Mausloch

Das Mausloch ist mein öffentliches Tagebuch.
Mein Refugium. Meine Höhle. Mein Ventil. Viel Spaß!

Sonntag, 27. Januar 2019

Realität vs. Kopfkino

Kennst du das auch, dass du längst vergangene Szenen im Kopf nachspielst? Weil du in dem Moment, als es passiert ist, zu doof warst für eine passende Antwort?
Ich mach sowas immer wieder. Grade eben beim Haarewaschen fiel mir der Tag ein, als mich der Schwertkampflehrer von Sohn zur Schnecke gemacht hat.
Das war so:
Der Bub war ca 14 Jahre alt und im Schwertkampfverein. Da sollte ein Showtreffen stattfinden, ganz authentisch an den Felsen einer alten Burg irgendwo in Franken. Mir wurde beim Abholen bei der letzten Stunde gesagt, sei da, halb vier reicht, die Jungs im Trainingsoutfit. So.
Eine der Mütter drückt mir ihr Kind auf die Backe, weil sie keine Zeit hat. Das Kind (F) wurde mir um drei geliefert samt Käsekuchen, den ich mitnehmen sollte. Wir starten sofort, fahren über Landstraße bis zum Zielort und kommen kurz vor halb vier an. Ich parke im Tal, weil ich nicht wüsste, wo sonst. Die Jungs stiefeln fröhlich den Berg hoch. Der Berg ist steil, sehr sehr steil. Und der Weg ist lang. Und ich mit wehem Fuß, 50kg Übergewicht und dem scheiß Käsekuchen hangel mich am Geländer hoch, Schritt für Schritt für Schritt .. keuchend und japsend und tapfer. Ich komme auch tatsächlich oben an, wo mir gleich zwei Mütter entgegeneilen, mir den Kuchen aus der Hand nehmen und mir Wasser bringen. Ich muss wohl ihr Mitleid erweckt haben. Ich steh da, unfähig zu sprechen oder mich weiter zu bewegen. Eine Mama fragt mich, warum ich nicht bis ganz rauf gefahren bin, da hinten wär ein Parkplatz. Ich schau sie nur an und keuche.
Dann kommt der Schwertkampflehrer (DSKL) zu mir und ich Depp denke noch, er will mich begrüßen!
Aber nein, DSKL baut sich zusammen mit einem anderen bärtigen Schwertschwinger vor mir auf und macht mich zur Sau, was ich mir dabei gedacht hätte so spät hier aufzutauchen, alle anderen wären schon seit Stunden da und jetzt ist eigentlich schon alles gelaufen und sie hätten die beiden Jungs echt brauchen können und es kann ja wohl nicht angehen, dass jeder einfach kommt wann er will und wir sind schließlich eine Gruppe und ein Team ... und irgendwas noch.
Und ich steh da wie klein Lieschen, kann immernoch nicht sprechen und fasse es nicht, was ich da grade gehört hab. Ich seh aus den Augenwinkeln, dass mich alle anstarren, der gesamte Kuchentisch mit allen Mamas und die komplette Schwertschwingergarde.
Und als ob es nicht noch jämmerlicher gehen würde, japse ich mit meinen letzten Sauerstoffreserven, dass mir gesagt wurde, halb vier würde reichen und ich musste noch auf den anderen F warten, der ja erst um drei zu mir kam .. DSKL schnautzt, so gehts wirklich nicht, Sabine! und stiefelt davon, lässt mich stehen.
Und ich steh da wie ein Depp mit meinem hochroten Kopf und dem Mitleidswasser in der Hand.
Ich humpel zu einem Felsen, setze mich und sehe zu, wie die beiden Jungs irgendwas vorführen und halte verbissen die Tränen zurück. Ich bin so stinkwütend !!
DSKL ist nicht mehr zu sehen, ich sammel die Jungs ein und verschwinde. Mit dem Käsekuchen.
Den hab ich zu Hause auf einen Teller und ihn mit meiner Familie aufgegessen!

Das war die Realität.

In meiner Phantasie steh nicht ich am Schluss als Depp da, sondern DSKL !!
Ich steh also wieder oben auf dem Burg-Berg und DSKL und sein Knappe bauen sich vor mir auf und schimpfen. Ich hör ihnen zu. Und diesmal antworte ich anders:
"Erstens bin ich nicht deine Schülerin oder dein Gefolge und es besteht kein Grund, mich so von oben herab an zu schnautzen! Ich hab die Jungs hier hoch gebracht, obwohl ich meinen Sonntag auch anders gestalten könnte, und warum? Weil DU mich gebeten hast, zu kommen! Den Weg hätte ich mir auch gern erspart!
Zweitens wäre etwas mehr Information erfreulich gewesen, wenn man mir sagt, wann etwas beginnt und wann ich  da sein soll, dann weiß ich Bescheid und kann mich danach richten! Schriftliche Einladungen wären eine Option, oder?
Drittens hab ich kulanter Weise den anderen F. mitgenommen, weil ich drum gebeten wurde. Und der wurde mir erst um drei geliefert, was sollte ich deiner Meinung nach tun? Das Kind vor der Haustür verhungern lassen?
Und ich schlepp mich trotz Krankheit diesen verfluchten Weg hier hoch mit dem blöden Kuchen von F's Mutter und dann werd ich zurecht gestutzt in einem Ton, den ich mir verbitten möchte!
Und jetzt will ich, dass die Jungs ihren Tanz aufführen damit ich gehen kann!
Und das wars dann!
So nicht!
BÄÄÄM!

So hätt ich reagieren sollen! Und zwar gleich - nicht drei Jahre später während ich mir die Haare wasche!
DSKL wird es nie erfahren



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Samstag, 26. Januar 2019

also ein Refugium

zwei Stunden hab ich jetzt Zeit, um zu tun, was ich so tun will. In zwei Stunden müssen wir los.
Jeder macht jetzt das, was er am liebsten macht: Papa liegt aufm Sofa und schaut irgendeinen Sport, Sohn hat sich auf sein Zimmer verzogen und spielt Klavier oder macht was am Pc und ich sitzte im Schlafzimmer und schreib Mausloch. Ich hab überlegt, ob ich vielleicht lieber lesen will, aber dann penn ich sofort ein. Obwohl mein Buch ziemlich lustig ist. Es ist mir unmöglich, ein spannendes oder aufregendes Buch zu lesen, es muss grade leicht und locker sein, gerne auch für Jugendliche. Das ist jetzt das richtige für mich (und meine jugendliche Seele). Aber kein Buch ohne Schlaf - also nicht lesen sondern schreiben.
Hätte ich lesen wollen, hätt ich es mir hier auf Markus bequem gemacht, (das-ist-Markus)
Wäre das Zimmer nebenan schon fertig, hätt ich da drüben lesen können. Tochter's altes Zimmer, es soll ein Wohlfühlraum werden. Aber jetzt fühlt man sich garnicht wohl drüben, es ist kalt und irgendwie leer, obwohl Möbel drinstehen. Kahle Wände. Ein paar Sachen von Tochter liegen noch rum. Insgesamt total traurig. Und ich kann mich seltsamerweise nicht aufraffen, etwas zu ändern.
Ich hätte schon ein Poster da und ein Bild. Und ich hab gedacht, einen Lesesessel und eine Leselampe reinzustellen.
Sowas:

Wär schon schön gell? Und gäbe dem Raum frische Farbe. Und Vorhänge müssen ran. Und lauter indirekte Lichter oder kleine Lampen, damit es gemütlich wird. Vielleicht kann mir Tochter oder Waldfeger mal mit Ideen zur Seite stehen? Ich wills zwar kuschelig haben, bräuchte dafür aber einen Plan. Und ein Kissen und einen Wasserkocher für ne Teestation und Kerzen und nen runden Teppich. Und eine DVD mit einem Kaminfeuer. Hihi!





Samstag, 19. Januar 2019

Die Sache mit der Höflichkeit

Manchmal frag ich mich, was in den Menschen vorgeht, wenn man sieht und hört, wie sie handeln.
Meine Labortür steht immer ein bisschen offen, damit ich 1. nicht den Erstickungstod sterbe und 2. bisschen was mitkrieg, was draußen in der Welt so passiert. Da sitzen die Kolleginnen an der Anmeldung, immer zu zweit. Ich hab schon viele Damen da draußen gehört und festgestellt, das jede ihren eigenen Stil hat. Das bezieht sich auf ihren Umgang mit den Patienten genauso, wie für die Art, Problemsituationen zu klären.
Da kommt ein Patient an die Anmeldung, Kollegin hat aber noch zu tun. Was haben wir gelernt?
Zuerst den Patienten begrüßen, dann ihn bitten, noch einen Moment zu warten, den Patienten dabei ansehen und freundlich sein, im besten Fall sogar lächeln.
Der Patient kommt also an die Anmeldung und will gleich loslegen.
P " Grüß Gott, ich brauch da .."
K " Einen Moment bitte" (schaut nicht auf, bittet nicht sondern ruft)
P (verzieht das Gesicht und wartet schweigend)
K "Bitte da beim Schild warten!" (das war ein Befehl)
P (geht einen Schritt zurück)
K " Warten Sie bitte da beim Schild, da hinter Ihnen. Dafür ist das Schild da."
P "Ja ich bin ja schon zurück gegangen"
K " Aber Sie sind immer noch zu nah dran, warten Sie bitte beim Schild"
P ist genervt und geht noch einen Schritt zurück. Steht jetzt ordnungsgemäß beim Schild
- das ist die Stelle, an der K ihre Arbeit beenden oder gar unterbrechen könnte, um sich dem wartenden Patienten zuzuwenden. Denn wir wissen: an einer Anmeldung zu warten in voller Montur und evtl. sogar mit Schmerzen/Zeitdruck/voller Blase o.ä. nervt tierisch!
K (arbeitet weiter)
P "Sie, ich hab bloß eine Frage"
K "Sie sehen doch, dass ich grade noch beschäftigt bin! Ich kann nicht alles gleichzeitig machen, ich hab auch nur 2 Hände, also warten Sie bitte beim Schild!"
P (stöhnt und wartet brav beim Schild)
K" Ich mach erst das eine fertig und kann mich dann dem anderen widmen"
P (schweigt)
K "Es ist ja nicht wegen Ihnen, es ist wegen dem Datenschutz!"
P (schweigt)
K "Ne? Weil ich kann auch nur arbeiten!"
P (mittlerweile sichtlich genervt) " Ich brauch doch bloß ein Rezept!"
K " Ich hab Ihnen doch grade gesagt, dass ich noch beschäftigt bin und Sie gebeten ..
P (fällt ihr ins Wort) " Das dauert doch nicht lange!"
K " Was lange dauert oder nicht das können Sie nicht wissen. Aber ich! Und ich mach Ihr Rezept gleich, sobald ich hier fertig bin! Bitte warten Sie noch beim Schild!"
P (schweigt)
K " Ne? Eins nach dem anderen!"
P (schweigt)
K " Ich hab auch bloß 2 Hände"
P (schweigt)
K "Dafür haben wir ja das Schild"
P (jetzt echt angepisst) " Wird das heute noch was? Ich hab meine Zeit auch nicht gestohlen!"
K " Ich hab Ihnen gerade gesagt .."
Die 2. Kollegin hat Erbarmen und holt den Patienten zu sich, um das Rezept aufzunehmen.
K2 "So bitteschön, was braung' mern'?"
P (sagt was er braucht)
K1 "Ich kann schließlich nicht alles gleichzeitig machen"
...
K1 "Ich kann ja nicht zaubern"
...
K1 "Immer eins nach dem anderen"
P "Sie sind ziemlich unfreundlich!"
K1 "Ich bin überhaupt nicht unfreundlich, ich mach hier bloß meine Arbeit! Und wenn ich Sie bitte, da beim Schild zu warten, dann hat das schon seinen Grund! Schließlich hab ich die neuen Datenschutzbestimmungen nicht gemacht aber ich muss mich dran halten! .. (geht noch ein paar Minuten so weiter)
P (hat inzwischen sein Rezept und stänkert im Gehen vor sich hin) "Also sowas hab ich noch nicht erlebt, sowas unfreundliches ..!"
K1 (schimpft den restlichen Tag vor sich hin und holt sich bei allen Kolleginnen Zuspruch - wenn sie ihn denn kriegt )
P ist sauer
K1 ist sauer

Jetzt frag ich mich, warum so aggressiv? Und vor allem, warum kann K1 nicht aufhören, zu sticheln?
Fakt ist, K1 will ihr Zeug noch schnell fertigmachen, damit sich die Anforderungen nicht stapeln und P will nicht so lange waren und vor allem, nicht blöd angemacht werden.
Die Lösung ist ganz simpel. Hätte K den P anders empfangen und die Rezeptbestellung schnell notiert, hätte sich P ins Wartezimmer verzogen und in Ruhe auf sein Rezept warten können. Und keiner wäre beleidigt gewesen.
Warum also lässt K1 nicht locker? Will sie ihren Standpunkt klarmachen, immer wieder? Will sie sich behaupten? Ist sie auf Krawall gebürstet? Ich sitze in meinem Labor und schüttle den Kopf. Es könnte schon einfach sein. Aber was weiß ich schon, ich olle Labortante.
Allerdings, ob ich es jetzt gelernt hätte oder nicht, ob mir die Hotelfachfrau-Ausbildung  noch im Ohr klingt, dass man stets höflich zu sein hat - ich würde niemals einen Patienten so abfertigen wie K1.
Vielleicht bin ich da zu gut erzogen?
Oder ich bin einfach nicht fränkisch genug ..  wer weiß?!








Sonntag, 13. Januar 2019

Platzregen vs. Zahnputzbecher

Heute hab ich es tatsächlich geschafft, den kompletten Tag zu verplempern. Nur faul irgendwo rumliegen, Märchen gucken, essen und schlafen. Mit begleitendem schlechten Gewissen.Am Besten, ich schiebe es mal wieder aufs Wetter. Verregnete Sonntage darf man verpennen!
Immerhin hab ich es vorhin, als es draußen langsam dunkel wurde, vom Bett ins Bad geschafft und sitze jetzt mit Handtuch um den Kopf am Pc.Vielleicht schaffe ich es auch noch, ein T-Shirt zu bügeln, dann hätte ich morgen in der Arbeit was zum Anziehen. Wäre eine Überlegung wert. Und kochen muss ich auch noch. Heute gibts Taccos, auf Wunsch des Sohnes. Noch nie gemacht.
Gestern war ich fleißig. Erst zum Einkaufen mit dem Papa, dann alles verräumen (was anstrengend ist!) und dann den Tannenbaum verschwinden lassen, nie finde ich die passende Schachtel zu den Kugeln und Glöckchen und dem ganzen Glanz. Und während ich mich rat- und hilflos an den Tisch setze und keinen Plan mehr hab, räumt Papa wie batteriebetrieben wild umeinander, verstaut alles und trägt die Kisten in den Keller, während ich mich vom Tisch erhebe. Beeindruckend. (beides).
Und dann der Mausstall. Mäxchen Huber lebt im Lotterkäfig, wir müssen das Tier befreien - wenn das Sandbad vor Mäusebemberle nicht mehr zu sehen ist, ist's Zeit. Sohn hilft so gut er es vermag - er geht mit Mäxchen Huber nach oben und gibt ihm ein Privatkonzert. Und Papa und ich misten aus. Saugen, kehren, verrutschen Kommoden, waschen, füllen auf, füllen ein, dekorieren und saugen den ganzen Schamott vom Teppich. Der Käfig ist wieder bezugsfertig und wir rufen die Herren von oben runter.
Max die Maus rennt durch die neue Käfiglandschaft und kundschaftet jede Ecke aus, er wuselt da drin rum und kann es nicht fassen, dass wir schon wieder alles verändert haben.Der ganze schöne Modergeruch ist futsch.
Herrlich zum zuschauen!
Und zum Schluss des Fleißig-Tages mit Sohn zusammen Abendessen kochen. Wer sich beim Maus-Ausmisten drückt, muss kochen. Es gab Tomaten-Zucchini-Gratin und Kartoffelbrei. Daumen hoch!
So das war gestern. Das kann man ohne weiteres schreiben.
Im Gegensatz zu heute. So wenig Wochenende und einen Tag davon voll verpennt!
Wenn die nächste Woche genauso ... "herrausfordernd" wird wie die vergangene, kann ich mich eigentlich direkt wieder ins Bett verkriechen. Das Verhältnis Arbeit vs. Angestellte ist zu vergleichen mit Platzregen :vs. Zahnputzbecher. In Null komma Nix voll und am Überlaufen. Ich lauf auch über. Immer wieder.
In meiner Zeitschrift Lea hab ich einen Beitrag über die Generationen gelesen. Wir werden alle eingeteilt!
Die Jahrgänge 1922-1955 sind die Traditionalisten [...] diese Generation gilt als loyal, fleißig, bodenständig und eher konservativ. Dann kommen  die Jahrgänge 1955-1965, das sind die Babyboomer [...] Arbeiten hat einen hohen Stellenwert bei ihnen. Dann komm ich, Jahrgang 1965-1980, wir sind Generation X , wir haben die Arschkarte. Viel Stress-wenig Freizeit-Unzufrieden. Die Jahrgänge 1980-2000 ist die Generation Y [...] Arbeit soll Sinn und Spaß machen, Karriere ist weniger wichtig. Und zum Schluss Jahrgang 2000-2010 Generation Z [...] Sind weniger optimistisch als die Vorgänger und trennt Arbeit und Privatleben strikt.
In dem Artikel steht, dass Generation X als gut ausgebildet, ehrgeizig und selbstständig gilt, aber eben auch als unzufrieden, weil sie mehr als der Durchschnitt an Arbeit erledigen muss.
Da kannste mal sehen! Demnach haben die Tochter und die Nichte die beste Generation erwischt.
Ob man das überhaupt so über einen Kamm scheren kann? Der Bericht bezieht sich ja auf Statistiken. Allerdings gibt es schon Unterschiede in der Arbeitsmoral, klar. Während ich einen eingebrannten Respekt vor Vorgesetzten hab und die mir aufgetragene Arbeit nicht im Geringsten anzweifel oder zu ändern versuche, gehen jüngere Kolleginnen ganz anders mit ihren Aufgaben um. Da wird auch schon mal locker mit dem Chef diskutiert. Da werden auch Forderungen angesprochen, was ich mich nicht trauen würde.
Warum eigentlich? Was würde passieren? Aber so hab ichs gelernt, der Chef ist der Boss und steht zwangsläufig über mir, also kusch! Als ich Lehrling war, machten die ausgebildeten Angestellten fast einen Kniefall vor dem Arzt. Jetzt bin ich die ausgebildete Angestellte.Und die Lehrlinge heute? Denen ist es egal, ob die Arbeit gemacht wird oder nicht, ob sie es gut machen oder nicht, ob sie mit ihrem Handy in der Hand erwischt werden oder nicht. Die sind total abgeklärt und haben irgendwie keine Arbeitsmoral. (Bis auf unsere Azubine, die ist klasse!)
Also wenn man es von oben betrachtet, ist die Generation vor mir ehrfürchtig, meine respektvoll, die danach locker und die neue egalt nur rum.
Ich wär gerne etwas lockerer. Aber ich kann nicht aus meiner Haut. Wahrscheinlich bin ich für eine Neuausrichtung schon viel zu alt. Ich kann mit dem Chef nicht locker reden! Geht einfach nicht.
Muss ich auch erstmal nicht, er ist krank und kommt vorerst nicht in die Praxis.
Immerhin. Aber ich muss hin. Morgen schon.
Ich versuch ja grade, mir einzureden, dass mir die Arbeit Spaß macht. Da ist schon ein Fitzelchen Wahrheit dran, die Arbeit ist ok - nur das drumherum stimmt nicht. Ich bin für Stress nicht gemacht, obwohl meine Generation den Stress gepachtet zu haben scheint. Ich bin langsam, gründlich und ruhig.
So.
Und deswegen geh ich jetzt langsam ins Bad, um mir gründlich die Haare zu föhnen und danach kann ich ruhig mal anfangen, das Abendessen zu machen.
*
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und mein Shirt zu bügeln!

Freitag, 4. Januar 2019

pimp my Sohn

Heute war ein richtig schöner Freitag. Schön und anstrengend. Da der Bub noch Ferien hat, sind wir am Vormittag losgezogen, seinen Weihnachtsgutschein "Shoppen mit Mutti" einzulösen.
Er will seinen style verändern, begonnen hat er selber mit dem lange herbeigesehnten Friseurbesuch am Donnerstag. Ich komm abends heim und kipp fast aus den Latschen - schreiben darf ich's nicht, hat er gesagt, aber umschreiben schon: er sieht 100% anders aus als vorher! Eine Frisur mit wow-Effekt, ich hab erstmal losgeschrien, als er die Kappe abgenommen hat. Soviel darf ich sagen - die Haare sind kurz, haben einen coolen Schnitt und eine andere Farbe. Huiiii!
So, zu so ner lässigen Frisur müssen neue Klamotten her. Wir erstehen zwei neue Jeans, schwarz und dunkelblau, nicht schlackernd wie all seine anderen sondern knackig anliegend. Er kann sich's leisten. Sieht gut aus !! Dazu einen Feinstrickpulli, den er selber bezahlt. Und nach langem Gerenne und Gesuche einen schwarzen Kurzmantel, in den sich Sohn sofort verliebt hat. Der macht breite Schultern und eine schmale Taille, der streckt das ganze Kind und verleiht ihm eine richtig coole Ausstrahlung. Er sieht anders aus, älter, gestylter, auffälliger. Ihm gefällts sehr und mir auch!
Schuhe haben wir leider nicht gefunden, da arbeiten wir noch dran. Schließlich kommt der Schnee und der Matsch mit Sicherheit, da brauchts was passendes an die Füß.
Im letzten Schuhgeschäft kippt der Bub fast um vor Hunger und Durst und zuviel Heizungsluft. Also brechen wir ab und gehen ins Curryworschd-Haus im Frankencenter. Volltreffer, das war fein !! Ein Burger for the boy und a Currywurst mit Röstziebeln for the Mama. Nächstes Mal reicht eine halbe Portion, aber das hat uns gerettet! Und draussen noch frische Luft dazu, lädt die Batterien wieder auf.
Eine halbe Stunde Pause daheim, dann wieder los zum Kino. Sohn konnte es nicht ertragen, dass Mary Poppins Rückkehr bereits von uns gesehen wurde und er war nicht dabei! Geht garnicht.
So schau ich mir den Film mit ihm nochmal an. Und es war wieder wunderschön! Zauberhaft mit grade soviel Kitsch, wie erträglich und nötig. Es ist schön, da zu sitzen, neben Sohn, der dauernd lacht, sich wohl fühlt, seine neuen Sachen liebt und richtig gerne mit seiner Mom im Kino sitzt. Ich genieße das. Und auf der Heimfahrt muss ich ihn dauernd anschauen. Mir gefällt er wieder, der Zausel ist weggesperrt und der lässige 17jährige sitzt da und freut sich.
Irgendwas läuft bei mir schief. Als ich Tochter das phantastische fifties-Kleid gekauft hab, war ich fast glücklicher als sie. Und jetzt wiederholt sich das bei Sohn. Es macht mich happy, ihn so hübsch zu sehen. Viel mehr, als wenn ich selbst neue Klamotten gekriegt hätte!
Oh, hab ich doch. Ich hab mir einen neuen BH bestellt, aber den halte ich lieber geheim. Ich hab ihn weil die alten fast 100 Jahre alt sind und sich auch so anfühlen. Nix mit Glücksgefühl, eher ein "musste-sein-Kauf".
Unterwäsche und Socken zählen eh nicht.
Ich schau mal, ob ich von Sohn ein Foto machen darf. Das stell ich dann hier rein. Aber nur schwarz/weiß, weißt ja, ich darfs nicht verraten!

Hihihi!

Dienstag, 1. Januar 2019

1-2-3 PLOPP: 2019 !

Prost Neujahr!
*tröööööt!

Hach war das seltsam! Ein Silvester ohne Kinder. Also so ganz ohne Kinder! Kaum hat man sich daran gewöhnt, dass Tochter sich den Silvesterabend lieber mit gleichaltrigen umgibt, da verschwindet auch Nichte. Und kaum ist auch Nichte am feiern, da geht Sohn zu seinem Kumpel party machen. Und was bleibt? Der knallharte Kern, die Mütter und ein Vater, die tapfer die Stellung halten.
Das rauschende Fest begann mit dem Besuch von Oma und Opa, die den obligatorischen Kuchen mitgebracht haben und es auf Kaffee abgesehen hatten. Da hat mich Waldfeger aber ziemlich schnell rausgeholt, wir wollten mit Oma ins Kino. Ist ans ich eine gute Idee, zu Silvester Nachmittags ins Kino zu gehen, da ist man beschäftigt und aufgeräumt. Außerdem fühlt man sich verstanden, wenn an manchen Passagen während des Films die älteren Semester gemeinsam "Hahh!" murmeln. Mary Poppins kam zurück und der alte Bankier wollte die Geschichte vom Mann namens Krauskopf erzählen, und alle Erwachsenen machen kollektiv "Hahh!"  - Wir sind eins!
Verzaubert vom Film ging die Fahrt nach Hause, mit nem Löffelchen voll Zucker singend schnibbeln wir Tomaten und belegen unsere Pizza. Der Abend verläuft ruhig, gemütlich und entspannt, ruckzuck ist es dreiviertel Zwölf und wir begeben uns unter Einsatz unseres Lebens rüber zu Oma's altem Haus in den 8. Stock, wo wir Oma sofort an die ehemalige Nachbarin verloren haben. Während die beiden Damen die Neuigkeiten des letzten Jahres innerhalb 20 Minuten ausgetauscht haben, ließen Waldfeger und ich uns ganz und gar von dem großartigen Feuerwerk einfangen, direkt vor dem Haus, rund um unser Stadtdorf und besonders am ganzen Nürnberger Horizont, den wir von oben überblicken können. So lange, bis der Feinstaub die Stadt in unheimlichen Nebel getaucht hat und ich nicht mehr stehen konnte.
Wir reißen die Oma von der Nachbarin los und gehen vorsichtig zurück nach Hause, dem Auto ist nichts passiert, dem Haus ist nichts passiert und der Papa blendet die elend lauten Kracher mit geschlossenen Fenstern und Türen und Rammstein auf Lautstärke 100 aus.

Was ist passiert? Das Kind fehlt mir. Die Kracher waren wirklich unfassbar laut, ich zucke bei jedem Knall zusammen. Kein Spiel, kein Raclette, kein Tarot, keine alten Lieder im TV ... ein Gefühl von alt werden macht sich breit. Und die Müdigkeit unterstützt das auch noch. Oder fällt es mir bloß schwer, von alten Ritualen zu lassen? Weihnachten hab ich noch im Griff, aber Silvester hat sich sehr verändert.
Es war sehr schön, aber anders.

Der Nachbarsbub mit seinen 1500 Freunden hat mich bis halb vier wachgehalten. Der Fuß bis vier. Die Gedanken bis zum Sonnenaufgang.