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| 52 Wochen - 52 Themen - 52 Fotos eine Mitmachaktion von Sari auf heldenhaushalt.de |
Thema Nr 5 für den März heißt: Entscheidung
Ich stehe beim Bäcker in der Schlange. Es ist spät, ich bin müde und hab Hunger. Die Leute vor mir brauchen sehr lange, so hab ich viel Zeit, auf die Auslagen zu schauen.
Und was ich da alles vor mir hab!
Da steht ein unglaublich appetitlicher Apfelkuchen. So einer, vor dem man niederknien könnte, mit einem hellen Mürbteigboden und Zuckerglasur. Ein Stück wurde bereits verkauft, so kann ich das Innere des Kuchentraums sehen. Saftige Apfelstückchen, zarter Teig, leicht gesplitterter Zuckerguss. Ich starre auf diese Offenbarung.
Nebendran befindet sich ein ganzer Käsekuchen. Unberührt, hellgelb, perfekt gebacken mit einem Hauch von Braun eingefasst. Die Oberfläche ist glatt und makellos. Ich stelle mir vor, wie ein Messer in ihn hineingleitet, in Zeitlupe. Wie die Klinge durch diese cremige Füllung dringt und mit leichtem Druck den knusprigen Boden bricht ...
Meine Augen werden glasig
Weiter vorne leuchten mir die obligatorischen Himbeerschnitten entgegen. Die Großeltern haben früher oft solche Himbeerträumchen mitgebracht. Gekühlt. Mit frischen, ganzen Himbeeren, die im zarten Gelee feststecken. Erstarrte Verführung! Vielleicht liegen sie auf einer dünnen Schicht Himbeermarmelade. Man könnte die satte rote Farbe mit einem Klecks frisch geschlagener Sahne veredeln. Süß und zart und weiß und rot.
Da sind noch drei Stücke Schokoladenkuchen. Ich kann kleine, reife, dunkelrote Kirschen im Teig erkennen, versteckt und als Spezialeffekt verborgen, überraschend wenn man die Lippen um ein großes Stück Schokotraum schließt und plötzlich eine süße, saftige Frucht auf der Zunge spürt.
Die Schlange bewegt sich kollektiv einen Schritt nach vorne.
Hier sehe ich lange, schmale Stücke Quarkkuchen mit hellbraunen Streuseln drauf. Würde ich mir so ein Stück auf einen Kaffeeteller legen, würde die lange Spitze weit über den Tellerrand zeigen. Eine Kombination aus groß, cremig und knusprig. Im Geiste zerbeiße ich ganz langsam einen Streusel, spüre all die Zuckerbrösel in meinem Mund zerfallen, umrahmt von süßem Quarkteig.
Ich schlucke.
Dann haben wir hier Erdbeerkuchen. Erdbeeren drängeln sich auf einem lockeren Rührteigboden. Wenn die Erdbeeren reif und frisch sind, aus der Region und grade geerntet, sind sie zuckersüß und wie eine Belohnung, die man runterschlucken kann!
Der Erdbeerkuchen wird begleitet von Streuselkuchen. Dicke, fluffige Stücke werden angeboten. Ich kann kleine Stückchen darin erkennen, sind das Beeren? Oder Schokosplitter? Ich stell mir den Teig zart, locker und ein bisschen saftig vor. Wenn man da rein beißt, würden die Streusel in alle Richtungen fallen. Streusel, die vermischt sind mit viel Puderzucker, vollendet von einem gekonnt und akkurat platzierten Schokoladensoßenspritzer. An deinen Fingern, auf deinem Shirt, an deinem Mund ... mmmmmmmh!!
O-mein-Gott! Wie köstlich muss dieser Kuchen sein?
Heimlich wisch ich mir über den Mund.
Ich bin dran und die Verkäuferin fragt, was ich möchte.
"Was hätten Sie gern?"
"Zwei Dinkelbrötchen, bitte."
Das Leben ist manchmal etwas hinterhältig und gemein.




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