Mausloch

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Samstag, 22. August 2026

Nordsee - Urlaub, Dag fäär


Hungrig in Emden

Heute am vierten Tag gab es einen Ausflug nach Emden. Und das bei schönstem, nordischen Schietwetter, aber das wussten wir vorher. Deswegen war der Plan, ins Kino zu gehen.

Vorher aber gucken wir uns Emden an. Erstmal einen Kaffee , frisch gemahlen mit dem leckersten Keks des Jahres. Dieser Keks hielt uns den Tag über am Leben, sozusagen. Wir planen ein bisschen und wollten den Turm des Landesmuseums erklimmen, von dem man eine tolle Aussicht auf die Stadt haben soll. Der Aufzug fährt aber nicht bis ganz oben, sagt die nette Empfangsdame, es wären noch 56 Stufen zu bezwingen. Mit meinem von Arthrose zerfressenen Knochengerüst scheint mir das unmöglich, also verwerfen wir den Plan. 

Dann wollten wir eine Kanalrundfahrt mitmachen, wir stehen sowieso direkt an der Ablegestelle. Das Kartenhäuschen ist geschlossen, auf dem Plakat steht, man solle die Tickets online kaufen. Wir sind not amused, aber wir scannen den QR Code, der uns nicht weiter bringt. Wir versuchen alles, scheitern aber kläglich. Ratlos schauen wir uns um und finden uns inmitten von etlichen Leuten mit Handy in der Hand wieder, die genauso hilflos umherblicken wir wir. Keiner hat einen Plan! Irgendjemand verbreitet, dass Tickets auch in einem Laden ein paar hundert Meter weiter verkauft werden - von echten Menschen! Kollektives Aufatmen und problemloser Ticketkauf vor Ort.

Gut, die Fahrkarten haben wir, jetzt müssen wir Zeit totschlagen. Erstmal ein Fischbrötchen, das ist immer eine gute Idee. Dort drüben ist ein Marktplatz voller Imbiss-Wägen, da gehen wir hin. Sobald wir die Straße überquert haben, gehen sämtliche Imbisswagenjalousien runter und die Verkäufer packen ein - Feierabend. Ist schließlich schon 13:00 Uhr. 
Leicht erschüttert wandern wir weiter. Hier sind viele Lokale und Geschäfte, da wird sich wohl irgendwo ein Fischbrötchen auftreiben lassen. Dachten wir.
Es gibt Restaurants, Eisdielen, asiatische Bowls, Kneipen, Cafés, Klamottenläden, Schreibwaren - aber weit und breit nichts Handfestes, was man mitnehmen könnte. Vor allem keine Fischbrötchen.

Was ist los, Emden?

Na dann eben nicht, dann gibt es statt Fischbrötchen eben ein Bunkermuseum. Ablenkung. Dieses Museum ist mega interessant und gleichzeitig erschütternd. Ein mehrstöckiges Haus beherbergt original Bunkerräume mit original Ausstattung. Es ist eng und etwas beklemmend, aber wir laufen und staunen. Da sehen wir schmale Stockbetten, Stahlhelme, Gasmasken, Ledermäntel mit und ohne Davidstern, original Koffer, einen alten Puppenwagen, Bomben, ein riesiger Flugzeugreifen einer Kampfmaschine, der aus dem Meer gezogen wurde, mechanische Sirenen und viele original Zeitungsausschnitte, Propaganda Plakate, Lebensmittelmarken und Briefe.
Das Equipment einer Krankenstation erschüttert mich noch mehr. Kinderlandverschickung, Fotos und Berichte von Zeitzeugen - all das vermischt sich in mir zu einem Chaos aus Faszination, Entsetzen, Interesse und Sprachlosigkeit.
Wir schaffen drei Stockwerke, dann brechen wir ab. So froh wir waren, wieder draußen zu sein, so hängt uns das Gesehene noch nach und wieder einmal bin ich dankbar, heute zu leben und nicht vor 80 Jahren. Und eigentlich ist es wichtig, diese Eindrücke und dieses Wissen niemals zu vergessen.

Um uns auf andere Gedanken zu bringen und den Hunger zu unterdrücken, der sich stark bemerkbar macht, steigen wir ins Ausflugsschiff Engelke und schippern eine Stunde durch den Emdener Binnenhafen. Hören interessante Fakten über Reederei, Ölverbrennung und Werften. Ist echt nicht mein Thema, war aber trotzdem sehens- und hörenswert. Außerdem war es bequem und trocken, draußen regnete es immer wieder.

Und jetzt - ein Fischbrötchen! Wir nehmen die Suche wieder auf, wenn auch eher hoffnungslos. Der Wunsch nach Fischbrötchen wird minimiert auf Käsebrötchen oder Breze. Nach langem Herumirren finden wir endlich einen Bäcker.
Moin, haben Sie Brezen?
Nö.
Irgendwas ähnliches? 
Nö. Alles ausverkauft. Nur noch trocken Brot oder was Süßes.
Ach was. Danke.

Wir geben nicht auf, hinter dem Park sehen wir noch einen Bäcker mit Café. Wir laufen auf die Tür zu, die in diesem Moment schließt. Der Verkäufer winkt von innen ab - 16 Uhr, Feierabend.

Weit und breit nichts für uns. Nicht mal einen Apfel könnten wir erstehen. Es gibt NICHTS!

Emden, wir müssen reden!

Ich verwerfe den Gedanken, zum Bäcker mit dem reduzierten Angebot zurückzulaufen und einen Laib Brot zu kaufen, an dem ich knabbern könnte.

Jetzt betreten wir das Emdener Stadtkino. Wir brauchen dringend einen lustigen Film. Hinter einer voll besetzten Reihe mit kichernden, schnatternden Teenie-Mädchen lassen wir uns nieder und sind einfach nur dankbar für das Schälchen Nachos auf unserem Schoß!

Die Fahrt zurück zum Ferienhaus ist entspannt, es hat aufgehört zu regnen und im Supermarkt auf dem Weg erstehen wir eine Dose Gulaschsuppe und einen Salat.
Alles ist gut!

Hallo Emden!



lecker Kaffee
mit Rettungskeks




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wir haben heute leider kein Fischbrötchen für euch


das Bunkermuseum













schau dir diese Oschis an !!


Das Feuerschiff - und eine Menge ratloser Leute


Foto aus dem Internet mit schönem Wetter. Das war unser Schiffchen
nwzonline.de




Nachos!!



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