Mausloch

Das Mausloch ist mein öffentliches Tagebuch.
Mein Refugium. Meine Höhle. Mein Ventil. Viel Spaß!

Blogparade zum mitmachen!

Samstag, 30. August 2025

Blogparade #relevant

 

Es gibt eine frische Blogaktion. Eric von blogissimo.de und Jürgen von happybuddha1975.de laden ein, die Blogparade #relevant mitzuschreiben.



Es geht um Gedenktage. Jeder Tag ist einem Motto gewidmet. Es gibt zum Beispiel den Tag der Kinder, den Tag des Tiramisu, den Tag der Harmonie, den Tag der Seehunde oder den Tag des Faulenzens.

Mein Gedenktag für das Mausloch ist der 30.08.25, der Tag der Verschwundenen.


Zu meiner großen Erleichterung kenne ich niemand in meinem Umfeld, der verschwunden wäre - im Sinne von verloren gegangen. Ich weiß, dass Menschen einfach so verschwinden und die Angehörigen stehen vor einem Rätsel. Plus Verzweiflung, weil man dem so hilflos gegenübersteht. Das muss furchtbar sein. Am schlimmsten und unvorstellbarsten ist das wohl bei Kindern, die verschwinden. Ich möchte nicht dran denken, das übersteigt meinen Horizont.

Aber ich mach mir Gedanken über Dinge oder Orte, die plötzlich verschwunden sind. Zum Beispiel Sachen von früher: die grauen Telefone mit Hörer. Gelbe Telefonzellen. Parkuhren. WV Käfer. Kinder, die auf der Straße Gummihüpfen spielen. Tante-Emma-Läden. Hübsche Häuser in der Altstadt. Die gelb-braune Straßenbahn, die bimmelnd und quietschend um die Ecke biegt. 

Puff - weg!

Und Lokale. Discotheken und Bistros oder Cafés, die es noch vor nicht allzu langer Zeit überall in der Stadt gab. Als ich im richtigen Alter zum feiern war, konnte ich von einer Kneipe zur anderen hüpfen, wenn ich Lust hatte. Kneipen-Hopping.
Es gab viele, sehr viele Rockkneipen. Meist mit Billardtisch, immer gut gefüllt mit Leuten. Wir hatten in Gostenhof ein Café, das Werkstatt hieß, da war eine halbe VW-Käfer Karosserie an der Wand. Das Café Steinzeit war wie eine Tropfsteinhöhle dekoriert mit vielen Fellen und tollen Cocktails. Im Komm gab es massenweise Punks und Grufties, die in den vielen Räumen feierten oder diskutierten oder im Komm-Garten Anne Clark hörten. Das Lollypop war ein Oldiecafé, das Nashville ein Country-Club, im Starclub gab es Flensburger und gute Musik. So viele Kellerkneipen, so viele Möglichkeiten!
Und Discos waren in der ganzen Stadt verteilt. Heute heißen die Schuppen eher Club. Disco ist out.
Im Quattro Set gab es ACDC in Konzertlautstärke, im Kraftwerk Freitags Alternative, Samstags Rock. Das Hard Rock Cafe war tatsächlich ein Hardrock Cafe. Im Groovy wurde man high von 1x tief einatmen. Es gab das Rockcafe Fürth, das Colloseum Abenberg, die Rockfabrik, das Dröhnland, das Kitsch, den Schmelztigel, den Landwehrkeller, das Mausloch und und und!!

Was ist passiert? Seit "Das Boot" in den 90ern abgelegt hat und eine große Lücke im Nachtleben Nürnbergs hinterließ, geht es gefühlt bergab. Alles macht dicht, eine Kneipe nach der anderen verschwindet. Nicht nur die Läden in der Innenstadt, auch all die Cafés stehen leer. Oder es ist ein Nagelstudio drin. Oder ein Süßigkeitenautomat.

Einzig das Brown Sugar und das Irish Pub von früher sind geblieben. Es ist so traurig! Aber ich bin froh, dass ich die tolle Zeit erleben durfte, wenn auch ca 10 Jahre zu spät. Für die heutige Generation tut es mir leid. Wo sind denn urige Kneipen mit gemischtem Publikum? Mit allen Stilrichtungen, die unterwegs sind? 

Verschwunden. Weg. Ausgelöscht. Erinnerung.

Grade Nürnberg wird immer mehr zur Geisterstadt. Nix los. Die Clubs, die es heute noch gibt, sind etwas gruselig - Publikum und Musik. Keine Option.

Ganz schön traurig, aber ich muss versuchen, all die schönen Erinnerungen zu bewahren. Zu konservieren.
Schließlich durfte ich mit all den anderen im Green Goose auf dem Boden knien und zu "we will rock you" auf die Bretter hämmern , ich durfte Tortellini am Oberdeck des Boots essen und ich durfte meinen Mann in der Kneipe kennenlernen - im vollbesetzten Pflaumenbaum mit Flirtkärtchen und ausgelassener Party!

nordbayern.de
Ludwigstraße ganz ganz früher


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Das Boot in den 80ern

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Metal Mania Kult Kneipe, 80er Jahre



Was ich sehr schade finde - es gibt so wenig Fotos von all den Lokalen von damals! Es wäre niemand auf die Idee gekommen, abends beim feiern Bilder zu machen. Ganz normal. Aber jetzt vermisse ich Aufnahmen, die die Erinnerung aufrecht erhalten. Echt schade.



6 Kommentare:

  1. Danke für deine Teilnahme. Du hast den Tag der Verschwundenen in den Tag des Verschwundenen uminterpretiert. Schöne Idee 😊

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  2. Hallo Sabine,
    wir vermissen auch bei uns die gemütlichen Kneipen.
    Jung und Alt traf sich und man verbrachte so manche lustige Zeit.
    Heute gibt's die Kneipen nicht mehr und die Alten sind gestorben und wir sind jetzt die Alten.
    L.G.
    Hannelore

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  3. Da denkt man, in Städten wie Nürnberg und Co. sollte die Welt eigentlich noch relativ in Ordnung sein. Schade, dass auch dort vieles verschwindet. Hier hat das Sterben der Innenstädte schon lange eingesetzt. Unser „Einkaufszentrum“, 2019 eröffnet, ist die perfekte Location um the walking dead zu drehen. Ansonsten kann man sich hier an Dönerläden, Barbershops, Shisha-Bars und Ramschläden erfreuen. Immerhin. Kneipenszene? Fehlanzeige.

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    1. das ist eine fürchterliche Entwicklung! Leerstand überall, dabei war die Innenstadt mal so attracktiv! Es war normal, am Samstag in die Stadt zu fahren - tagsüber zum bummeln in den vielen Geschäften, abends zum ausgehen. Irgendwie ist fast nichts mehr davon übrig. In Heidelberg gibt es noch Kneipen, das war richtig ungewohnt

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