Still sein ist was für Anfänger -
so lautet der Impuls der September Blognacht.
Und ich hab es verinnerlicht. Auch wenn ich in meiner "Backfischzeit" eher auffällig wurde, sobald ich abends mit der Freundin kichernd durch die Kneipen gezogen bin. In der Schule war ich eher still, in der Arbeit auch. Gelernte Achtung vor Respektspersonen.
Sogar als mein Lieblings-Hass-Lehrer Herr B., Mathe, mir spontan eine mündliche 5 entgegengepfeffert hat, als ich mein Heft nicht schnell genug auf dem Tisch hatte. Ich war stinksauer, aber still. Weil das halt so ist! Es gab Mädels in meiner Klasse, die waren nicht still. Die haben sich was getraut, mit den Lehrern diskutiert und hätten sich so eine unfassbare 5 niemals gefallen lassen. Ich schon. Niemals hätte ich in Erwägung gezogen, einem Lehrer zu widersprechen!
Und heute? Mit zunehmenden Alter, so stelle ich fest, werde ich immer stiller. Je lauter die Welt wird, desto mehr ziehe ich mich zurück. Ich möchte mich aus Streitigkeiten raushalten. Oft denke ich mir, was bringt's, wenn ich mich einmische? Ich werde regelmäßig und zuverlässig übertönt, man fällt mir ins Wort und nimmt mich nicht ernst. Das nervt so sehr, dass ich mich einfach still verhalte. Ich hab Kollegen, die reden unentwegt. Wenn ich was sage, geht das unter. Also sag ich wenig.
Still zu sein ist mir zur Natur geworden. Dafür denke ich umso lauter. Vor allem, wenn mehrere Leute zusammenkommen. Wie zum Beispiel bei der Blognacht. Ich mag es nicht, wenn ich still und unauffällig vor der zoom Kamera sitze, aber ich weiß beim besten Willen nicht, wie und was ich da entspannt plaudern könnte. Alles was ich sage kommt mir armselig und stümperhaft vor. Vielleicht weil ich vom Bloggen so wenig Ahnung habe, wer weiß?! Anna navigiert dieses Event, sie redet souverän und gelassen in die Kamera, während ich voller Bewunderung zuhöre. So möchte ich auch reden können! Kanns aber nicht. Ich hab den Stempel Introvertiert auf der Stirn.
Ich überschlage blitzschnell, ob es sich überhaupt lohnt, in manchen Situationen was zu sagen. Wo würde es hinführen? Meistens in eine Sackgasse, also spar ich mir meine Worte. Ich kann mir genau denken, wie es dann weitergeht. Schweigen ist für mich dann einfach Gold.
Aber es gibt Ausnahmen. Wenn ich wütend bin zum Beispiel. Passiert in der Arbeit eine Ungerechtigkeit, wird ein Lehrling angegangen oder will mir das Management meine heißgeliebte Mittagspause nehmen, dann mach ich meinen Mund auf! Auch ich kann laut werden und noch lauter weiterreden, wenn mir wieder mal das Wort abgeschnitten wird! Ich fühl mich dabei nicht gut, spür sogar, wie meine Ohren rot werden, aber ich kann es. Wenn es nötig wird.
Als die Kinder kleiner waren, hab ich nichts durchgehen lassen, was sie betrifft. Unfähige Lehrer oder irgendwelche Leute, die meinen Kindern nichts Gutes wollten, konnte ich prima in der Luft zerreißen! Da werde ich zur Löwenmama, lass bloß meine Kinder in Ruhe und schleich dich, du Lauch!!
Wenn ich mich in einem sicheren Umfeld befinde und mit den richtigen Leuten unterwegs bin, zum Beispiel meine Familie, fallen diese Redeschwierigkeiten von mir ab und es läuft! Da kann ich plappern und bin fast nicht zu stoppen. Seltsam ist nur, dass ich das nicht überall kann. In der Blognacht tut mir doch niemand was, alles nette Leute. Blogger sind ja fast ausnahmslos nette Leute, btw.
Entweder sitzt mir meine Erziehung noch im Nacken oder ich bin einfach so. Prinzipiell komm ich gut damit klar, so still zu sein. Aber manchmal geht es mir selber auf den Keks und ich würde gern ausbrechen.
Wo kann ich das ohne Probleme und ganz easy? Im Mausloch! Ha! Dafür hab ich's, tippend kann ich stundenlang plaudern und plappern und schnacken und waafen und quatschen!
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Ich bin froh, dass ich die Blognacht nachschreiben konnte. Die nächste findet am Freitag, 23.10.26 statt
Ein stilles, gedankliches SERVUS und DANKE fürs Lesen!
Anna Koschinski mit blognacht.de Vielleicht sehen wir uns da ja mal? Sehen geht ok






Dass ausgerechnet das Stillsein so viel innere Geräuschkulisse erzeugt, scheint mir der eigentliche Witz an der Sache zu sein.
AntwortenLöschenBei Zoom fehlen die Worte, im Mausloch drängen sie sich an der Tür. Vielleicht ist Introvertiertheit also weniger Schweigen als eine sehr entschlossene Wahl des Ausgabegeräts.
Kamera an, Mensch aus. 🦌
Könnte sein. Irgendwo muss der Redeschwall ja raus, da bietet sich das Medium meiner Wahl prima an. Stille Wasser sind eben tief
LöschenLiebe Sabine,
AntwortenLöschenwunderbar geschrieben! Schön auch, wie dir der Zusammenhalt bei den Bloghexen geholfen hat, das Thema der Blognacht trotzdem noch aufzugreifen.
Liebe Grüße
Tobias :)
Vielen Dank für die lieben Worte! Das Thema hat irgendwie zu mir gepasst.
LöschenDie Leute von den Bloghexen sind Gold wert, noch nie hab ich eine Kommunity erfahren, in der man sich so freundlich und hilfsbereit begegnet!
"Anna navigiert dieses Event, sie redet souverän und gelassen in die Kamera, während ich voller Bewunderung zuhöre. So möchte ich auch reden können!" <----- naja, das war ein langer Weg. Ich mag das, wenn es anderen auffällt, denn es steckt unfassbar viel Arbeit darin. Aber ich kann das auch nur bei meinen Themen, ist ja klar, da kenne ich mich aus. Übers Bloggen kann ich stundelang reden - ohne Vorbereitung. Ich glaub aber nicht, dass das etwas ist, das alle können müssen. Manche von uns reden, andere schreiben, wieder andere bringen sich nur in ihren kleinen sicheren Gruppen ein. Wichtig ist doch nur, dass wir nicht Dinge schlucken, die uns dann von innen vergiften. Da ist es manchmal besser, die richtige Bühne zu finden, um was raus- oder reinzulassen.
AntwortenLöschenSchön, dass du noch nachgeschrieben hast. Ich freu mich übrigens immer, dich zu sehen - ob nun still oder nicht :)
Siehste mal, das ahnt ja keiner, das mit der unfassbar vielen Arbeit! Ich könnte auch an mir arbeiten, scheitere aber immer und immer wieder. Vielleicht finde ich mal einen schönen Mittelweg - bisschen reden, bisschen schweigen. Echt, ich dachte immer, das ist dir so zugeflogen. Manche reden ja, auch vor anderen, ohne jede Hemmung oder ins Stocken zu geraten.
LöschenIch staune jedenfalls, wer diese Kunst beherrscht. In der nächsten Blognacht werde ich dir wieder gebannt zuhören :)