Wenn schon nicht in Urlaub gefahren werden kann, dann wenigstens ein Tagesausflug. Aus einer immensen Auswahl an Möglichkeiten wählen wir zu dritt einen Besuch in Rothenburg ob der Tauber aus. Ich liebe die Stadt - nein falsch - ich mag die Stadt sehr. Nicht übertreiben. Meine Liebe gilt Nürnberg und Regensburg! Rothenburg bleibt für mich immer in Verbindung mit dem Andreas, meinem besten Freund, der leider 2015 gestorben ist. Und es war ganz komisch, in seine Straße ein zu biegen und an seinem Wohnzimmerfenster vorbei zu fahren. Fast, als würde er gleich um die Ecke kommen ...
Mausloch
Blogparade zum mitmachen!
Samstag, 29. August 2020
schaurig-schönes Mittelalter
Freitag, 28. August 2020
Abenteuer Gartenparty
Hallöle, es ist Ende August, ich hab Urlaub, es ist nicht mehr heiß - das reicht für ein fettes HURRAH!!
Bis jetzt genieße ich meinen Urlaub sehr, angefangen hats mit der Einladung von Ex-Kollegin G., die ihre Hochzeit nachfeiern wollte. Und gleich, nachdem ich die Einladung auf whatsapp erhalten hab, gings in meinem Kopf los. Für und wieder und ob oder ob nicht und wenn ja was dann oder was wenn nein? Anstrengend. Ein introvertierter Mensch zu sein ist wirklich mühselig. Andere jubeln einfach drauf los und fahren hemmungslos dahin. Aber ich hadere wieder tagelang mit mir selbst. Schließlich bin ich überredet und überzeugt, es tut ja auch der Kollegen-Gemeinschaft gut.
So schäle ich mich aus meiner Kompfortzone und fahr los nach Landsberg am Lech. Schöne Fahrt, ich mag das ja, alleine im Auto mit meiner Musik. Aber dann kommt man auch irgendwann an, muss die entspannte Fahrt beenden und sich ins Getümmel stürzen. Da steh ich dann, weiß nicht wohin mit mir und mit meinen Händen (meine Hose hat dummerweise keine Taschen) und bin zutiefst verunsichert. Die Kolleginnen sind hemmungslos, machen 6 Flaschen Ficken nieder und sind anschließend noch viel hemmungsloser. So hab ich die noch nie gesehen, war lustig! Ich trink mein Wasser, ich will ja später wieder heimfahren. Wild entschlossen versuche ich, smalltalk zu halten, während die Ex-Kollegin G. singend und frohlockend durch die Reihen tanzt "meine Mädels! Meine Mädels!"
Ich geb zu, dass es lustig war. Und auch nicht schlimm. Der Kuchen (es standen ja fast 10 verschiedene Kuchen zur Verfüfung) war super lecker und später, hieß es, käme noch ein Spanferkel an. Davor hat es mich ein bisschen gegraust. Meine Doppelmoral lässt mich zwar schon lecker Schweinebraten essen, aber einem gegrillten, ganzen Tier ins Gesicht zu schauen, das macht mir Unbehagen. Und dann kam es, das Ferkel. Ein Babyschwein, das für uns gestorben ist und jetzt in einem Stück vor uns liegt. Der Caterer wetzt die Messer und alle stellen sich an. Zum Glück dreht er die Platte, als ich an der Reihe bin. Und ich kann mein Gewissen etwas beruhigen, weil es mich nicht anklagend ansieht. Wir essen und es ist - leider geil! Richtig lecker! Aber mit leicht fadem Nachgeschmack. Nur die Semmelknödel mit Soße und Salat hätten's auch getan.
Die Kolleginnen kaspern durch den Garten und ich warte, bis es dunkel wird. Dann werden Bierbänke um die Feuerschale gestellt und es wird kuschelig. Bis der Wunsch nach 90er-Musik laut wird. Nach Mr Bombastic und Maccarena raffe ich mich auf und verabschiede mich. Ex-Kollegin G. hat sich echt Mühe gegeben und so viel Arbeit!! Das muss ja alles organisiert werden und aufgebaut und später wieder abgebaut .. Respekt vorm Dampfschiff! Sollte man nicht vergessen.
Die Heimfahrt war sehr angenehm. Wenig los auf der Straße und endlich gute Musik! (lach) allerdings hat sich Bärbel, das Navi, gleich nach dem Start verabschiedet. Die Batterie wäre leer. Natürlich hab ich kein Ladekabel dabei und so wage ich das Abenteuer "Heimfahrt ohne Anleitung". Ging auch erst ganz gut, aber dann taucht in der Nähe von Augsburg wie aus dem Nichts eine Nebelwand auf. So dicht, dass ich auf der Bundesstraße nur noch 50 fahren kann. So plötzlich wie sie auftaucht ist, verschwindet sie wieder, die Nebelwand und just in dem Moment, als ich wieder klar sehen kann, sehe ich, dass ich fröhlich an der Abfahrt Richtung Nürnberg vorbeirausche! UAH! So, ich bin schon groß und schaffe das. An der nächsten Ausfahrt fahr ich raus und befinde mich in einem Indurstriegebiet. Ich fahre und fahre in der Hoffnung, ein Hinweisschild zu finden. Ich fahre weiter und fahre durch einen Wald, durch Feld und Wiese und wieder durch einen Wald, alleine in der Finsternis. Dann endlich eine Ortschaft, die beiden Schilder die ich sehe lenken mich nach "Schnarchtal" links oder "Schlafmützhausen" rechts.
Entscheiden Sie sich jetzt! Ich fahre noch ca 30 Minuten über Äcker und durch die Wälder bis ich endlich einen Hinweis auf die B2 sehe. Himmel sei Dank! Und dann rausche ich entspannt auf der richtigen Straße Richtung Heimat, höre vor lauter Freude "Zombie" von Bad Wolves in Dauerschleife - was sehr intensiv kommt - und bin um halb zwei daheim!
Hat sich gelohnt
Mittwoch, 12. August 2020
Das Tor zur Hölle
Eigentlich war ich am Wochenende wild entschlossen, im Laufe dieser Woche zu kapitulieren. Das Wochenende hat mich völlig außer Kraft gesetzt mit Temperaturen bis 35 Grad, da lag ich tatsächlich nur auf dem Sofa rum und hab geatmet. Unfassbar, ein ganzes kostbares Wochenende für die Katz, verlorene Zeit, Leid und Elend. Ich oute mich hier als Sommerhasser, meine Wohlfühltemperatur liegt zwischen 10 und 20 Grad. Alles was drüber ist, ist heiß. Und heiß ist voll doof!
Es gibt schon Leute, die bei solchem Wetter nur raus wollen und sich an irgendwelche Seen legen, ins Freibad gehen oder sich einfach draußen aufhalten. Das ist nicht meine Welt. Wenn ich mich an einen See legen würde, wärs das gewesen. Ich würde da jämmerlich verenden weil ich nie mehr hochkommen würde. Ich glaub, zuletzt auf einem Boden mit 20 Jahren gelegen zu haben, schöne Grüße an den Ischias! Draußen würde ich direkt verbrutzeln, die Haut würde Blasen werfen und das Tor zur Hölle würde sich öffnen. Ununterbrochen nassgeschwitzt mit einer Sonnenallergie - ich wüsste da schönere Dinge für mich. Als echte Gloria geht man auch nicht ins Freibad - es sei denn, man hat Alibikinder oder -enkel dabei, dann ist man für Idioten unsichtbar. Ansonsten tu ich mir das doch nicht an!
Und die folgende Woche wollte genauso unerträglich heiß werden wie dieses Wochenende des Todes. Herzlichen Glückwunsch. Dann prügel ich mich in die Praxis, ertrage mein saunaähnliches Minikabuff, eine wahre Flut an Patienten und Aufträgen und boxe mich durch den Tag. Vier Masken weiche ich durch im Schnitt. Abends kann ich nicht mehr laufen und muss den Bub zum einkaufen schicken. Ich bin platt. Aber, ich hab bis jetzt durchgehalten und ich finde, das sollte honoriert werden! Vielleicht klopfe ich mir nachher noch selber auf die Schulter. Und heute Abend gibts ein Dolomiti-Eis!
Sonntag, 9. August 2020
This is Nürnberg
Freitag, 7. August 2020
Sabinchen und die Musik 7
Ehrlich ich war entzetzt! Meine ganze Welt war erschüttert, auf einmal konnte ich nicht mehr ertragen, was mir da um die Ohren flog. Acid house. Acid Techno. Techno. Tod. Die Mädels auf den kommenden partys kreischten plötzlich "hihihi aciiiied! aciiiiied!" Dachte ich bin im falschen Film.
Meine schöne, konstante, wunderbare Musikwelt fängt an zu wackeln. Und das konnte ich nicht zulassen. Also ziehe ich mich vom allgemeinen mainstream immer mehr zurück und tauche unter in meinem geliebten Rock und den Oldies. Da fühl ich mich wohl, da kann mir keiner was Böses. Ich entdeckte Metallica für mich "Enter sandman" und ACDC mit "Thunderstruck". Herrlich! In einem Rockschuppen wie dem Metal Mania zu sitzen und in solchen songs einzutauchen, das war absolut meine Welt!
Ich ging immer öfter ins Kraftwerk. Das wurde meine neue Anlaufstelle fürs Wochenende. Viele meiner Bekannten gingen ins Kraftwerk, auch die, die ich erst viel später kennenlernte, waren am Wochenende im Kraftwerk! Witzigerweise hatte jeder seinen eigenen "Stammplatz" , die einen hinten links, die anderen vorne vor der Tanzfläche und ich rechts am letzten Tisch. Und zu trinken gab es immer Jever. Jever ist mein Kraftwerkbier! Es war dunkel, es gab viel Holz, ein riesengroßes Wandgemälde von einem pink floyd cover, ein cafe im 1. Stock und richtig, richtig gute Musik! Genau meins!
Typische Kraftwerk-Musik:
The Stroke von Billy Squier No Smoke without fire von Bad Company
Pour some sugar on me von Def Leppard Turbo Lover von Judas Priest
Livin' on the edge I hate myself for loving you von Joan Jett Livin on a prayer von Bon Jovi
Ich hab auch ziemlich viele Lieblingslieder unter den langsamen Schmusesongs gehabt. Das waren aber größtenteils Stücke, die mich an schlimme Zeiten erinnert haben, Liebeskummer und sowas. Deswegen entstanden Mixtapes mit Namen Frustmix. Frustmix 1, Frustmix 2, Frustmix 3 ... Kassette einlegen, ins Leere starren und den Tränen freien Lauf lassen!
Zum Beispiel das hier: Silent lucidity, Queensryche. Ich seh mich in meinem Kinderzimmer, den Teddy im Arm und die Gedanken weit weg, total traurig. Ich weiß heute nicht mehr, warum ich so traurig war aber ich weiß noch , dass ich geweint hab. Ein ganz schlimmes Frustlied ist auch The head and the heart, Chris de Burgh. Der 1. große Liebeskummer! Also der ganz, ganz große. Wegen MOFL (meine große Ostsee Ferienlager Liebe) Das war ganz schlimm, nach 5 Jahren Beziehung und vielen ON/OFF's die endgültige Trennung, als ich 19 war. Ich wurde abgesägt und hing dann in meinem Kinderzimmer völlig durch! Ich erinnere mich an viele Nächte, in denen MOFL und sein Freund Obi plötzlich vor meinem Fenster standen! Dann saß ich im Nachthemdchen am Fenster und die beiden unten, an ihrem Kadett und flirteten mit mir. Das gefiel mir natürlich - fühlte mich total begehrt! Und die blöde Nachbars-bitch hat das auch mitbekommen! Im Autoradio lief da übrigens BAP, die beiden waren große fans. Und Cat Stevens. Und Chicago. If you leave me now, Hartd for me to say I'm sorry oder You're the inspiration bringen mich heute noch zum weinen, ganz spontan. Genauso wie In the air tonight, Phil Collins und - ganz schlimm - Mercystreet, Peter Gabriel.
Es gibt eine Menge guter, intensiver songs, die unter die Haut gehen und Erinnerungen wecken. Lieder, die einen berühren und die es schaffen, dass die Tränen laufen. Das Gefühl, dass man beim ersten Mal hören hatte, bricht mit voller Gewalt über einen herein. Wie eine Flutwelle. Und du bist hilflos, du kannst dich nicht wehren und fühlst wieder genau das selbe, siehst die selbe Situation und die gleichen Menschen, die dazu gehören.
Das ist auch ok so. Wichtig ist nur, dass die diese Woge der Erinnerung nicht von den Füßen haut.
Sonntag, 2. August 2020
Grillfest
Mal sehen wie's mir geht, wie ich die Hitze pack.
Am Freitag stehe ich extra früh auf, damit ich noch alles für den Salat einkaufen kann, vorbereiten und Haare waschen wollte ich auch noch. Kopfweh. Beim Frühstück fallen mir 5x die Augen zu. Na gut, ist kurz nach 7 Uhr, ein Stündchen legste dich hin, dann gehts dir besser.
Um kurz vor 12 wache ich auf. Mörderkopfweh. Hitze. Ich schau auf die Salatbox, die ich extra für meinen griechischen Salat gekauft hab, zum mit hin nehmen. Sogar ein Kartenspiel hab ich gekauft, "Seuchenquartett".
Und jetzt das. Was soll ich tun? Klara, die grundgute Stimme hinter meinem linken Ohr sagt
"komm stell dich nicht so an, wirf zwei Dolormin ein und ab zum Rewe. Du geht mit, ist doch klar! Hallo? Grillfest?"
Gleich kontert die fiese Stimme Jürgen hinter meinem rechten Ohr
"vergiss es, sag ab! Wozu hinquälen und da dann ausharren, bis du endlich wieder gehen kannst? Die merken gar nicht, dass du fehlst! Gönn dir!"
Dann versuche ich zu visualisieren. Das Partyhaus der Gastgeberin, den See - Heimat von Millionen Mücken, die Herren Ärzte am Grill und überall lachende Püppchen und Feen, die sich ein Stickjäckchen mitgenommen haben für Abends, wenns dann kühl wird.
Ich geh ins Internet und suche die Seite Ich-kann-mich-nicht-entscheiden-de. Soll ich oder soll ich nicht?
Die Seite sagt NEIN. Moment, das gilt nicht ich war nicht vorbereitet. Ich formuliere im Geiste die Frage
Soll ich zu dem Sommerfest gehen? - NEIN
best of three - NEIN
Ich bin fix und fertig. Dann geh ich kurz in den Garten, Lage checken. Scheiß heiß!
Ich werfe Dolormin ein und mit einem unfassbar schlechtem Gewissen sage ich ab. Ich denke an die Kollegen, wie ich sie hängen lasse. Dann leg ich mich wieder hin und schniefe ein bisschen rum.
Tochter meldet sich für später an.
Als sie abends kommt, fühl ich mich ein bisschen besser. Ich schiele zur Uhr an der Wand - jetzt sollte ich die Azubine abholen und losfahren ...
Tochter erzählt und ich entspanne mich . Wir diskutieren beim Abendessen weiter, zusammen mit Papa und kommen tatsächlich an Hintergründe und Lösungswege, was uns alle drei sehr freut!
Da wusste ich es!
Und spätestens, als mich Sohn um Mitternacht per sms bittet, ihn vom Filmabend bei Freunden abzuholen, da wusste ich es ganz sicher -
es war richtig, dass ich daheim geblieben bin! Auch wenn's mir echt leid tut und ich mir wie ein Verräter vorkomme, aber die ganze Familie hatte einen Vorteil davon und das zählt.
Samstag, 1. August 2020
Sabinchen und die Musik 6
Aber den Oldies bin ich, genau wie den Ärzten, immer treu geblieben, obwohl sich die Ärzte 1988 vorerst getrennt haben. Da war ich noch auf einem Konzert, hab da anschließend hinter der Halle gewartet und zur Belohnung von Bela B. einen kleinen Kuss gekriegt!
(das erzählt sie jedesmal weil sie sich gar nicht mehr einkriegt vor lauter Stolz ...)
In meinem Bugily, einem roten VW Käfer, liefen lautstark Mixtapes voller Oldies oder Rockmusik, ich bin da wirklich voll drauf eingestiegen. Als Autobesitzer wird man auch automatisch zum Gruppenfahrer erkoren und darf somit auch die Musik bestimmen. Auf der Fahrt vom Lollypop zur Party lief dann sowas wie hier, das hab ich noch in den Tiefen des Schranks gefunden:
Und wenn ich von einem Hardrockschuppen zurück zum Brown Sugar zum "Abschluss-Cappo mit Fußbad" gefahren bin, klang das das hier aus dem Bugily:
Mit der einen Freundin hörte ich im Käfer ein bisschen schwarz angehauchtes wie The Cure,
Sisters of Mercy und Ann Clark (Our Darkness), Joy Division, und ich liebte Phillip Boa!
Mit der anderen Freundin hörte ich Foreigner, Hooters, Judas Priest, Police oder The Pogues
Mittwoch, 22. Juli 2020
Sabinchen und die Musik 4 1/2
So machte ich Bekanntschaft mit "Sea of Love" von The Honeydrippers
"Eye in the Sky" von Alan Parsons Projekt
"You're the inspiration" von Chicago
"The boys of summer" von Don Henley
"Careless Whisper" von Wham
"Stranger in Town" von Toto
"The heat is on" von Glenn Frey
"Talking in your sleep" von The Romantics
"Gold" von Spandau Ballet
"The boxer" von Simon and Garfunkel
"Sad Lisa" von Cat Stevens
...
und ich weiß heute noch nicht, wie man diese Musik beschreiben könnte. Als Pop?
Schwerpunkt Chicago, Alan Parsons, Pink Floyd und Cat Stevens .. ich glaube, das war der Sommer 1984, der Sommer mit Doris, die zwar gleich alt war wie ich, mir aber um Längen voraus. In allem!
Ein sehr aufschlussreicher Sommer! Und immer wenn ich Chicago höre, denke ich an Doris
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| 14 Jahre - naiv und unschuldig. und das Pony Pascal 💙 |
Sabinchen und die Musik 5
Die Kellerdisco vom Komm bestand nur aus blanken Betonwänden, Heizungsrohren und gelangweilt dreinblickenden 17jährigen. Die waren aber garnicht gelangweilt, die tun nur so! War wichtig!
Die Schere zwischen den verschiedenen Genres was Kneipen und Discos betrifft klappte immer mehr auf.
Es gab, wie gesagt, die coolen Popperbistros und Clubs die dich mit Milli Vanilli, Salt'n'Pepa, Blue System und Yello beschallten, dann gab es jede Menge Rockkneipen, meist im Keller, weil es da eh gemütlicher war. Nürnberg war voll davon, was für eine schöne Zeit! Quattro Set, Groovy, Star Club, Rock Cafe, Brown Sugar, Landwehrkeller, Metal Mania, Dröhnland, Kraftwerk, das Boot mit den besten Tortellini der Stadt ... es ist ein Jammer, wenn man bedenkt, dass von all der Kneipenpracht nur eine einzige überlebt hat - das Brown Sugar.
"Bad medicine" von Bon Jovi, "Rhythm of Love" von den Scorpions, "Welcome to the jungle" Guns'n'Roses, "Here I go again" Whitesnake, "Pour some sugar on me" von Def Leppard, und der Hammer "Child in time" von Deep Purple! Das musste dir geben, 10 Min, ganz laut nach einer Party auf dem Sofa von jemand mit einem gewissen Pegel und den richtigen Leuten! Kommt gut.
Aber soweit bin ich eigentlich noch gar nicht, ich komme frisch von der Tanzschule und betrete mein zukünftiges Wohnzimmer - das Lollypop! Ein kleines Cafe in Nürnberg Wöhrd mit den damals typischen schwarzen Bistrostühlen, runden Marmortischen, einer Bar, einem Haufen Schnickschnack an den Wänden, einem langen Gang zu den Toiletten und Spielautomaten und der Treppe, die in den 1. Stock führt, wo der Billardtisch in Gerd's Wohnung stand. Eine wahre Schande, dass es keine Fotos vom Lollypop zu geben scheint! Das Lollypop unterschied sich von allen Popper- oder Rockerkneipen, das Lollypop war ein Oldie-Cafe! Ramerlamerdingdong schalmeit es mir um die Ohren. Und ich fing sofort Feuer!
Sabine, das Mädchen das in Flammen stand! Bi-Bob-A-Lula und Sweet 16 Baby! Ich fand's großartig! Ein paar Teds waren auch immer da mit ihrer Lederjacke und der Tolle, ansonsten war das Publikum gemischt. Frank und Oli waren Punks, Stefan ein Rocker, Baily-Oli mit der rosa Locke, Anouschka war Popperin und ich irgendwo dazwischen. Von da an war ich so oft ich konnte im Lollypop! Samstags wurden Spiele veranstaltet, war immer lustig, es war auch immer jemand da, den man kannte. Stammpublikum.
Immer wieder rief einer in die Menge "Wir fahren nach Erlangen ins Dock 7 - wer fährt mit?" oder "Hausparty beim Micha, wir starten um neun" und du hast dich einfach drangehängt, wenn du Lust dazu hattest. Nachmittags wurde viel Backgammon gespielt (ich kanns immernoch nicht) oder der Tetrisrekord von Sonja geknackt. Mit der Zeit lernte ich die Golden Oldies auswendig und der ganze Laden hat lautstark mitgesungen bei "O Carol" von Neil Sedaka, "The wanderer" von Dion oder "Diana" von Paul Anka. (Vielleicht auch ein Grund, warum das Lollypop geschlossen wurde - mitten in der Wohngegend)
Ich entdeckte auch die Stray Cats, und somit die feine Differenzierung zwischen Rockabilly, Psychobilly und New Wave. Zu Wave zählte ich Stücke wie "Love is a shield" von Camouflage, "Tainted Love" von Soft Cell (Staubsaugertanz, hahaha) und Depeche Mode oder The Cure.
Irgendwie schwappte auch etwas Wave in die songs meiner geliebten Ärzte! Auf der LP "Ist das alles" fanden sich songs wie "Mysteryland", "Alleine in der Nacht" oder "Wie am ersten Tag". Aber auch Sachen wie "Buddy Holly's Brille", "Gehn wie ein Ägypter", "Du willst mich küssen" und "El Cattivo", was den Fun Punk herauskitzelte. DÄ waren immernoch ungebrochen meine Lieblinge!
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| Die Ärzte 1988 |
Wir gingen immer öfter ins Kraftwerk und ins Brown Sugar, das ergab sich einfach so. Außerhalb Nürnberg gab es so schöne Rockschuppen! Und sind wir mal ehrlich - so sexy die bad boys der Rockabillyszene waren - so ein hübscher Rocker mit langen Haaren sticht die doch alle aus! Ich entdeckte meine Vorliebe für Kerle mit langen Haaren - aber das tut hier nichts zur Sache.
Hihi
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| Metal Mania - Sammelstelle der hübschen Rocker |
Montag, 20. Juli 2020
Sabinchen und die Musik 4
Zusammen mit meiner Freundin stehe ich vor den Toren der Tanzschule, frischgebackene 16 Jahre und furchtbar nervös! Es war 1986 durchaus üblich, mit 16 einen Tanzkurs zu machen, da wars rappelvoll mit Teenies, die alle nervös waren. Innerhalb der ersten 15 Min wusste ich, das ist mein Ding! Tanzen viel mir leicht, machte gleich Spaß und man konnte - nein man musste (!) sich an ganz viele verschiedene Jungs randrücken!
*die Autorin kichert nostalgisch
Herrlich! Einen Haufen Leute kennengelernt, vor allem, weil jeden Samstag Tanzparty war. Auf zwei Ebenen, im offiziellen Tanzsaal wurde standard getanzt, unten im Keller "freestyle". Und da unten waren die coolen Kids, logisch! Während man oben zu Bananarama "Venus", The Bangles "Manic Monday" oder - OMG - Modern Talking "egal was" seinen Tanzpartner über die Fläche schubste, hörte man unten ganz andere Töne. Ich glaub zum ersten Mal wurde ich mit Bands wie Bon Jovi, Van Halen, ACDC, KISS und ZZTop konfrontiert und fand es sehr spannend! Das war ganz anders, irgendwie viel cooler und vor allem die Leute, die dazu tanzten waren auch irgendwie cooler. Ich fand's voll stark! Und so hüpfte ich zwischen den Musikwelten Keller und Tanzfläche hin und her. Ich hörte oben die Pet Shop Boys und unten Alice Cooper. Toll!
Natürlich wusste ich, dass zwischen Poppern und Rockern nicht die engste Freundschaft bestand, aber ich mochte mich nicht für eine Seite entscheiden, ich hab mich den Leuten angepasst, mit denen ich gerade zusammen war. Je nach Laune! Insgeheim fand ich die Rocker aber viel lässiger.
Und dann traf ich einen Punk!
Damals waren U-Bahn Verteiler voll davon. Und in der Sammelstelle KOMM in Nürnberg waren fast nur Punks anzutreffen. Später hab ich mich auch mal reingetraut, aber mit 16 bin ich staunend an den seltsamen Typen vorbei gelaufen, hab mich anbetteln lassen und war voller Ehrfurcht! Die fand ich so mutig mit ihren Klamotten und den Haaren, hatte aber noch keinen Plan, was dahinter steckt.
Aus ihren Reihen schallte auch Musik, ganz andere. Ich mochte aber manche Stücke, hatte nur keine Ahnung, von wem die Musik war.
Ich kann heute auch nicht mehr nachvollziehen, wie ich Madonna, Van Halen, Sexpistols und George Michael unter einen Hut kriegte. Ich war verwirrt.
Und bastelte mir dementsprechend verwirrte Mixtapes.
Seite A
1. Papa don't preach von Madonna
2. When the going gets tough von Billy Ocean
3. In the Army now von Status Quo
4. Touch me von Samatha Fox
5. Why can't this be love von Van Halen
6. Absolute Beginners von David Bowie
7 Du willst mich küssen von Die Ärzte
8. Final Countdown von Europe
9. You give Love a bad Name von Bon Jovi
10. Sledge Hammer von Peter Gabriel
gruselig, die Mischung, oder? Ich hörte alles wild durcheinander und war glücklich dabei.
Die Ärzte hatten ein neues Album rausgebracht. "Im Schatten der Ärzte", das für mich wichtigste Album, ich sog die songs auf wie ein Schwamm!
"Du willst mich küssen" "Ich weiß nicht ob es Liebe ist" "Wegen dir" Alles" "Käfer" und "Dein Vampyr" - da war ich mir ganz sicher, dass das meine Musik ist! Dieses Album hat mich tatsächlich erfüllt, auch wenn das blöd klingt. Ich bin abgetaucht und dort geblieben. Mit MOFL (siehe Sabinchen und die Musik 3) gab es zwar einige Probleme, schon allein wegen unfassbarer Eifersucht, aber die Liebe zu den Ärzten hat uns verbunden!
Die Tanzstunde war irgendwann aus und gleich ums Eck war eine kleine Kneipe. Mittels Gruppenzwang hab ich mich breitschlagen lassen, bin ich mitgegangen, betrat die Kneipe, inhalierte die Atmosphäre und wusste - ich bin daheim! *lach
Willkommen im Lollypop!
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| Abschlussball 1986 |
Donnerstag, 16. Juli 2020
Drama-Queen
So jemand bin ich! Bevor ich wo zusage, überlege ich ganz viele Problematiken.
Ist das was für mich? Wollen die mich überhaupt dabeihaben? Pass ich da rein? Muss ich da viel laufen? Schaffe ich das? Will ich das? Ist das mit all meinen Gebrechen kompatibel? blaaablaaa und so weiter. Ist immer das Gleiche. Ich hab mich heute überwunden und ein fettes "JA" auf dem Zettel angekreuzt. Frau Dr S lädt zum alljährlichen Sommerfest ein und davor graut mich schon das ganze Jahr. Sommerfeste! Ein gesellschaftliches Übel.
Was ist ein Sommerfest? Du gehst da hin und stehst erstmal dumm rum. Meistens ist es heiß, du schwitzt ganz fies und du suchst einen Platz für deine Salatschüssel. Dann stehst du wieder dumm rum. Dann kommt der endlos lange Teil mit dem smaltalk. Blabla ja gut hergefunden bla das Wetter bla letztes Jahr auch so heiß bla aber davor hats geregnet bla ja der ist auch da bla .... bis du dann endlich aufgeräumt bist und an einem Tisch sitzt - dann musst du gleich wieder aufstehen und dir was zu essen holen. Wenn du Pech hast sitzt du so ungünstig, dass du erstmal alle anderen raus bzw reinlassen musst. Dann isst du und ab da überlegst du, wann der richtige Zeitpunkt da ist um dich weg zu schleichen. Allerdings musst du dich von allen verabschieden und erklären, warum du so früh wieder gehen willst ...
Nein Sommerfeste sind nicht mein Ding.
Aber, nachdem ich jetzt echt oft abgesagt hab, ist es mal wieder fällig, schon allein wegen des Anstands. Und Kollegin U ist genauso drauf wie ich - das baut auf!
Gestern war Mittwoch, halber Tag in den Arztpraxen und wir haben geplant, ins Wonder Waffel zu gehen, Schwupps fange ich an, rum zu nölen und bin mir halt echt nicht sicher, ob ich das will.
Und ob ich das schaffe - du weißt Bescheid.
Waffeln essen an sich ist ja nichts böses, im Gegenteil. Und die Aussicht, mit den drei Hübschen zusammen dahin zu gehen überzeugt mich dann doch, ich sage zu.
Zum Glück ist das Wetter auf meiner Seite, es ist relativ angenehm für einen Sommerhasser. Ich fahre, ich parke und wir laufen den kurzen Weg zum Wonder Waffel. In meinem Tempo, also ein Schleichweg quasi.
Ich bin hocherfreut, dass ich die lächerliche Strecke schaffe, ohne Gezeter und Geheule, da sind wir auch schon im Laden. Dort bin ich erstmal überfordert. Eine langeTheke voll mit Eissorten, Obst und Süßkram und eine Tafel an der Wand, die die Kalorienbomben auflisten. Da gibts Erdbeeren, Kirschen, Zimtäpfel, Kiwi, Streusel in jeder Farbe, Smarties, Nüsse, Soßen, Sahne, Schoki, Kinderbueno, Kekse und was nicht alles! Wir überlegen lange und dann bestelle ich mir eine Waffel mit Erdbeeren, kleinen Marshmallows, Jogurette-Eis und einen Toffifee-Milchshake. Diabetes to go!
Die schreiben deinen Vornamen auf den Teller, da freu mich mich voll drüber! Dass es schmeckt ist selbsterklärend, es ist sooo süß und lecker, da spürst du deinen Glukosewert steigen! Wir haben Spaß!
Pappsatt lehnen wir in den Polstersitzen und schauen uns im Laden um.
Am Nachbartisch sitzen zwei Frauen. Eine davon hat einen Bauch.
Kollegin: "Die da ist schwanger"
.... "oder sie war schon öfter hier!"
Montag, 13. Juli 2020
Möwe!
Kennste? Man sucht sich, im Gedanken, einen Ort, zu dem man sich jederzeit hinträumen kann. Da wo du deine Ruhe hast und einfach niemand was von dir will! Ein göttlicher Zustand. Da will ich hin!
Hab glaub ich schon mal drüber geschrieben. Mein geheimer Ort ist ein Strandkorb am Meer. Einsam ohne Ende, mit weichen Kissen, warmen Sand, Möwen, Meer, und einem herrlich angenehmen Wind, der um die Beine streichelt. Es ist immer 24 Grad und die Sonne scheint nie direkt in meinen Strandkorb.
Und wenn mir alles zu viel wird und jede Aktion einfach nur anstrengend weil du so viel Schmerzen hast, dass sie sich draußen vor der Tür versammeln und zu einem einzigen überdimensionalen Schmerz-Blob verschmelzen, der mich dann frisst - dann möchte ich gern in meinem Strandkorb sein und den Möwen zugucken!
Freitag, 10. Juli 2020
Sabinchen und die Musik 3
Ich hatte ein paar Mädchen aus meiner Klasse dabei, das half, um meine Nervosität zu verbergen, wenigstens ein bisschen. Und meine damals beste Freundin war auch dabei. Schon beim Einsteigen in den Bus hab ich ihn entdeckt, mich hat's ziemlich gerissen, als ich ihn vorne am Fenster sitzen sah und ihn wohl angestarrt haben muss. Als er sich nämlich umgedreht und mir direkt in die Augen geschaut hat, wurde ich knallrot und hab mich hinter der Lehne vom Vordersitz versteckt. Ich war so schüchtern damals, schüchtern und unsicher und ohne jede Selbstsicherheit. Deswegen hab ich mich an meine Freundinnen geklammert, auch, als die beschlossen, auf unserer Erkundungstour auf dem Ferienheimgelände zu den Jungs rüber zu gehen.
(Hier bitte Fanfaren und Donnerhall einsetzen für den perfekten Übergang!)
Teenagerliebe war das erste Lied, dass ich von den Ärzten hörte. Die Ätzte sind in mein Leben eingebrochen wie ein Gewitter! Unfähig, mich dem zu entziehen hab ich mich kopfüber reingestürzt in die Musik. Nach dem 1. Konzert 1984 war ich angefixt und das hält bis heute.
Meine-große-Ostsee-Ferienlager-Liebe (MOFL ab jetzt), also meine MOFL und mich verband als erstes die Musik. Natürlich gab es in den Charts viel mehr als die Ärzte, wir haben erst ein wenig später festgestellt, dass wir das gemeinsam haben. Und wie !! Im Ferienlager selber dröhnte ja ganz was anderes aus den Boxen. Gefiel mir natürlich auch, waren ja die aktuellen Hitlisten! Ganz besonders und allen voran Madonna. Gerade hatte sie ihr erstes Album rausgebracht und mit "Like a Virgin" eine Punktlandung gemacht. Von der LP mochte ich alles! Wenn ich an MOFL denk, hab ich als erstes "Into the groove" im Ohr, gefolgt von "Stay", "Material Girl" und "Angel". Ach ja. Sogar beim ersten Kuss lief Madonna irgendwo im Hintergrund. Ich konnte alles auswendig mitsingen (natürlich nur, wenn keiner der Jungs in der Nähe war)
Außer Madonna schallte mir "Cherish", "Celebrate Youth", "Frankie" oder "Tarzan boy" um die Ohren. Ich hab noch genau vor Augen, wie 15jährige Jungs zu Baltimore's Tarzan boy tanzen und dieses Bild hab ich konserviert! *hihi
Wunderbare Jahre, wunderschöne Zeit. Neon-Nagellack, Netzhemden, Miniröcke, die große Liebe und die Ärzte - ich mochte das Jahr, in dem ich 14 war. Meine Schüchternheit hab ich natürlich nicht ganz abgelegt, das geht ja garnicht. Aber so immer wieder ist davon was abgebröselt, bis sie irgendwann fast ganz weg war.
Und die Ärzte singen dazu "denn siiiiiiie trägt nen roten Minirock (Minirock) sie ist immaaaaaaaa nett zu mir, machmal bescheißt sie mit dem Wechselgeld (Wechselgeld) sie ist das Mädchen von Kasse 4"!
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| das Bild hat MOFL gemacht |
Mittwoch, 8. Juli 2020
Sabinchen und die Musik 2
Nena kam, Nena spielt auch eine große Rolle in meinem Leben. Nena war auf jedem einzelnen Mixtape in meinem walkman! "Nur geträumt" mochte ich auf Anhieb. Meine Lieblings-songs von ihr waren "Leuchtturm", "Indianer" "Kino" und "Vollmond" - überall im Kinderzimmer waren Nena-Poster! Mit Nena bin ich in der Straßenbahnn zur Schule gefahren und mit Nena hab ich Zeitungen ausgetragen.
Aber neben Nena gab es ja noch soo viel anderes, schau dir mal allein die Hitliste 1982 an, das ist Wahnsinn, was da alles rausgekommen ist! Ich mochte das meiste, da war ich noch ganz und gar Hitlistenjunkie! Jeden Freitag um 18 Uhr Radio Bayern 3: Die Schlager der Woche! Pflichtprogramm für eine ganze Generation! Natürlich wird es aufgenommen und natürlich hörst du auf dem ein oder anderen Lied im Hintergrund eine liebe Mama, die ruft "Abendessen ist fertig!" *haha


















































