal sin, mien Fründ!
Tee na Oostfreeske Maneer
Toerst de Kluntje innendrin,
nu schenk de hete Tee man in.
wenn de Kluntje fallt in Stücken
Een Lepel Rohm noch - dat is klaar,
kummt bold dat Wulkje wunnerbaar.
man jo nich mit de Lepel röhn'n!
Un is de Teestünn denn vörbi,
puust ut dat Lücht dat raad ik di!
dann koom doch gern gau maal weer!
so ist dat,
Teetrinken mit Anleitung
Als Möwe bist du drauf angewiesen, einen spendablen Touristen zu erwischen, der dumm genug ist, seinen Fisch mit dir zu teilen. Oder einen Tolpatsch, der sein Fischbrötchen fallen lässt.
Scheinbar lohnt sich die Warterei vor dem Fischgeschäft! Unsere Brötchen halten wir jedenfalls gut fest!
Abends erlebten wir einen kulinarischen Höhepunkt in diesem Urlaub! Im Restaurant Greetsieler Börse (falls du mal in Greetsiel hungrig umherstreifen solltest, ist das mein absoluter Geheimtipp für dich) hatte ich den besten Fisch aller Zeiten! Das Lokal fand ich sowieso klasse, die Einrichtung, die Atmosphäre, die freundlichen Kellner - hat alles gepasst! Im Hintergrund lief angenehme Musik, Bossa Nova Klänge, und ich bestellte mir zum ersten mal Dorade. Doradenfilet mit Rosmarinkartoffeln - ich bin hin und weg! Also ein Glücksgriff inmitten der vielen Lokale im Ort.
Sogar die Toilette hat mich begeistert - so weit einen eine Toilette in Begeisterung versetzen kann.
Zum Abschluss gab es Lombardo Marsala aufs Haus, der Geschmack hat mich an früher erinnert und mir wurde ganz warm im Bauch :)
Satt und zufrieden spazieren wir ein paar Häuschen weiter bis zum Hafenkieker, einer Bar direkt am Hafen. Hier gab es keinen eleganten Bossa Nova sondern eine gemütliche Bar mit Jever und einer Bardame, die scheinbar einen sehr gemischten Musikgeschmack hat. Von A-HA, Queen und den Ärzten über Westernhagen, die Prinzen und undefinierbarer 90er Jahre songs. Alles dabei.
War ein lustiger Abend in dieser sehr langen, sehr schmalen Kneipe und zum Abschluss krieg ich einen Campari Orange! Seit Jahren und Jahrzehnten mal wieder. Sabine happy!

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