Monkey Monkey Underpants - Annette erinnert mich an mein Schreibverhalten in der Blognacht. In so ziemlich jeder Blognacht. Dieser Begriff kommt aus der Serie Gilmore Girls und bedeutet, sich in Gedanken zu verstricken. So sehr, dass man den Faden und sein Ziel völlig verliert. Ich find den Spruch voll lustig! Monkey Monkey Underpants!
Also ich beim Versuch, den Impuls möglichst elegant wiederzugeben.
"Bleib locker - wird eh anders"
Herzlich Willkommen bei der 74. Blognacht mit Anna Koschinski und 5 1/2 anderen Mitschreibern. Einer hat sich schon verabschiedet, nachdem der Impuls bekannt gegeben wurde.
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Impuls: Freizeichen
Ach ja. Da haben wir wieder so ein Thema, das mich erstmal ganz vertraut ratlos zurück lässt. Anna wird sich was dabei gedacht haben. Sicher. Bloß was?
Ich erzähl dir erstmal von meinem Tag, vielleicht kommt dann eine Eingebung.
Heute war ein seltsamer Tag, beginnend mit einem spektakulären Sonnenaufgang und leuchtend rosa-orangenen Wolkenhimmel. Bin beeindruckt und gut gelaunt mit Iron Maiden losgefahren. In der Praxis waren wir zu dritt, Kollegin Nachtigall und Kollegin Pinky an der Anmeldung, ich im Labor. Und weisste was? Es hat richtig Spaß gemacht! Es gab zwar elend viel zu tun und auch wenn Ben meint, Pausen seien überflüssig, war der Gang zur Kaffeemaschine eine Möglichkeit, kurz mal zu atmen und mich zu erden. Niemand hat mir reingequatscht, ich konnte wild umherstechen und schalten und walten wie ich wollte. Klasse! Das beflügelt, heute lief das wie am Schnürchen. Patienten freundlich, ich freundlich, die Stimmung in der Praxis gut gelaunt und fast schon fröhlich. So mag ich das! Ich hab einen tollen Beruf :)
Der Wochenendeinkauf mit dem Mann war entspannt und ohne irgendwelche Ärgernisse. Als Sahnehäubchen für den Tag durften wir ein Nickerchen halten, bevor ich lecker Spaghetti gekocht hab. Und jetzt die Krönung - die Blognacht!
Ich sitze im ehemaligen Tochterzimmer (da muss ich mir mal eine andere Bezeichnung ausdenken) bei nicht ganz so idealen Schreibbedingungen weil fehlender Tisch, aber mit Friesentee in der Thermoskanne und schön Rock-Radio im Hintergrund.
Und dem Impuls. Freizeichen.
Noch keine Eingebung.
Gestern war bei uns was los! Eine Fliegerbombe wurde bei Bauarbeiten gefunden, in einem Radius von 750 Metern wurde alles abgesperrt und evakuiert. Ich hatte echt Glück, unser Haus liegt ganz knapp neben dieser Evakuierungslinie. Verdammt knapp! Ich wusste nicht, ob ich durchkomme mit dem Auto. Überall Blaulicht. Feuerwehr, Polizei, Zivilschutz und THW. Oben im Altenheim wurden die Bewohner in ein anderes Heim transportiert, die Grundschulkinder zogen in eine andere Schule in der Siedlung und all die Leute, die hier wohnen, mussten rüber in die Messehalle, zur Aufbewahrung. Nur ich nicht, weil ich 3 Meter weiter links wohne.
Bis zum Abend waren alle in Sicherheit gebracht und die Bombe konnte entschärft werden. Das Ding wog 250 Kilo! Ich will ja nicht wissen, was da noch alles unter uns schlummert ..
Waldfeger konnte von ihrem Balkon aus die Lage beobachten und hat uns immer ein aktuelles Update gegeben. Schon spannend! Den ganzen Tag hat mich dieses mulmige Gefühl begleitet, dass es plötzlich knallen könnte. Um die 500 Leute waren mit dem Ding beschäftigt und es wurde souverän gesichert.
Dass all die Bewohner abends wieder in ihre Wohnungen durften, könnte man auch als Freizeichen betiteln. Alles wieder gut, alles sicher, der Weg zur Normalität ist frei.
Freizeichen.
Freizeichen.
Freizeichen.
...
Natürlich denke ich da zu allererst an ein Telefon. Kannst du dich erinnern, wenn du jemand anrufen willst, aber trotzdem Angst hast, dass die Leitung frei ist und der andere am Ende sogar rangeht? Zum Beispiel wenn du 15 bist und schwer verliebt. Man will sich melden aber bloß nicht mit dem süßen Typ sprechen!! Und dann ringt man sich durch, wählt die Nummer und zittert am Hörer. Wenn dann das Freizeichen kam, hab ich nicht selten schnell wieder aufgelegt! Ein alter Schisser bin ich! War ich, heute ist das nicht mehr ganz so schlimm, hahaha!
Ein Freizeichen bedeutet, jepp, du kannst. Es geht los. Du hast freie Bahn. Du kannst loslegen. Warum fürchtet man sich oft so sehr davor? Weil man handeln muss und es kein Zurück mehr gibt? Oder weil ich sprechen muss? Das mit dem Sprechen ist ja so eine Sache - wie schon bei der letzten Blognacht erwähnt.
Dabei kann ich das in der Arbeit ziemlich locker, ist mir vor kurzem bewusst geworden. Ich rufe die Patienten laut und deutlich auf, empfange sie freundlich im Labor und fang an zu quatschen. Ich kann sogar ängstliche Blutopfer super ablenken, so dass die Angst vor der Nadel kurzzeitig ausgeblendet wird. Heute war ein Mann Mitte dreißig bei mir, den ich gleich mal auf die Liege verfrachtet hab. Er hatte so Angst vor dem Blutabnehmen, dass er ganz blass und verschwitzt war. Ich spreche ihn auf dieses Ding an, das er um den Hals hat. Das war ein Akku für seine Musik und sah aus wie ein schwarzer Bügel. Als ich das mit einem Walkman verglichen hab und ihm erzählte, dass ich Generation Walkman bin, fand er das so verblüffend und so lustig, dass er die Nadel glatt vergessen hat! Ich hab ihm von Kassetten und dem hin und her spulen erzählt und er fing an zu lachen. Und plötzlich war die Blutabnahme vorbei, ohne dass er es großartig gemerkt hätte.
Lob und Anerkennung bitte!
Wo war ich?
Ich kann mit den Patienten entspannt und locker sprechen. Aber das ist nicht das Thema. Das heißt Freizeichen. Wie komm ich auf meine Patienten?
Freizeichen.
Wo gibt es überall Freizeichen, außer am Telefon? Vielleicht im Freizeitpark, wenn man in einer Achterbahn sitzt und sich über seine eigene Courage wundert. Und dann, wenn man eigentlich lieber wieder aussteigen will, kommt das Signal, dass es startet. Es geht los! Freizeichen! Herzklopfen und leichte, freudige Panik!
Damals, als es noch kein Internet gab, vor langer, langer Zeit, musste man die Kinotickets an der Kinokasse kaufen und sich dann vor dem Saal anstellen. In der Hoffnung, einen guten Platz zu ergattern. Ich erinnere mich an eine Masse von Leuten, die vor der verschlossenen Tür warteten. Über dieser leuchtet ein Signal "Kein Einlass".
Die Leute werden immer ungeduldiger, bis plötzlich dieses Signal umspringt auf "Jetzt Einlass", die Tore öffnen sich und die Menge stürmt ungehalten in den Kinosaal.
Der Sturm auf die Bastille! Mit Gebrüll!
Dieses Freizeichen war aufregend, ich mochte das irgendwie! Ein Startschuss auf die Jagt nach dem perfekten Platz und dann ein toller Film!
Also wenn man es wörtlich nimmt, ist ein Freizeichen ja eigentlich ein Frei - Zeichen, also hab ich frei? Steht mir was frei zu tun? Bekomme ich eine Wahl, mich frei zu entscheiden?
Das berühmte "Musst DU wissen" als eine Antwort, die ich nicht leiden kann. Ich würde nicht fragen, wenn ich es selber wüsste. Aber trotzdem hab ich dann freie Entscheidungskraft. Mach ichs oder mach ichs nicht? Hab ich Lust? Könnte ich mir das jetzt vorstellen? Es steht mir frei, etwas zu tun. Oder zu lassen. Eigentlich eine tolle Sache.
Heute Nachmittag hatte ich ein Frei-Zeichen, mich aufs Sofa zu legen und vor mich hin zu dösen. Das hab ich so gewollt, mit voller Absicht.
Das ganze Wochenende hab ich freie Entscheidungsgewalt, weil kein Termin ansteht. Super, oder? Im Gegensatz zum letzten Wochenende, das prall gefüllt war mit Events. War toll, aber anstrengend. Da bin ich ganz froh um ein ruhiges Wochenende.
Außerdem - ich hab ja ein neues Buch, auf das ich ganz scharf bin.
Da geb ich mir selber ein Freizeichen zum Lesen! Mit Decke und Tee, wie es sich im Herbst gehört. Au ja!
Ein Freizeichen kann ein Zeichen für feie Zeit sein. So richtig freie Zeit, die man nicht "nutzen" muss und tatsächlich einfach so verplempern kann.
Tun, wozu man grade Lust hat, lassen was man nicht machen will.
Vielleicht kann ein Frei-Zeichen auch ein echtes Geschenk sein! Man könnte sich vom Tag überraschen lassen.
Ich kann mir morgen mit dem Mann die Tribute von Panem anschauen, wenn wir das möchten, ich kann frei und ohne Plan ins Mausloch schreiben, ich kann laut Oldies hören und dabei in meinem Schrank herumräumen, wenn mich der Rappel packt! Ich kann sogar den ganzen Samstag verpennen, wenn mir danach ist.
Es steht mir frei.
Ich hab ein Frei-Zeichen für dieses Wochenende!
Vielleicht ist so ein Freizeichen ein Hinweis für einen Moment, an dem irgendwie gar nichts passieren muss!
Schöner Gedanke. Mit diesem schließe ich diesen wirren Beitrag. Ich hab jetzt nämlich frei!
Super! Monkey Monkey Underpants total! Herrlich!
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