Dieser fünfte Nordseetag war echt tierisch!
Nachdem wir den Vormittag mit herrlichem Nichtstun vertrödelt haben, (das bedeutet, ich hab nichts getan, der Mann hat in der Küche rumort und Brötchen geholt) machten wir uns auf nach Norddeich. Weil wir vor 12 Jahren mit den Kindern schonmal dort geurlaubt haben und gute Erinnerungen haben.
Der Weg dorthin war traumhaft! Über norddeutsche Alleen, an weiten Feldern vorbei, Unmengen von Windrädern, schwarz-weißen Kühen und Pferden. Einzig der Wechsel im Minutentakt von Tempo 100 auf 50 auf 70 auf 30 auf 100 hat es spannend gemacht. Wir kommen beim Großparkplatz an und ich erlebe etwas, was ich noch nie in meinem Leben erfahren habe - ich holte mir den ERSTEN Parkplatz! VIP-parking quasi, ganz vorne! So alt musste ich werden, bis ich tatsächlich mal den ERSTEN Parkplatz bekommen hab! Sabine, Platz 1! Da war es auch gar nicht mehr so schlimm, dass es zu regnen anfing.
Wir wollen die Hauptstraße entlang laufen, weil es da in unserer Erinnerung viele kleine Läden gibt. Der Weg dorthin gestaltet sich länger als gedacht. Mit Schirm und Regenjacke stiefeln wir durch das Wohngebiet. Lange. Sehr lange. Mein Fußgelenk meldet sich und ich beruhige es, indem ich mir selber ständig vorbete, dass ich bestimmt gleich einen Stuhl und einen Tee kriege. Als wir endlich ein Café erreichten, fanden wir einen völlig überforderten Angestellten, der mir keinen Ostfriesentee für eine original Ostfriesen Teezeremonie geben wollte (oder konnte), sondern nur eine Tasse heißes Wasser und einen Teebeutel. Nein danke, dann bleib ich bei Cappuccino. Hauptsache erstmal ein bisschen ausruhen.
Gestärkt laufen wir weiter, die kleinen Läden befinden sich übrigens in der Parallelstraße, bis wir am Deich ankommen. Dort ist ein Aussichtslokal ganz oben, das wir damals schon besucht haben. Da krieg ich meinen Ostfriesentee! Nachdem wir die vielen Stufen erklommen haben, stehen wir am Ende der Schlange. Das Lokal ist überfüllt. Danke.
Okeee, dann laufen wir auf dem Deich weiter. Als wir damals hier waren, hat uns der starke Wind fast aufs Meer geweht. Und heute wehte der selbe Wind genauso stark - bloß mit Regen vermischt. Hui, was für ein Spaß! Tapfer stapfen wir im strömenden Regen oben auf dem Deich bis zur nächsten Treppe. Den Schirm fest umklammert, bis mir die Hand einschläft. Mit der anderen Hand hänge ich mich an den Mann. Das Meer und der Himmel haben das gleiche Hellgrau, ich halte den Schirm wegen dem Wind (wegen des Windes) so tief, dass ich nur den Weg und meine nassen Schuhe sehe.
Jetzt durch ein nächstes Wohngebiet und den Park und ein weiteres Wohngebiet bis zur Seehundstation. Da sehen wir einen Hasen! Ähnlich unserem wilden Gartenkaninchen Roger. Er sitzt da ziemlich entspannt und lässt uns nah an sich vorbeilaufen. Nach ein paar Minuten hüpft mir ein winzig kleiner, grüner Frosch vor die Füße, nicht größer als eine 20 ct Münze. Der Mann rettet ihn vom Weg rüber ins Gras. Man sieht ihn fast nicht und der Weg ist gefährlich für so einen Winzfrosch!
Endlich erreichen wir die Seehundstation. Zum Glück ist der große Tages - Ansturm schon vorbei, die meisten plärrenden Kinder wieder gegangen, so dass wir relativ viel Ruhe hatten. Die Robben waren so niedlich! Diese Schutzeinrichtung ist wirklich toll gestaltet, viel Information, viel kindgerechte Lernstationen. Wir erfahren eine Menge über Robben. Wie sie gefunden und gerettet werden, wie sie leben, was sie so tun und wie sie wieder ausgewildert werden. Wusstest du, dass so ein Robbenbaby mit einer extrem fetthaltigen Robbenmamamilch gestillt wird, so dass das Kleine täglich ein ganzes Pfund zunimmt? Das braucht es auch, denn von einem Tag auf den anderen kümmert sich die Mami nicht mehr um den Nachwuchs und der Kleine muss sehen, wo er sein Futter herkriegt. Jagen will gelernt sein, bis er es kann, nimmt er massiv ab und verbraucht diese Fettreserven wieder. Interessant, oder?
Wäre ich ein Schüler, könnte ich anschließend ein tolles Referat über Robben schreiben. Wie schade, dass ich kein Schüler mehr bin. Haha.
Ich hab meine Kinder übrigens bekocht, bis sie von selber ausgezogen sind. Da haben sie Glück gehabt, dass ich keine Robbenmama bin!
Nachdem wir mit viel Geduld ein paar schöne Schnappschüsse der süßen Robben gekriegt haben und sich das Institut langsam leert, gehen wir auch.
Jetzt scheint die Sonne, aber unsere Jacken, Hosen, Schuhe, Socken und Hosen sind noch sehr feucht vom Regen. So wollen wir eigentlich nicht ins Restaurant gehen, also werden wir uns was vom Italiener holen und mit in die Fewo nehmen.
Der Rückweg zum Parkplatz führt uns durch die riesige Außenanlage der Robbenstation. Es ist ein Park mit viel Spielgerät für Kinder. Ähnlich dem Erfahrungsfeld der Sinne in Nürnberg, nur größer und etwas gepflegter. Eine Wasserhuhnmutti mit ihrem Kind scharrt unbeeindruckt von uns in der Wiese, eine Minischnecke wird beinah übersehen, sie ist bestimmt schon monatelang dabei, diesen Weg zu überqueren und hat noch einiges vor sich, viel Glück, kleine Schnecke!
Nach einer erneuten Wanderstrecke durch diesen hübschen Park vorbei an Teichen mit Seerosen und gesundem, grünen Gras kommen wir schließlich wieder am Parkplatz an. Da steht das Auto auf dem VIP Platz. Erneut freue ich mich! Wir schmeißen tatsächlich die Heizung an, um unsere feuchten Schuhe ein bisschen zu trocknen und fahren bei schönstem Wetter über diese herrlichen Landstraßen zum Italiener im Ort. Wo uns eine Katze über den Weg läuft und ein Stück begleitet. Sie will gestreichelt werden und ich will streicheln. Eine hübsche, grau-getigerte Katze, die sich um unsere Beine schlingt. Der Mann ermahnt sie noch, dass sie auf der Straße vorsichtig sein soll und wir steigen mit Pizza, Fischbrötchen und Salat ins Auto.
Zum Abschluss dieses tierischen Tages schreien eine Menge Wildgänse draußen herum, während ich in dieses leckere Fischbrötchen beiße!
Fotos:
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| ja, da fahren wir hin |
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*der VIP-Parkplatz* trocken und fast leer am Abend |
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| wandern mit Schirm, Charme und Schietwetter auf dem Deich |
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| das Wasser ist so grün von den Algen. Ist original Nordsee-Meerwasser, steht da auf dem Schild |
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| die kleinsten Robbenbabys. Wenn sie wie ein Korken schwimmen, sind sie tiefenentspannt |
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| Familie Wasserhuhn |
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| schau, wie schmal ich durch die ganze Rennerei geworden bin |
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| endlich ein Fischbrötchen! |
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