Guten Abend ihr lieben Mauslochleser!
Ein kleiner, angenehmer Wind weht mir um die Beine. Das liegt daran, dass ich hier im Garten sitze mit meinem Laptop. Und das wiederum hat einen ehrenwerten Hintergrund:
Blognacht Nr. 70
Hier sind wir wieder und bloggen gemeinsam mit Anna Koschinski, die uns eben alle begrüßt und uns den Impuls für diese Schreibnacht gegeben hat.
Vorbilder
Was ich mit diesem Thema anfangen soll .. oder kann, das weiß ich absolut noch nicht. Fakt ist, dass ich mich grade unheimlich freue, so entspannt im Garten sitzen zu können! Der kleine Wind lässt die beiden riesigen Pappeln gegenüber rauschen, es ist total angenehm und ich schwitze nicht!!! Kein bisschen! Ist das genial?
Zur letzten Blognacht war ich auch schon draußen, allerdings mit ordentlicher Beschallung. Nicht nur die beiden Vogel-Gangs, die sich hier gefetzt haben, auch Rock im Park war ziemlich laut. Heute hab ich ein etwas anderes Hintergrundprogramm. Die Nachbarstochter hat Geburtstag, die Party klingt gerade aus. Nach ziemlich intensivem Hey Pipi Langstrumpf und oben gute Laune, unten gute Laune ebbt der Geräuschpegel jetzt doch etwas ab. Ist auch ganz angenehm.
Also. Was haben wir? Einen Garten, ein laues Lüftchen, eine einzelne gurrende Taube und einen Impuls. Heidelbeerwein ist heute leider nicht verfügbar, weil der Weg zum Schrank versperrt ist. Es gibt nur popliges Cola aus der Dose. Ohne Zucker auch noch.
Apropos Zucker, ich muss das jetzt schreiben, auch wenn hier weit und breit kein Vorbild zu sehen ist - ich hab heute meine Blutwerte bekommen und siehe da, der Zuckerspeicher ist so niedrig wie seit Jahren nicht mehr! Jubel!! Wenn man nach diesem Wert gehen würde, hätte ich eigentlich gar keinen Diabetes, so nämlich!!
Alles top, alles im schönsten Normbereich.
Sabine happy!
Komm mal zum Thema, Frollein! Vorbild. Man könnte ja diesen Begriff erstmal analysieren. Was ist ein Vorbild?
(Wat is en Dampfmaschin? Da stelle mir uns mal janz dumm. Dat eine Loch, da kommt de Dampfe rein, dat andere Loch - dat krieje mer später)
Sorry, hatte sofort die Feuerzangenbowle im Kopf :)
Wat is en Vorbild? Jemand, der es richtig macht. Jemand, der mir vorlebt, wie es geht. Oder jemand, den ich bewundere und ich so sein will wie er. Oder sie.
Da gabs früher natürlich etliche Personen, die mir etliches vorgelebt haben. Als unsichere 13jährige saugst du alles auf, was von gleichaltrigen so rüberkommt. In meiner Klasse war eine, die fand ich super! Ich nenn sie Streifenhörnchen, weil sie diese todschicken schwarz/weiß gestreiften, engen Hosen getragen hat. Die waren ein bisschen punkig, was mich sehr beeindruckt hat. Solche Hosen hätte ich mich nie tragen trauen! Nina Hagen hatte auch so eine Streifenhose. Mit massig Nietengürtel über der Hüfte und dem obligatorischen Netzshirt. Außerdem hatte Streifenhörnchen eine wilde Kurzhaarfrisur und war optisch insgesamt sehr rebellisch. Und frech war sie auch. So eine charmante Art, frech zu sein. Was die sich alles getraut hat! Gab der Lehrerin Widerworte!! Stellte Tatsachen infrage. Scherte sich nicht um die Meinung der anderen. Trug Schminke !!!
Wow! Ich war fasziniert. Streifenhörnchen hat von unserer Lehrerin Sr. Theodora des Öfteren ein Stück Kreide an den Kopf geworfen bekommen, was ihr aber nichts ausmachte. Im Gegenteil, sie lachte laut. Das hat mich noch mehr fasziniert!
So ein bisschen Streifenhörnchenart hätte ich auch gern gehabt. Aber ich war ein Feigling. Nur im Kleinen rebellisch. Ein Taschenrebell.
Es würde mich interessieren, was aus Streifenhörnchen geworden ist. Ob sie immer noch so taff ist wie in 1983.
Ein richtiges Vorbild war sie aber dennoch nicht, eher jemand, der leuchtet. Da waren einige in der Schule, die geleuchtet haben. Die sich was getraut haben, die nicht still waren und mit den Lehrern diskutierten. Ich konnte das nicht. Für mich war der Lehrer automatisch eine Respektsperson und zack, war ich still.
Bei Madonna war es ähnlich. Ich seh mich noch mit 15 im Bad, die Bravo in der Hand im verzweifelten Versuch, mich genau so zu schminken, wie Madonna auf dem Bild. Natürlich hatte auch ich eine Tüllschleife im toupierten Haar und Röckchen und Klimperschmuck und Ledergürtel und bunte Strumpfhosen. Seit dem Erscheinen des Videos zu "Like a virgin" waren die meisten Mädchen in meiner Umgebung genau so wie ich völlig in ihrem Bann und wollten so sein wie sie! Inclusive laszivem Singen vor dem Spiegel.
O mann!
Ein Vorbild, das man nachahmen will. Zumindest in dem Alter.
Mir sind viele Leute begegnet, die ich bewundernd beobachtet hab. Meistens waren das Mädels, die mutig waren. Die ihren eigenen Stil hatten und sich was getraut haben. Die waren laut und lustig. Hatten so eine mitreißende Art, die ich auch gern gehabt hätte. Ich seh mich rückblickend eher als Mitläufer.
Sie waren the leader of the pack - ich war das pack. Spaß hatte ich trotzdem!
Ein bisschen pack bin ich heute noch. Eher still, wie man beim Blognacht zoom vielleicht schon bemerkt hat, eher beobachtend. Und das, obwohl ich das eigentlich gar nicht so unbedingt will, es kommt einfach wie es kommt.
Dafür hab ich dann mein Mausloch. Hier möchte ich nicht still sein, hier fallen die Hemmungen. Aber hallo!
Hab ich heute ein Vorbild? Nicht direkt. Es gibt niemanden, dem ich verfallen bin und nacheifern möchte. Da sind eher viele verschiedene Leute, die alle eine bestimmte Eigenart an sich haben, die ich richtig gut finde. Und auch gerne hätte.
Da wäre zum Beispiel die Engelsgeduld von meiner Schwester Waldfeger. Es ist einfach unglaublich, wie geduldig sie sein kann!
Die Gelassenheit meiner Kollegin Elfe, die irgendwie nie schlechte Laune zu haben scheint und fast nie jammert. Das ist mir zwar etwas unheimlich, aber auch bewundernswert.
Die Fähigkeit meiner Chefin, sich scheinbar alles merken zu können. Alles! Wie der Patient von 9:30 von letzter Woche Dienstag hieß, seine Diagnosen und was er für ein Dokument brauchte - und warum. Ich bin froh, wenn ich die Leute von vor einer Stunde noch zusammenkrieg.
Der Fleiß meines Mannes. Tief in seinem Wesen ist er glaub ich ein Heinzelmännchen. Kleines Beispiel: Während ich zutiefst erschöpft nach dem Wochenendeinkauf auf das Sofa sinke und mich auf mein Sushi freue, macht er einen fliegenden Wechsel in den Garten um den Rasen zu mähen, repariert irgendwas oder streicht noch fix eine Wand, ehe er das nächste Familientreffen organisiert.
Der immense Wissensschatz meiner Mama. Sie weiß soviel, hat ein sehr umfangreiches Allgemeinwissen, das imponiert mir! Wenn mich jemand was fragt, antworte ich meistens - frag die Oma! Die weiß das.
Eine Freundin von mir rockt ihren Alltag alleine mit zwei kleinen Jungs, von denen einer grade in die Pubertät einsteigt. Hat eine eher unschöne Trennung hinter sich, einen Umzug, eine Umschulung und managt alles alleine. Das ist der Hammer, oder?
Ein bisschen was von einem Vorbild haben auch meine Kinder. Weil sie mich beeindrucken. Reisen überall hin, gerne auch ganz allein nach Amerika, machen Abenteuerurlaub und genießen ihr Leben! Stellen Dinge infrage, bilden sich ihre eigene Meinung und sind viel konsequenter als ich. Schon beeindruckend.
Ich würde mich nie trauen, den Jakobsweg zu gehen, selbst wenn ich in der Lage wäre. Oder mit dem Radl durch Holland zu radeln, das wär mir viel zu unsicher.
Also gut, das soll jetzt nicht bedeuten, dass ich immer brav und still war. Meine Schwester weiß das und meine Mama auch, ihr wäre es bestimmt anders lieber gewesen. Sagen wir so - ich hab mich ausgetobt.
Da kann ich jetzt im hohen Alter von 55 schon mal mit einem Urlaub im sicheren Strandkorb zufrieden sein. Hahaha!
Jetzt brauch ich noch ein Fazit, einen schönen Schluss.
Ein großes Vorbild hab ich nicht, nur viele kleine überall verstreut.
Starke Frauen, die ihren Alltag rocken. Die laut sind und bunt und es so machen, wie sie das wollen. Und die sind es alle wert, ein Vorbild zu sein!
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