Mausloch

Das Mausloch ist mein öffentliches Tagebuch.
Mein Refugium. Meine Höhle. Mein Ventil. Viel Spaß!

Mittwoch, 30. September 2020

Alte Schule altes Haus, ich danke dir

 Ab jetzt sitz ich auf Kohlen! Ich komme grade zurück aus der Praxis, wo der 2. Abstrich genommen wurde. Da sehe ich meine Kollegen routieren, mit hängender Zunge, und ich bin völlig weg vom Schuss. Hab zu Hause grade mal bisschen aufgeräumt und gesaugt. Und ein Nickerchen gemacht. Ich sollte mich schämen! Wenn das Ergebnis morgen schon kommt und wie erwartet negativ ist, bin ich sofort auf dem Weg zur Arbeit! Man hat ganz schlimm das Gefühl zu schwänzen, weil man ja keinerlei Symptome hat. Ausserdem möchte ich morgen bitte den Bub umarmen, der wird nämlich 19 Jahre alt! Ein "Kindergeburtstag" ohne Mamaknutscher - wo gibts denn sowas??

Gestern hab ich einen Bericht über den Neubau der Maria Ward Schule gelesen. Ich bin ja innerlich etwas zerrissen, weil ich meine alte Schule sehr gemocht hab. Jetzt ist sie abgerissen. Ausgelöscht. Alle Erinnerungen weggebaggert. Jaa ich freue mich für all die Mädels, die die neue tolle Schule gebaut kriegen. Soll ja super nachhaltig und modern werden. Die modernste Schule Bayerns, heißt es.

Schau: Neue Maria Ward Schlule

Aber nostalgisch wie ich bin, hängen meine Gedanken an den alten Räumen. Fing schon beim Schulweg an. Wenn man zum Haupteingang ging, musste man am Klosterbau vorbei, der damals mit Efeu überwachsen war. Frühmorgens haben da unzählige Vögel drin gezwitschert und das war schön! Da hab ich sogar den walkman ausgemacht. Kurz vor der Tür stand eine Marienstatue, die ich immer begrüßt hab. Im Eingang wurde man von Sr. Benigna begrüßt, indem sie mit Argusaugen aufgepasst hat, dass nur die reingehen, die rein dürfen! Wehe, ein Junge hat sich hierher verirrt, um seine Freundin direkt vom Klassenzimmer abzuholen - Sr. Benigna war ihm auf den Fersen und hat jeden männlichen Eindringling kurzerhand rausgeschmissen! Keine Chance. Und es haben etliche versucht!

die weiße Wand war mit Efeu bewachsen

der Klosterbau

der Weg zum Haupteingang


die Pforte. Da saß die Schwester und hat aufgepasst

Hinter dem Pförtnerhäuschen gings zum Klosterbau. Wenn man da gleich die Treppe runter ging, stand man im Mauseloch - einem versteckten Ort für Mädchen, die laut schreien oder sich ausheulen wollten, eine Auszeit brauchten oder ein Gespräch mit Sr. Irmtraud. Da war ein Sofa, ein altes Klavier und alles mögliche Gerümpel. Einmal haben meine Freundin und ich uns durch die Verbindungstür in den Klostertrakt geschlichen und sind fast erwischt worden. Als wir Stimmen hörten, flüchteten wir in die nächste Tür, das war ein Abstellraum voller aufregend interessanter Sachen. Wir duckten uns unter irgendwelche Tische und haben uns nicht getraut zu atmen, ich wär beinah erstickt, aber starr vor Angst als das Licht anging und zwei Klosterschwestern reinkamen. Nach ein paar Minuten gingen sie wieder und wir wagten uns aus unserem Versteck. Mit viel hihihihi. Abenteuer für zwei 11jährige! 


Weiter zum Schulweg. Über große, blanke Fliesen ging ich die Treppe runter. Links nach oben war der Gymnasialbau, rechts nach unten gings zur Realschule. Ein langer Gang führte an den Sekretariaten vorbei, damals gab es die Aula noch nicht, dafür eine Glaswand, hinter der der Klostergarten angelegt war. Quadratische Beete mit lehrreichen Pflanzen. Rechts durch die Glastür gins zu den Klassenräumen, im EG die Grundschule, drüber die Realschule. Es gab alte Tafeln mit einem Schwamm, älter als der Böhmerwald. Besser als jede Impfung. Die Tische standen konservativ in drei Reihen hintereinander, dazu Holzstühle. 

Die 5. und 6. Klasse verbrachte ich in hinteren Bau im Ergeschoss, das später das Büro der Realschulleiter wurde. Das Klassenzimmer war cool, weil komplett im Schatten und mit Blick auf die Innenhofwiese und Bäume. Einmal ging dort hoher Besuch vorbei - eine Schwester Oberin aus der Erzdiöz ..Diezi ... aus Bamberg, gefolgt von einer Schar aufgeregter Mitschwestern. Unsere Lehrerin Sr. Theodora war ganz hibbelig und weil Frühling war öffnete sie das große Fenster uns ließ uns ein Ständchen singen. "Ich ging durch einen grasgrünen Wald" - dreistimmig. Die Schwestern blieben stehen, hörten zu und freuten sich sehr. Das wiederum hat Sr. Theodora sehr gefreut und Mathe war dann garnicht mehr so schlimm.

wer's hören will

Dieses Klassenzimmer war auch aus einem anderen Grund cool. Gegenüber führte eine Tür nach draußen und gleich rechts an der Wand hing ein Thermometer. Ab 27 Grad gabs Hitzefrei, also musste gegen 11 Uhr ständig jemand von uns aufs Klo, um rauszuschleichen und das Thermometer mit nem Feuerzeug etwas anzuregen. Wir wussten, dass Sr. Weißichnichtmehr dann draufschaut und sie hatte die Macht. Wenn es dann kurz nach 11 klopfte, brach spontaner Jubel aus und Sr. Habichvergessen stand lachend in der Tür "Um 11:15 Hitzerfrei!" 

Bis man 12 war, durfte man in die Tagesbetreuung. Dann gab es ein Mittagessen im Speisesaal. Dieser Saal lag unter der Eingangspforte im Keller und wurde seit der Erbauung in den 60ern nicht mehr verändert. Da standen noch original 5-Freunde und Pucki-Bücher im Regal, Plastikpuppen mit gehäkelten Kleidern und Brettspiele, die nur noch an einem Hauch Karton zusammenhielten. Wir saßen an 6er Tischen und wenn du was trinken wolltest, musstest du den Becher hochhalten. Eine Schwester eilte dann mit der großen Zinnkanne herbei und schenkte einen undefinierbaren, leckeren kalten Tee aus.  Die hielten wir in Bewegung, die arme! Aber anschließend halfen wir ihr, die Schnecken aus den Klöstergarten-Beeten zu sammeln.

In dieser Schule hab ich Nähen gelernt, Stricken, Steno, Charleston tanzen, Schreibmaschine und wie man mit einem zerstreuten Physiklehrer umgeht, der ununterbrochen plappert, uns zwingt von der Tafel abzuschreiben und gleichzeitig mündliche Noten vergibt. Wehe dem Mädchen, das eine Frage hat. "Herr Prelitsch?""Herr Preeelitssssch!!!" "HERR PREEEEEELITSCH !!!"  ...   "KARL!"  - "Ja?" 

Es war die einzige Schule, an der man Verweise kassieren konnte wegen Tragens zu kurzer Röcke. Es gab auch ab und zu eine Durchsage, dass man doch bitte die Schule nicht mit einem Badestrand verwechseln soll. Der gute Herr Schuster! Meine Freundin war ungeschlagene Meisterin im Verweise sammeln! Wir bewunderten sie alle. Und wenn wir regelmäßig in die hauseigene Kapelle gingen und /oder zur Beichte, legte uns Sr. Theodora ein Strickjäckchen um die Schulter, wenn sie der Meinung war, das Hemdchen war nicht züchtig genug. Ansonsten war Sr. Theodora ganz ok, mit ihrem Kleid konnte sie beim Völkerball prima den Ball einfangen! Und einmal durften wir ihre Frisur sehen, als Tanja ihr beim Rausrennen aus Versehen den Schleier vom Kopf gerissen hat. Sie lachte. 

Ich vermisse sie. Und die ganzen Geschichten, es gibt noch so viel mehr! Und die Schule. Sie war alt, aber voller Charme und Seele. Dass muss der Neubau erstmal schaffen!

ein Klassenzimmer kurz vor dem Abriss

Mosaik von Mary Ward im Gymnasialbau

der Blick auf den Pausehof

die obere Turnhalle

die untere Turnhalle

ganz links die Realschule

das coole Klassenzimmer - Thermometer hinter dem Gebüsch an der Wand


der Gymnasialbau vom Pausehof aus

Treppe zu den Turnhallen

Turnhallen nach oben oder unten *zwinker

Seiteneingang, links zur Realschule



viel Glück ... 









Montag, 28. September 2020

Mama schwappt über

 Manchmal, wenn ich so vor mich hin denke, merke ich, dass ich ganz schön bescheuert bin. 

Meist sitze ich dann im Auto, weil ich da ungestört grübeln kann, und hab das Gefühl, dass ich in meiner Nostalgie ersaufe, dass mein Mamaherz durchdreht und ich den Gedanken, dass die  Kinder groß sind, fast nicht ertragen kann. Nein falsch, dass die Kinder nie mehr klein sein werden, das ist das Schlimme! So wie die beiden grade sind, knapp unter und knapp über 20, sind sie phantastische Menschen! Aber grade jetzt, wo ich in meinen Musik-Memoiren beim Kindergarten angelangt bin und die Rolf Zuckowski-Lieder runtergeladen hab, da trifft mich die Erkenntnis wie ein Baseballschläger voll in die Fr .. voll ins Gesicht! Die Zeit ist vorbei. Aus. Nie mehr. Nie mehr basteln, nie mehr spielen, nie mehr Kiddies baden, mit ihnen backen, Spielplatz oder ins Bett bringen. Damals hats echt oft genervt und ich hab mir vorgestellt, wie genial das wird, wenn die Kinder groß sind und selbstständig.

Klar ist das toll, aber die bleiben so, die werden nicht mehr 5 Jahre alt! Die werden sogar noch größer und noch älter und noch erwachsener!! Das liest sich jetzt, als hätte ich sie nicht mehr alle, neneee ich bin schon relativ intelligent. Aber ich vermisse die Zeit, als die beiden "Stups der kleine Osterhase" gebrüllt und im Schlafanzug im Garten Ostereier gesucht haben! Ich will wieder den Buggy schieben und die Windeln wechseln. Ich will Wolkenbäder machen und am Volksfest winkend am Kinderkarussell stehen.

Es gibt einen song, der den Nagel auf den Kopf trifft. Wenn ich so schlimm in Nostalgie versumpfe und dieses Lied höre, sind alle Schleusen offen und ich heule Rotz und Wasser! Natürlich im Auto. Die Fußgänger, die an mir vorbeigehen, schauen immer ganz komisch. 

Aber wenn das Herz überschwappt vor Liebe, was willste da machen?

und außerdem ... vielleicht bin ich ja irgendwann mal eine Oma und dann !!!!!!!!!!  *lach


Sonntag, 27. September 2020

Sabinchen und die Musik 10

 Wenn der Nachwuchs angekommen ist, hat man keine Zeit mehr. Für nix. Und deswegen sinkt die Aufmerksamkeit gegenüber der aktuellen Musik erstmal rapide ab. Als frische Mama achtest du nicht darauf, was du hören möchtest. Wann auch, du hast ja eh keine Zeit. Da läuft höchstens mal das Radio in der Früh, wenn du das Fläschchen machst. Und den Kaffee. In der Reihenfolge. Ein paar einzelne songs schnappt man so zwischendurch auf. Zum Beispiel das neue Lied von den Ärzten Männer sind Schweine. Oder Sasha If you believe. Wenn die Omas und Opas mal auf  die Zwerge aufgepasst haben, sind wir ausgegangen. Da wird die Kellerkneipe zum Abenteuer!. So kostbar. Da hörste dann ein bisschen Erwachsenen-Musik, Bad touch von Bloodhound Gang mochte ich, Pretty fly for a white guy von The Offspring, American Pie von Madonna und Can't get you out of my head von Kylie Minogue. Im Spaßzelt von Rock im Park hab ich zum ersten mal It's my life von Bon Jovi gehört. Das war so richtig gut, das ganze Zelt hüpfte auf und ab und ich hatte richtig doll Spaß! Da war ich so Ende 20/Anfang 30. Man sieht ja die Vergangenheit immer etwas verklärt, aber ich denke, zu der Zeit war ein fach alles in Ordnung. Job save, Beziehung save, Familie save. Geld hatte ich wenig aber es ging. Schöne Zeit. 

Ich erinner mich sehr gern an meine Anfänge als Mami. Obwohl ich super unsicher war, weil man grundsätzlich der Überzeugung ist, alles falsch zu machen, was man falsch machen kann. Vor allem, wenn man die anderen Mamis so hört. Totale Verunsicherung!  Die anderen wussten irgendwie immer auf allen Gebieten Bescheid, aber sowas von! Klamotten, Nahrungsmittelzusätze, Babytees, Baby-Massage-Techniken oder die aktuellen Charts der Babyhitlisten! *lach Ich tauchte ein in die Welt der Kinderlieder! 

Wisst ihr was die Bienen Träumen ?    Wer hat die schönsten Schäfchen?   Der Mond ist aufgegangen

Und du singst es gern! Du siehst dein wunderbares Baby an und singst. Der führende Sieger der Kleinkind-Lieder ist ungeschlagen Detlev Jöcker. Zumindest damals. 

1-2-3 im Sauseschritt     aramsamsam aramsamsam    Dicke rote Kerzen   Alle Leut

Aber dann, spätestens wenn der Kindergarten losgeht, ist's vorbei mit Duziduzi, dann kommt der Meister himself: Rolf Zuckowski! Und singt sich für die nächsten 5 Jahre in dein Bewusstsein. Du hörst es überall - zu Hause, im Auto, im Kindergarten, auf Geburtstagspartys, bei Sommerfesten und sogar noch in der Grundschule. Wenn du Kinder hast, führt kein Weg an Rolf Zuckowski vorbei! 





mein Lieblingslied: 




... und dieser song über die Fahrbahn und den Gehweg, was war in den Top 3 meines Sohnes absolute Nr 1! Mit diesem Lied konnte man ihn ablenken, wenn man zB nach dem Baden eincreme musste oder nach 4 Stunden Spazieren - Stehen "komm wir schauen die Fahrbahn, wenn wir daheim sind, komm schnell!!" Jaaa! 
Auch die Tochter hatte Lieblingsmelodien. Die mochte sie so gerne, dass auch wir täglich in den Genuss gekommen sind! (Hurra) Lauras Stern  Und Sohn war glücklich mit : Thomas die Lokomotive
Aber es hätte schlimmer kommen können mit Bibi Blocksberg oder diesem Elefanten .. Törööö

Was wir aber alle vier aus voller Brust mitgesungen haben - und das jeden Tag - waren die beiden songs:

Lied 1    und   Lied 2







Hausarrest

 Ich komm mir vor wie eine Aussätzige. Auf was man alles achten muss, wenn man in Quarantäne ist. Wir desinfizieren alles! Echt alles, jeden Griff, jeden Pfannenstil, die Fernbedienung - alles. Aber schlimm ist der Abstand, den ich einhalten muss. Vor allem, wenn Tochter vorbeikommt. Das war vielleicht unheimlich! Da ich zum Geburtstagsessen nicht mitgehen kann, wollte ich vom Hausflur aus winken. So komisch, wenn man sich dem Kind nicht nähern darf. Hat mich ein bisschen überfordert.

Dabei ist es ja nur eine Vorsichtsmaßnahme. Und trotzdem hab ich ganz stark das Gefühl, andere jeden Moment in Gefahr bringen zu  können. Wenn alle einen großen Bogen um dich machen und nicht die selben Sachen anfassen können .. ich glaub, ich habs etwas unterschätzt. 
"Sie müssen sich von ihrer Familie fernhalten"
Ich verzieh mich auf mein Zimmer. Fühl mich ausgeschlossen. Und das ist echt seltsam, weil ich doch immer so erpicht drauf bin, endlich mal allein zu sein. Und kaum bin ich im "Aus", ist's mir auch nicht recht. 
Da spielt wohl der feine Unterschied eine Rolle: Allein sein zu dürfen vs. allein sein zu müssen. Mir gehts doch gut, ich hab den uralten Pc hier, Musik, was zu trinken, mein Bett, mein Buch .. ich könnte den Kleiderschrank ausmisten, die Fotos weiter bearbeiten, Twitter durchstöbern .. so viele Möglichkeiten!
 
Am Montag ist der 1. Test, am Mittwoch der 2. Und das wird verdammt knapp, am Donnerstag wollen wir Geburtstag feiern! 
Aber was noch schlimmer ist - die nächste Woche ist dermaßen voll bestellt, dass es für einen allein im Labor fast nicht machbar ist. Wir haben fest damit gerechnet, dass wir endlich mal wieder ein komplettes team sind. Die anderen beiden kommen zurück und zu viert packen wir das. 
Haha. Die eine Hälfte kommt, die andere Hälfte geht. Arme Azubine, muss ins Labor und hat wahrscheinlich keine Zeit zum Luftholen. 
Es passt mir garnicht, dass es jetzt so läuft. Könnte ja froh sein über ein paar Tage Auszeit. Bin ich aber nicht. 
Ich stell mich hier hin und behaupte allen Ernstes, dass ich lieber in die Arbeit gehen würde.
ich schätze, das liegt an dem team, das wir sind.
Wir sind nämlich phantastisch!



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Sonntag, 20. September 2020

keine Schulter zum Anlehnen

 Der Dienstag endet ganz friedlich und normal, ich putz mir dir Zähne, geh ins Bett und lese so lange, bis mir die Augen zufallen. Gute Nacht. Um 4:30 Uhr wach ich auf mit höllischen Schulterschmerzen. Wusste nicht, wie ich mich lagern soll, der Schmerz ist so stark und lässt sich nicht wegentspannen. Ich steh auf und krieg ein bisschen Panik, weil ich den rechten  Arm nicht mehr bewegen kann. Die Hand schon, aber nicht den Arm. Garnicht. Wie doof das ist, merke ich gleich anschließend auf dem Klo. Dann in der Küche einen Kaffee machen, einhändig. Ich drück mir umständlich zwei IBU raus und setze mich. Was mach ich jetzt? Jede Bewegung mit dem Arm scheitert und tut echt weh. Da eine meiner Superkräfte darin besteht, sich ruckzuck in Dinge reinzusteigern, wächst die Panik immer mehr. Ich hatte einen schlimmen Traum in der Nacht, mit einsperren und foltern und Angst und Schrecken. Hab ich mich vielleicht so arg verspannt, dass die Schulter so übel dran ist? Was sonst könnt's sein? Und geht das wieder weg oder bleibt mir das? Und wie lange?

Um halb sieben ruf ich die Kollegin an, weil ich echt nicht weiter weiß. Und kaum fange ich an zu erzählen, laufen die Tränen. Dann die Chefin. Wieder Geheule am Telefon. Also von mir, nicht von der Chefin. Sie will mich zum Orthopäden schicken. 
So, anziehen. Zähne putzen, waschen, Zopf binden, Schuhe ... mir wird bewusst, wie sehr ich meinen rechten Arm brauche! Anziehen geht mit Müh und Not, den Zopf muss mir der Bub machen und in die Schuhe schlupf ich bloß rein. Mittlerweile wirken die beiden IBU und ich stelle fest, zu meiner Erleichterung, dass ich im Auto schalten kann. 
In der Praxis untersucht mich die Chefin gleich, tippt auf eine Schulterentzündung und wir grübeln beide, woher das bei mir kommt. Aus dem Nichts? Als Überraschung im eintönigen Alltag? Vielleicht vom Blutdruckmessen - am Tag zuvor musste ich ungewöhnlich oft pumpen. Eine Pumpentzündung. Aua auf Pump. Wieauchimmer. Ich krieg eine AU für heute und morgen und geh hoch zum Nachbar-Orthopäden. Der tippt auf eine Muskelentzündung, schleudert meinen Arm etwas hin und her, wobei mir fast schwarz wird vor Augen. Ihn scheint es aber eher zu langweilen, nichts aufregendes. Nur ne olle Schulter. Er schreibt  mir Krankengymnastik auf und ich versau mir den Oktober, in dem ich mir für freie jede Minute einen Termin geben lasse.
Dann fahr ich heim. Versuche mich still zu halten. Mir ist schlecht und ich leg mich ins Bett. Die Drogen, die ich mittlerweile intus hab, wirken und ich schlaf auf der Stelle ein - bis Nachmittag.
 
Heute ist Sonntag. Ich kann den Arm schon wieder bewegen, tut aber noch immer etwas weh. Morgen wieder in die Arbeit und ich befürchte, das ich mir den kleinen Erfolg gleich wieder versaue. In der Praxis kannste nicht stillhalten. Die Kollegin U ist im Urlaub, der Azubi postoperativ krankgeschrieben. Es ist wohl nichts vorbereitet und der Kalender brechend voll.
 
Hip Hip Hurra, alles ist super, alles ist wunderbar! 




Montag, 14. September 2020

Freizeit lost

 An so Tagen wie heute hab ich das Gefühl, gar keine Freizeit zu haben.

Das liegt an einem sehr anstrengenden Montagvormittag, mit Überstunde und Einkaufen im Anschluss - in dieser fiesen Septemberhitze. Da komm ich dann heim, schleppe mich mit letzter Kraft nach oben, damit ich mich umziehen kann. Und falle dann komaartig aufs Sofa um sofort einzuschlafen. Da lieg ich dann und schlaf und schlaf und wache erst auf, als die Melodie von The Simpsons auf Pro Sieben losgeht, das kann ich nämlich nicht leiden. Und dann sitz ich wie bedröppelt da, versuche mich zu bündeln und zu sammeln. Jemand muss das Abendessen kochen. Und dann kommt die Erkenntnis, dass ich den kompletten Montag Nachmittag verpennt hab. Ärgerlich. Dienstags kann ich Mittags nur kurz ausruhen weil ich Nachmittags wieder in die Arbeit zurück muss und Mittwoch könnt ich wieder vom Heimkommen bis zum Abendessenkochen einfach nur schlafen. Schlimm! Die ganze Woche ist bestimmt von arbeiten und schlafen, arbeiten und schlafen. Da ist kein Fitzel Energie mehr aufzutreiben um irgendwas anderes zu machen. Eine Ladung Wäsche zu waschen zB oder Sachen erledigen im Einkaufszentrum. Es gäbe da einiges! Nichtmal schöne Sachen wie lesen sind drin! Irgendwann wird mir bewusst, dass ich 65 bin und hab keine Ahnung, was mit all der Zeit passiert ist! 

Heute ist Montag, es ist Abend und ich schreibe, weil ich jetzt endlich ausgeschlafen hab und das Essen noch 20 Min im Ofen braucht. Schwuppdiwupp ist der Tag vorbei und es kommt der Dienstag des Grauens. Morgen ist mein Laborkalender übervoll bestellt, wobei morgen auch noch geballt all die Patienten kommen, die ich und die mich nicht leiden können! A-Patienten, Sie verstehen? Und dazu wird es heiß, heißer, Labor brennt! Bin gespannt, wie oft ich morgen angemotzt werde, weil ich mit hängender Zunge mein Bestes gebe. (Grrrrr) Bin jetzt schon sauer!

Heissa sprach Sabine, heissa das wird ein Spaß





Donnerstag, 10. September 2020

Sabinchen und die Musik 9

 An Silvester 1995/1996 gabs was zu feiern! Und das taten wir ausgiebig im Pflaumenbaum, da wo wir uns kennengelernt haben. Ich erinner mich super gerne an diese Silvesternacht, tolle Stimmung im Raum und bei uns, so gut, dass wir von einem Filmteam aufgenommen wurden. Wenn du total abgehst vor lauter Glück und zu diesem song (link) laut singst und tanzt - und dann gefilmt wirst! *lach !!!

Aber das war uns egal, wir waren einfach happy. 1996 hat einiges rausgebracht, gutes, supergutes und richtig schlimme Sachen. Ich war ja schon überzeugt, dass die neunziger NICHT mein Jahrzehnt waren und hab dementsprechend skeptisch auf die Hitlisten geschielt. Ganz vorsichtig. Und ab und zu hab ich da tatsächlich was ganz schönes entdeckt! Alanis MorissetteToni BraxtonSinead O'Connor oder Ärzte - natürlich! So wahnsinnig viel Musik hab ich in dem Jahr nicht gehört, ich hab eher ganz viel geschlafen und Caretta-Eis gegessen! Ab Juli bin ich dann nicht mehr in die Arbeit gegangen, das war einfach viel zu anstrengend. Und während im Radio Maccarena, Coco Jambo und Lemon Tree gedudelt wurde, hab ich plötzlich eine völlig andere Musikrichtung eingeschlagen. Freiwillig. Auf einmal klang mein Abend so: ganz was anderes


das "supergute" von 1996






Freitag, 4. September 2020

up, up and away

 Weil das diesjährige Volksfest aus coronadurchweichten Gründen auf mehrere Plätze in der Stadt verteilt wurde, um so der riesengroßen Menschenansammlung zu entkommen, steht nun ein Riesenrad auf dem Hauptmarkt. Weniger große Menschenansammlungen werden wohl von den Stadtoberhäuptern toleriert. Wir waren uns nicht sicher, ob wir das gut finden sollen oder nicht, aber nach reiflicher Überlegung siegt die Neugier, die Altstadt aus der Perspektive des Riesenrads zu sehen. Einmalige Gelegenheit, kommt wohl - hoffentlich - nie mehr. 

Und so steigen Waldfeger, Oma und ich in die Gondel und lassen uns nach oben tragen. Die Aussicht, die sich uns geboten hat, fegt für ein paar Minuten jeden Ärger über Menschenmassen, Sinn oder Unsinn und all die Vorschriften beiseite, um Platz zu machen für pure Freude! Das hat sich mal richtig gelohnt!

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