Mausloch

Das Mausloch ist mein öffentliches Tagebuch.
Mein Refugium. Meine Höhle. Mein Ventil. Viel Spaß!

Dienstag, 31. März 2020

2 von 5 ist akzeptabel

Wir haben hier einen sehr seltenen Fall von "Ich hab nix zu tun obwohl ich in der Arbeit bin" !! Man stelle sich vor! Es wird in diesen schlimmen Zeiten nur Notfall-Labor bearbeitet, das bedeutet, dass ich meine Blutabnahmen an einer Hand abzählen kann, ein paar Impfungen dazwischengestreut und fertig ist der ruhigste Arbeitstag aller Zeiten. Die Schränke sind ausgemistet und geputzt, der Kühlschrank mit den Impfstoffen Inventur..iert, die Türklinken der Praxis desinfiziert, die Kulis und Telefonhörer auch .. jetzt ist es 12 Uhr und ich hab noch 1 Stunde bis Mittagspause.
Ich schreibe hier über e-mail, der Text wird dann ins Mausloch kopiert. Direkt schreiben mach ich lieber nicht, ich denke, mein Chef würde sich wundern, warum auf einmal Chrome heruntergeladen wäre, er  nutzt nämlich nur firefox. Also dann eben so.
Ich kann mich mit diesen Masken einfach nicht anfreunden. Da ist eine Staubmaske vom Bau mit Ventil vorne dran und ich hab noch eine OP-Maske aus Zellstoff. Beide sind total doof. Ich kann nicht schnaufen und hab das sichere Gefühl, zu ersticken. Deswegen bereite ich für zB Impfungen alles vor, was ich vorbereiten kann, schieße dann dem Patienten die Impfung mit Schmackes (und mit Gefühl natürlich, lach) in den Oberarm, zack fertig, Pflaster drauf und den Patienten rausgeschoben. Meist schauen die dann von draußen ganz verdattert zu mir rein und ich lächle, während ich die Tür ein Stück zu mache und mir die Maske vom Gesicht reiße. Wie machen das die anderen? Viele tragen die Maske ganz lässig und durchgehend - ich kann das nicht! Ausserdem beschlagen die Brillengläser, so dass ich auch nichts sehen kann. Wegen der ungewohnten Handschuhe fühl ich auch nicht viel.
Ich fasse zusammen: ich seh nix, ich fühl nix, ich kann nicht atmen und - Tatsache - ich seh wirklich nix! Jedenfalls nicht so viel wie gewohnt. Als würde ein Schleier über den Augen liegen, den man nicht wegkriegt. Kennst du das, wenn du aufwachst und noch nicht klar sehen kannst, dann reibst du dir die Augen, evtl etwas kaltes Wasser ins Gesicht und dann passts wieder. Bei mir passts einfach nicht. Und  zum Augendoktor kann ich ja auch grade nicht.
Aber lass mal positiv sein: hören kann ich echt gut! Und schmecken. Riechen ist ein bisschen eingeschränkt wegen Nase zu. Siehste, 2 von 5 Sinnen funktionieren. Läuft.



Sonntag, 29. März 2020

nicht ärgern - nur wundern

Bin gerade mal wieder entsetzt über die Bosheit der Leute. Eigentlich, also wenn man es mal ernst betrachtet, sollte man sich vielleicht nicht so oft auf Seiten wie facebook herumtreiben. Oder zumindest nicht die Kommentare zu manchen Beiträgen durchlesen. Es schont die Nerven und man muss sich nicht noch zusätzlich ärgern. Heute zB sehe ich einen post "Abschied Lindenstraße, Traurigsmilie". Ich muss dazu sagen, dass ich die Serie verfolge seit Anbeginn, also seit 1985. Da wächst einem so eine Serie natürlich auch ans Herz und man beginnt, sich auf die nächste Folge zu freuen. Jetzt wurde das beendet, heute Abend gibt's die letzte Folge. Klar, dass man da etwas wehmütig wird. Und in dieser Stimmung sehe ich, wie irgendwelche Spacken "Gott sei Dank" kommentieren. "Wird auf Zeit" oder "Weg mit dem Müll". So. Jetzt hat man als denkender Mensch genau 3 Möglichkeiten.

  1. man steigt auf die Stänkerer ein und kommentiert wild die Kommentare, woraufhin dann wieder eine Antwort zurück kommt und ich lehne mich jetzt mal weit aus dem Fenster: die wird nicht nett sein. Worauf man sich dann wieder aufregt und schwupp ist die schönste Schimpfwörterschlacht in Gange, die meistens mit einem "schau dich mal an, wie hässlich du bist" endet.
  2. man lässt die Stänkerer links liegen, bedenkt sie höchstens mit einem mitleidigen 3/4 Lächeln und schreibt, dass einem selber die Lindenstraße immer gefallen hat. Das kann zur Folge haben, dass man virtuell ausgelacht wird, was man mit einem coolen, gelangweilten "tsss" und einem Kopfschütteln beendet. Oder
  3. man egalt die Stänkerer und schreibt garnichts. Dann darf man aber auch die Kommentare der immer in Scharen anwesenden Idioten gar nicht erst lesen, logt sich aus facebook aus, fährt den Pc runter und nimmt sich ein gutes Buch oder schaut sich einen Disneyfilm an.
Ich bin team 2. Und ich muss sagen, mein "tsss" kam richtig verächtlich, das hab ich gut hingekriegt. Mein Beitrag zu dem post hat auch schon etliche Herzen gekriegt. Na, das reicht mir doch!
Außerdem, Lindenstraße, das ist Kult! Da wurde jedes aktuelle Thema aufgegriffen, sei's Umweltschutz, fremdgehen, frühe Schwangerschaft, Gewalt, Alkohol, Gleichberechtigung, Homosexualität, Mord, Beziehungsstress, Flüchtlinge, usw, in über 1700 Folgen kam etliches zusammen. Man hat die Figuren der Serie aufwachsen sehen, älter werden, heiraten und sterben. Wenn man eine Serie so lange verfolgt, fühlt man sich natürlich sehr involviert! Ich fnd's schade, dass es aufhört.

Umso weniger verstehe ich die Deppen, die sich immer und überall einmischen müssen. Egal um welches Thema es geht - manche müssen sich über alles lustig machen. Ist das ein reines Herausfordern? Oder die Lust auf Streitereien, andere zu ärgern oder einfach nur pure Dummheit?

Ich werde es nie erfahren.

Und ich mach jetzt den Pc aus und schau Alladin! Ätsch!


Mittwoch, 25. März 2020

Leseschlaf

was ist das eigentlich für ein Zustand?
Da bin ich jetzt die 2. Woche daheim wegen Rücken. Hab tolle neue Medis bekommen, die anscheinend auch mal helfen. Ich liege gezwungenermaßen viel rum, immer wieder in Abwechslung mit Bewegung. Ich schlafe ohne Wecker und trotzdem bin ich dauernd müde! Wenn ich 10 min sitze nick ich ein, wenn ich mich hinleg - nach 3 Min zack weggedöst. Das schlimmste aber ist, ich hab ein neues Buch, das so lustig ist und so gut geschrieben, dass ich es echt gerne lesen würde, aber kaum nehme ich es in die Hand - eingepennt!
Jetzt hätte ich so viel Zeit, einen Garten, eine Kuscheldecke, Sonne, blühende Bäume um mich und dieses geniale Buch, aber nein, ich schnarch weg. Mann! Ist echt ärgerlich.
Ich hab auch schonmal probiert, sitzend am Tisch zu lesen, in meinem Sessel mit Leselampe, sitzend ohne Rückenlehne (etwas unbequem) oder sogar stehend, was aber dem Lesespaß ziemlich viel nimmt.
Auch abends im Bett, wenn meine Premium-Lesezeit beginnt, schaffe ich nur 1-2 Seiten, bevor mir die Augen zufallen.
Andere verschlingen Bücher in ein paar Stunden, ich brauch für ein Buch Wochen, Monate, .. für "Es" fast ein Jahr.
Ich hab auch schon mal geübt, schneller zu lesen. Klappt garnicht, dann krieg ich nix mehr mit vom Inhalt.
Also akzeptiere ich mein Schicksal, lese Seite für Seite, Dröpje for Dröpje und mein SuB wächst und wächst. Die Finger kann ich natürlich nicht von all den Verlockungen im Buchladen lassen, seis live oder online. Sogar im Supermarkt kann ich nicht an den Büchern vorbei, ohne ein paar Klappentexte zu studieren. Seh ich ein Buchregal bremse ich spontan und gucke interessiert, während mein Hirn verzweifelt versucht, mir das Wort "NEIN" oder "PFUI BAH" zuzubrüllen, es ist einfach unvorbeigehbar!
Dann seh ich eins, kaufe es, lege es seufzend auf meinen SuB, nehme mein aktuelles Buch und schlafe ein.


Lesetipp für alle, die es können und mögen und auf trockenen, leicht schwarzen Humor stehen:




Die schillernd-bunte Einladung von Erfolgsautor
Ewald Arenz zum literarischen Himmel- und
Hölle-Spiel voller Irrwitz: Jehudi, Erzengel mit einer
Vorliebe für Gin Tonic und verantwortlich für
die Verwaltung der Seelen im Vorhimmel, stellt bei
seinem Kontrollgang im unsichtbaren vierzehnten
Stockwerk des Spiegel-Hochhauses bestürzt fest, dass
eine fehlt. Kurt Müllers Seele ist bei seinem ebenso
plötzlichen wie tödlichen Fenstersturz in Nürnberg
verloren gegangen, und ihr spurloses Verschwinden
droht vor der Zeit den Beginn der Apokalypse auszulösen.

Mittwoch, 18. März 2020

Fröhliches Dahinsiechen auf'm Sofa

So jetzt isses soweit, meine Rückenschmerzen haben mich schachmatt gesetzt. Aus, Ende, nichts geht mehr.
Ich liege, vollgepumpt mit Drogen aus dem Medizinschränkchen auf der Couch und harre der Dinge, die da kommen werden. Allerdings scheint mein Schicksal doch ein bisschen ein schlechtes Gewissen zu haben und gestattet mir einen Fernseher mit Netflix, einen funktionierenden Laptop, ein lustiges Buch, ziemlich viel Toastbrot und Blaubeermarmelade. Ich gebe zu, ein bisschen versöhnt mich das wieder.
Aber nur ein bisschen.
Ich leide ja nicht nur an einem fiesen Hexenschuss und diversen anderen entzündeten Gelenken, ständig einschlafenden Händen und einem verrückten Fußgelenk, nein, da ist auch noch die Gewissheit, dass sich meine Kolleginnen grade die Seele wund arbeiten! Wegen der vielen Muttis, die bei ihren Kids zu Hause bleiben müssen, sind nur 4 unserer 10 Standorte geöffnet, die Patienten werden umgeleitet und überschwemmen jetzt die vier Opferpraxen massiv. Und wer ist nicht da und flätzt auf'm Sofa? Die Sabine mal wieder, war ja klar.
Ist es nicht ein Phänomen? Man prügelt sich ja eigentlich immer in die Arbeit, doch wenn man mal richtig fies krank ist und weiß, dass es nicht geht, dass man sich weder konzentrieren könnte noch zu den Patienten runterbeugen beim Blutabnehmen (ich würde nur noch Fehler machen) , also wenn man das sicher weiß, lässt man sich krank schreiben und versucht, sich zu Hause zu erholen. So würde man das auch jeder Kollegin raten. Aber dann, wenn man daheim ist und sich auskuriert, dann kommt das schlechte Gewissen wie ein Schraubenzieher und schraubt die Gedanken ins Bewusstsein, dass man die anderen gerade kolossal hängen lässt. Egal ob man Blut spuckt oder nicht.
Und so mischen sich unter die Gedanken, dass mir die Pause total gut tut auch die, dass ich nächste Woche unbedingt wieder in die Arbeit muss!
Damit ich die Kollegen entlasten kann - und mein Gewissen auch.

Trotz aller Gewissensbisse mischt sich aber auch ziemlich viel Angst ins Bewusstsein, ganz einfach weil man den ganzen Tag unter Menschenmassen auf Tuchfühlung gehen muss - hallo Corona!


Freitag, 13. März 2020

isn't life wonderful?

Mein Rücken tut weh!
Aber das soll nicht die Kernaussage dieses posts sein, das wär ja langweilig. Was mir alles weh tut, tut hier nix zur Sache, wo kommen wir denn da hin, wenn jeder hemmungslos rumjammern könnte wo er grade steht und geht?? Und meist hörts ja bei einem gezielten Gejammer nicht auf sondern breitet sich auf alle mögliche aus - auf den Rücken, die Beine, die Arbeit, die Leute, das Geld, den Virus. Und dann sind wir an einer Stelle angelangt, wo ich aussteig. Ich kanns nämlich nicht mehr hören! Gejammer überall. Und deswegen gibt es hier an dieser Stelle ein aussagekräftiges Bild ersatzweise für all das Gejammer, das jetzt folgen würde.
Wenn ich es denn täte.

damit ist alles gesagt

Es geht nämlich auch anders. Es nennt sich positiv denken & reden - oder schreiben. Ich kann das total gut, jahrelang geübt, es gibt wenig, was nicht auch irgendwas positives in sich versteckt hat, finden kann's bloß nicht jeder. Ich schon! (höhö)
Ich finde zum Beispiel, dass der Tag heute bis 14.06 Uhr total schön war. Keine Arbeit, länger schlafen, tatsächlich das im Haus gemacht, was ich vorhatte - das gibt schon mal ein grundgutes Ausgangsgefühl! Die ollen Kataloge sind entsorgt, die 3.Wäsche läuft, der Platz in der Küche ist aufgeräumt. Ich hab sogar gesaugt!
Brave Sabine! 
Wenn ich jetzt gleich einkaufen fahr, werde ich im Auto ganz laut positive Musik hören. ABBA oder so. Und mitsingen. Dann kauf ich feines Essen ein, fahr wieder zurück und schwing meinen wunderschönen Arsch in die Küche. Ist das nicht toll? Es wird voll gutes Essen geben heute Abend! Chinesische, gebratene Spaghetti mit Sojasoße. Wahrscheinlich werd ich ein bisschen Etta James oder James Cooke beim kochen hören.
Und schau - grade eben kam eine whatsapp von der Arbeit, dass der Termin für diesen team-Tag am Donnerstag ausfällt und unbekannt verschoben wird. Und die Sonne scheint. Und ich hab hier ein Johannisbeer-Bonbon, ja besser kann's doch gar nicht laufen oder?







Sonntag, 8. März 2020

Positivi-Tea !

Nein ich heule nicht rum, weil der Urlaub vorbei ist! Hab ich mir fest vorgenommen! Ich werde nicht erwähnen, dass die Woche irre schnell vorbeigezogen ist und das ganze übliche Gejammer nach der verlorenen Zeit und was man nicht noch alles vorhatte und warum nur und ich bin noch nicht fertig mit Urlaub!
Ich werde noch nicht einmal erwähnen, dass dieser Urlaub außerhalb der üblichen Ferienzeiten stattgefunden hat und ich somit drei völlig ungestörte freie Tage hatte! DREI ! Ich fasse mein Glück noch immer nicht und deswegen jammer ich auch nicht rum.
Versprochen!
Ich bin ganz positiv eingestellt. Trotzdem jetzt am Montag eine Welle der Verzweiflung auf mich zufluten wird: Massen von hysterischen Patienten werden erwartet, denen wir alle erzählen dürfen, dass wir keine Ressourcen haben, den Coronatest machen zu können - und außerdem dürfen wir das garnicht. Da kommt einiges auf uns zu. Kranke und Gesunde, Idioten und Angsthasen, Nerver und Schafe, die alles nachplappern. Und dem nicht genug, es soll im März eine neue Software installiert werden, die die Laborauftragsscheine ersetzt und digitalisiert. Das müssen wir dann lernen. Und alles ändert sich.
Ich hab nur eine kleine, freundliche Frage dazu: WARUM zum Teufel ????  Verdaxxxx Schxxx !! Xxxx xxxx Xxxxx, xx Xxxxxxxxxx !!! Xxxx xxxx xxx Xxxxx xxxx Xxxxxxxxx xxxxxxx, xx Xxxxx !!!! Mann!
Alles war gut im Reich des Doktors - bis das (Neu)gier-Gen auf Reisen ging, und die Geldquelle Digitalisierung entdeckte.
Aber nein - ich wollte nicht jammern!
Ich werde jetzt ins Wohnzimmer gehen, mir einen Tee machen und eine Folge von irgendwas schönem anschauen. Schließlich sind die beiden Jungs gerade aufgeräumt (Badewanne und Pc) und das nutze ich aus. Es ist auch noch Pizza da von gestern.
Na, geht doch!


Sonntag, 1. März 2020

gegrillter Lachs mit König Ludwig


In einer halben Stunde gehts los zum Sanders Steakhaus.
Wir gehen dahin, weil der Opa das so gesagt hat und auch, weil Onkel T das sehr eindringlich vorgeschlagen hat. Soll mir recht sein, das Sanders ist eine, wie man sagt, gute Adresse. Das Restaurant ist was für den gehobenen Anspruch - für den dicken Geldbeutel, für Ü50 und für Erbonkel's Geburtstag. Mit weißen Damast-Stoffservietten und viel Tradition. Und Steak. Ich bin kein Steakfreund, ist mir zu "fleischig". Vor allem die Aussicht, noch rosanes, eventuell sogar noch blutendes Fleisch zu essen, schüttelt mich. Und da die meisten Köche es ablehnen, well done zu braten und ich auch dann das Stück Fleisch nicht zu würdigen wüsste, bestelle ich mir in Steakhäusern immer Fisch. Da kannste nix verkehrt machen. Vorzugsweise gegrillten Lachs. Haste den schonmal probiert? Super lecker! Lachs und Ofenkartoffel oder Rahmerbsen oder auch Zander und Kroketten oder Bratkartoffeln, damit kannste mich kriegen!
Im Sanders läuft man auch nicht Gefahr, in einem Stuhl stecken zu bleiben oder auf den ersten Blick zu erkennen, dass die Bestuhlung nicht Gloriageeignet ist. Da gibts noch die alten, lehnenlosen Holzstühle, auf die jeder Popo passt. Da nimmt man auch die fürchterliche Deko in Kauf - ich erinner mich an unzählige Zinnpfannen und Krüge, die überall rumstehen, genauso wie die vielen Porzellanpuppen und anderen Krimskrams. Muss man mögen, wenn man's hinstellt. Ich mags nicht. Aber egal, das Essen ist gut.
Lustig finde ich auch die Kellnerinnen und die Dame des Hauses, die alle so bei den älteren Herrschaften reinschleimen, dass spätestens um halb elf alles vollgesabbert ist. Dieses schmierige "katzbuckeln" und dauerlächeln, ich kenns noch aus meiner Ausbildung zur HoFafrau. Da gehört schon eine gewisse devote Neigung dazu, sonst bringst du das nicht. Eine Dame des Hauses, die meist in der Mitte des Gastraumes und grundsätzlich im Weg rumsteht erkenn ich auf einen Blick. Ich bin da ein gebranntes Kind. Ich hatte jahrelang engen Kontakt zu einer solchen. Meine HoFa Ausbildung hab ich in einem solchen Familien-Traditions-Betrieb angefangen, da war die ganze Familie involviert. Der Chef, der von allen der normalste war, der Vater vom Chef, der "Senior", war um die 90 Jahre alt und ein ewig gestriger. Er saß mit seinem Riesen-Terrier immer auf der Eckbang im Eingangsbereich, wo er den allumfassenden Überblick über alles und jeden hatte - und das auch fleißig kommentiert hat.
Dann gabs da noch den Junior, der Weltverbesserer, der auf eine Elite-HoFa Schule geht und, wenn er daheim ist, die Angestellten mit neuen, modernen Anweisungen verwirrt. Typ selbstverliebter Gockel. Des weiteren waren da noch eine Tochter und ein Sohn des Hauses, beide damals  unter 16 aber nicht darum verlegen, dem Personal genaue Anweisungen zu erteilen, wie sie ihr Frühstück serviert haben möchten.
Ertragbar.
Was jedoch nicht ertragbar war, war die Chefin. Die Dame des Hauses, die Grand Dame, die Bavaria.
Eine sehr große Frau mit noch lauterer Stimme und riesengroßem Ego. Gerne ließ sie ihre Befehle durch das Haus schallen, man wusste eigentlich fast immer, wo sie sich aufhält - da wo es am lautesten ist.
Ich war damals 17 und voller heißem Hass auf die Hotelbavaria. Sie hat mir das Leben und die Ausbildung schön schwer gemacht, an allem gemotzt, gemäkelt, gemeckert. Gerne auf vor den Gästen, den Stammgästen, die ihr dann den Rücken gestärkt haben. Sie hat mich so oft öffentlich blamiert, dass ich meine Teenager-Wut nicht immer unterdrücken konnte.
Und eines Tages kam der Moment der Rache. Vorab kann ich sagen, dass es heute eine nette Erinnerung ist, die mich immernoch mit Wohlwollen erfüllt - und dass ich nicht mehr lange danach in dem Betrieb geblieben bin.
Der Moment zeigte sich in einem der vielen privaten Besorgungen, die wir Lehrlinge für die Fürstenfamilie erledigen sollten. Neben private Wäsche waschen und bügeln oder das private Auto waschen, durften wir auch manchmal die privaten Einkäufe erledigen. Ich bekam von der Mutterbavaria den Auftrag, bestimmte Miederwaren in hautfarben (heute sagt man "nude") zu besorgen. Schlüppi's Gr. 52. Hab ich auch, drüben bei Whörl, und als ich zurück kam saß sie laut lachend inmitten ihrer Stammgastschar von 5-6 graumelierten Männern im kleinen Lokal. Ich hab meine Chance gepackt, bin in den Gastraum zum Tisch, packe die hautfarbenen Miederhöschen aus, halte sie hoch und frage laut, ob das die richtigen wären.
Queen mom was not amused.
Die Antwort hab ich garnicht abgewartet, hab mein Zeug gepackt und hab mich in den Personalraum geschlichen. Den Rest hab ich verdrängt. Hihi

ich schweife ab

Mittlerweile bin ich vom Sanders Steakhaus zurück, satt und zufrieden. Wir wurden im hintersten Eck des Lokals platziert, wo, zu meiner Erleichterung, nur eine einzige Puppe den Raum dekorierte.
Dafür hatten wir insgesamt 6 König Ludwig Gemälde um uns herum.
Zu unserer Erbauung.
Wahrscheinlich.

oben links der Ceasar Salad, den haben wir zu viert geteilt. Oben rechts ein Schweinelendchen mit Champignon-Rahm, unten links ein Steak mit Wedges, dann ein Steak mit Ofenkartoffel, unten rechts der Zander


und das ist mein gegrillter Lachs - zum niederknien! ;-)

und hier ist das fränkisch-gepflegte Traditionalambiente