Mausloch

Das Mausloch ist mein öffentliches Tagebuch.
Mein Refugium. Meine Höhle. Mein Ventil. Viel Spaß!

Freitag, 24. Januar 2020

Das wuuuhaaaa Gefühl

Hurra! Die Spritze von gestern wirkt noch!! Ich kann laufen! Ich kann Treppen steigen und egal wie ich meinen Fuß hinstell - es tut nicht weh! Yeahhhh! Und zack scheint die Sonne!



Gestern hat mir Kollegin T den cocktail verabreicht, zum letzten Mal. Weil uns Kollegin T nämlich verlässt. Sie hat gekündigt und damit müssen wir jetzt klarkommen. Das ist wie ein Büschel Haare ausreißen aus einer echt guten Frisur. Teamtötung. Und damit nicht genug - Kollegin G geht auch noch. Aus edlem Grund - die Liebe wohnt in Landsberg. Man versteht es aber man mag es nicht. 
Ich weiß nicht, wie das jetzt werden soll.
Die arme, neue Kollegin U hat jetzt alle Hände voll zu tun, die Lücke zu füllen. Aber Kollegin U ist lustig und fleißig und gut drauf - ich bin zuversichtlich.
Der Chef hat reagiert und macht jetzt die Runde in seinem Praxisimperium um uns alle zu fragen, ob alles ok ist. Ob es ihn wirklich interessiert lass ich  jetzt mal im Raum stehen - zumal er vom Geschäftsführer begleitet wird, dem Stein des Anstoßes. Man kann darüber streiten, ob das so klug ist. Fakt ist, diese Gespräche laufen in der Mittagspause und schon allein deswegen seh ich da eher schwarz.

Viel Glück euch beiden für die Zukunft ! <3 <3 


Ich hab voll viel erlebt - für meine Verhältnisse!
Am Freitag sind wir in die Salzgrotte, ein Kellerraum mit Salzsteinvertäfelung, Hintergrundlicht und Soledampf. Es gibt Liegestühle und Decken und wenn es nicht vergessen wird - so wie bei uns - Entspannungsmusik. Dafür waren wir allein im Salzkeller, das war sehr angenehm. Ich bin überzeugt, dass dieses Soledampf-Einatmen schon was bringt. Erstmal Entspannung, und dann löst sich jeder möglicher Schlunz im Hals und in der Nase, es tut der Haut gut und man hat das Gefühl, was für sich getan zu haben. Bin ein bisschen eingeschlafen beim Soleatmen. 
Tiefenentspannt sind wir ein paar Häusla weiter zum Burger essen. "Wild West Burger & Steaks" und davon hab ich mir viel erwartet - sowas wie einen Wild-West-Salloon zum Beispiel und ausgefallene Burger oder zumindest ausgefallene Burgernamen, vielleicht ein Ragtime-piano - aber da war alles so wie überall. Bis auf die Raumdeko, das sollte wild und rustikal wirken. Auf dem Weg zum Klo gab es ein Poster von Lucky Luke. Immerhin. Meine Begleiter waren sehr kritisch und setzten dem ganzen einen "Einmal-reicht-Stempel" auf. Ja stimmt schon. Mein Pulled Pork Burger war zwar echt fein, aber den krieg ich halt auch anderswo, wo es vielleicht nicht so überheizt und voll und eng ist.
Erfahrung gemacht.
War trotzdem ein schöner Abend und wir haben uns noch auf der Heimfahrt auf die heimischen Spaghetti morgen gefreut!

Der Salzkeller. Passt besser als Salzgrotte

                                   
Ein Gitarrenspieler, der danach mit dem Becher rumging

mein Pulled Pork. Da steh ich voll drauf!





Aber was noch viel schöner und umwerfender war als der Weg zum Klo im Wild West Burgerladen war die Vorstellung von Harry Potter IV in concert! Harry mit live Orchester, das Jahreshighlight gleich am Anfang.
War nicht das erste Mal, ist ja Teil 4 gewesen, aber trotzdem unheimlich aufregend. Erstmal gibts n Sekt, dabei kann man prima die Leute beobachten. Alle Altersklassen, verkleidet, aufgerüscht, mit Zauberhut, Enkel mit Großeltern - und wir. Waldfeger, Sohn, Tochter, Tochter's Freundin und ich. Zwar sollte Oma auch mitkommen, sie hat uns schließlich die sauteueren Karten geschenkt, aber Omas neue Hüfte hält das Sitzen auf Holzstühlen über Stunden für keine gute Idee. Was sehr schade ist, Oma hat wirklich gefehlt !!! 
Unsere Plätze - perfekt! Totale Beinfreiheit und ziemlich weit vorne. Man konnte dem Dirigenten auf den Monitor gucken. Zwei Stunden Gänsehaut und .. wuuuhaaaa Gefühl! 
Jetzt bin ich so alt - knapp U50 - aber Harry verliert seinen Zauber nicht. Da biste auf einmal wieder 10!




Ein Trailer von 2017
hach - ich könnt glatt heulen vor .. wuuhaaa!!!
Sabine, 10 Jahre


Sonntag, 19. Januar 2020

der gestohlene Nachmittag

In der letzten Zeit war ich ziemlich erpicht darauf, möglichst viele Leser für das Mausloch zu begeistern. Ich hab mich gewundert, wieso andere Blogs Abonnenten im Tausenderbereich aufweisen können und sofort nach Erscheinen des neuen posts mindestens 30 Leser an der Backe kleben haben. Gehen die von Tür zu Tür und bitten um ein mildes Lesen des blogs? Verschicken die Lese-Einladungen? Versprechen die eine Leseprämie oder kleine Geschenke - für ein like ein Bonbon, für ein Abo einmal drücken mit Kuss auf den Scheitel ? Oder gehen die ihren Freunden einfach so lang auf die Nerven, bis die freiwillig den blog lesen?
Ich hab keine Ahnung. Liegt es am Ende am Inhalt? Ob der gut ist oder nicht, sagt dir gleich das Licht.
Wahrscheinlich gibt es einfach zuviele blogs und man wird im großen weiten webnetz einfach nicht gefunden! Und jetzt hör ich auch auf, weiterhin hektisch mit der roten Fahne zu wedeln, jetzt egalt es mich wieder.
Das ist so viel angenehmer!
Ich hab die Mausloch-Adresse ganz oft und überall hinterlegt, wer nicht will, der hat schon! Was zählt, sind eh nur die treuen Leser, die da Bock drauf haben. Also, kein Streß, kein Leserfang, sondern schön gechillt am Sonntag Nachmittag ins Mausloch kriechen und wohlfühlen!



Am Mittwoch wurde unser schöner freier Nachmittag gestohlen. Es war Notfallschulung. So wie jedes Jahr. Bis vor kurzem kam da immer ein sehr motivierter kleiner Mann, der voller Freude Vorträge gehalten hat und uns den Larynx-Tubus fröhlich in die Puppe schieben ließ. Ein Blick in die Notfalltasche, für die ja ich verantwortlich bin, und gut is.
Jetzt sind da andere Menschen, die sich um unser Notfallwissen kümmern wollen. Das positive ist, die bringen feine Sachen zum Essen mit! Das war das positive.
Der neue Notarzt, der die Schulung leitet, meint, dass ein Larynx-Tubus, wie wir ihn haben, völlig überflüssig ist. Er legt Wert auf gute alte Handarbeit, das heißt, wiederbeleben, pumpen und beatmen, bis der Arzt kommt. Ha-ha-ha-ha-staying alive-staying alive! Und das lässt er uns auch üben, in "Fallbeispielen". Er kommt mit seiner Puppe als Patient verkleidet in die Praxis und plötzlich kippt die Puppe weg und der verkleidete Notarzt ruft entsetzt um Hilfe. Er denkt, er ist lustig.
Auftritt Praxispersonal. Erstmal erschrocken rumstehen und schauen, was die anderen machen. Dann flutscht es - eine ruft den Arzt, eine prüft auf Atmung, eine ruft den Notarzt an, eine scheucht die Leute ins Wartezimmer und eine beruhigt den verkleideten Notarzt. Also der Patient atmet nicht, es geht an die Wiederbelebung und da grätscht der Notarzt dazwischen. Er fischt den Beatmungsbeutel aus der "viel zu überfüllten " Tasche und stellt fest - dass die Maske nicht aufgepumpt war! 
GAU!
Wer ist dafür verantwortlich?
Super-GAU!!
Wohlwissend, dass ich das vergessen hab, hatte ich schone eine 10er Spritze in der Tasche und konnte sie ihm gleich reichen. Mit einem minutenlangen Vortrag, wie wichtig der korrekte Inhalte der Tasche sei, schaut er mich voller Vorwurf an und bewirft mich mit der 10er Spritze.Und überhaupt - was ist denn da in der Tasche eigentlich los? Er zerrupft alles mühsam eingestapelte und befindet die Hälfte als unsinnig.
Ich hab eine offizielle Liste zum Befüllen von den VIP's des Chefs, an die muss ich mich halten, sage ich.
HUMBUG !! schreit er. Ich sehe langsam Ebenezer Scrooge in ihm und irgendwie nimmt er Ähnlichkeit an!
Vortrag halten, Reden schwingen, vorwurfsvolle Blicke. Jetzt bin ich wieder schuld. 
Blödmann.
Und diese elende Schulung zieht sich hin wie Kaugummi, vier Stunden schon.
Ich hör garnicht mehr zu, lass meine Gedanken in den Supermarkt wandern und überlege, was wir zum Abendessen wollen. 
Ohne es zu bemerken, löst sich das ganze Elend in Wohlgefallen auf , die Ärzte führen jetzt Fachgespräche, die nicht für das gemeine Fußvolk bestimmt sind und wir nutzen unsere Chance, fast unbemerkt die Schuhe an zu ziehen und mit einem schnellen "Tschüs" aus der Praxis zu schlüpfen!
Freiheit!

Ja nächstes Jahr pumpe ich die Masken auf. Ich pumpe alles auf, was ich in die Finger krieg!
Ich werde ausmisten und den überflüssigen Kram in eine geheime Tasche packen, damit das Zeug zwar anwesend ist aber den lustigen Notarzt nicht stören muss. Ich prüfe alle Verfallsdaten und binde ein Schleifchen um den Griff - wenn er dann noch immer meckert, bleibt er Ebenezer Scrooge und kein Weihnachtsgeist wird ihn mir je wieder sympatisch machen. 
Aus die Maus! 




Dienstag, 7. Januar 2020

Gedankenfäden

Kennst du das, wenn du einen Gedanken hast und ihn immer weiter spinnst .. bis du auf einmal irgendwo landest und dich verwundert fragst, wie zum Geier du dahingekommen bist ?! Aber manchmal schließt sich auch der Kreis auf wundersame Weise.

Heute in der Praxis. Ich rufe einen Patienten auf und als ich ihn sehe, überkommt mich das Gefühl, dass er mich an irgendwen erinnert. Leider ist er nicht mehr die hellste Kerze auf der Torte, versteht nichts wegen russischer Herkunft und wird von seiner Frau rundumversorgt. Alter um die 70.
Er kommt zu mir ins Labor, seine Frau drückt ihn auf den Patientenstuhl und er sitzt da mit hängender Unterlippe und wartet ab, was passieren möge.
An wen erinnert er mich bloß? Während der Blutabnahme schau ich ihn so an und sehe, wie sich ein Rotztropfen an seiner Nase bildet und sich langsam abseilt. Wuaaah! Und dann weiß ich es auf einmal!! Ich weiß an wen er mich erinnert - an den Troll in Harry Potter und der Stein der Weisen!
Eine Miniatur-Troll-Ausgabe mit russischer Fellmütze!
Der Troll hat sich im Film den Zauberstab aus der Nase gezogen und da hing auch ganz viel Trollrotz dran! Ron hat den Troll entwaffnet mit Wingardium leviosa. It's leviOsa, not leviosAA! Ach Hermine! Hermine ist toll. Emma Watson hat in vielen Filmen mitgespielt, zum Beispiel in "Vielleicht lieber morgen", die Szene als sie im offenen Auto durch den Tunnel fuhr und laut Heroes von David Bowie gehört hat. Ich könnte auf dem Heimweg auch David Bowie hören, im Auto, schön laut. Mit einem Abstecher zum Supermarkt. Ich brauch unbedingt einen neuen Eiskratzer für den Tuco. Heute morgen hab ich ihn nicht gefunden und den letzten Rest Enteiser-Wasser auf die Scheiben gepritzt. Der Tuco ist so groß, dass ich garnicht an die komplette Windschutzscheibe rankomme. Das war beim Zafira anders. Ich vermisse den Zafira sehr! Wenn ich mir vorstelle, wo wir schon überall waren! Zum Bespiel im Allgäu auf Mutter-Kind-Kur. Damals waren die Kinder noch so klein, dass ich sie im Kinderwagen rumgefahren hab. War eine schöne Zeit damals. Aber auch anstrengend! Kleine Kinder können einem alles abverlangen! Meine Güte, Tochter ist jetzt in einem Alter, da könnte sie selber Mama werden. Dann bin ich eine Oma! Die Vorstellung allein finde ich wunderbar, auch wenn es noch zu früh ist. Also für mich. Ich möchte schließlich eine fitte Oma werden, eine, die auf dem Boden rumkrabbeln  und neben dem Laufrad herrennen kann! Dafür muss ich aber noch einiges tun! 1. Abnehmen 2. Fuß operieren lassen 3. erholen und fit werden. Eigentlich müsste ich das mit einem Arzt besprechen. Ich hab viele Ärzte, zu denen ich gehen sollte. Keine Zeit! Ich muss ja ständig arbeiten.
 So wie jetzt!  Der russische Miniatur-Troll ist schon fertig und brummt im Gehen irgendwas russisches und seine Frau sagt  Auf Wiedersehen!




Montag, 6. Januar 2020

Her mit den Abenteuern!

Wenn einen der Hammer der Erkenntnis voll in die Fresse trifft, hat man im Grunde 2 Möglichkeiten.
1. Man lässt sich umhauen und bleibt regungslos liegen, bis das schlimmste vorbei ist, oder
2. Man versucht, irgendwas positives darin zu sehen, damit man nicht elend zugrunde geht.

obwohl ich genau weiß, wie viel Selbsttäuschung und Verblendung in diesem Text steckt, will ich es trotzdem versuchen. Schließlich bin ich die Königin der Verdrängung, da geht bestimmt was.
A bissl was geht immer, sagt Monaco Franz, also.

Achtung, jetzt wird's positiv!

Wie unsinnig es ist, lange zu schlafen, ist klar. Man verpasst den halben Tag. Und wenn man sich mal die Zeit nimmt und sich bewusst macht, was man da alles verpennt, dann könnte man mit dem großen Bereuen beginnen. Fängt ja schon mal mit der Neugierde auf den neuen Tag an, was da alles passieren kann, wem man begegnet oder was man sehen, hören und erleben kann, ist fast unermesslich! Was kommt auf mich zu? Wer redet mit mir und was und vor allem, warum? Was werde ich heute essen? Fragen ohne Ende.
Das Frühstück beschränkt sich auf 2 Toasts und einen Kaffee, weil nicht mehr Zeit zur Verfügung steht und das ist gut, weil ich dann gar nicht erst in Versuchung komme, den Laptop oder das Handy einzuschalten! Außerdem läuft um diese Zeit das Sat1 Frühstücksfernsehen, da hab ich Information, Unterhaltung und backround-Geräusche inclusive! Super!
Nach ein paar Litern kalten Wassers bin ich wach und kann den lustigen Wettlauf mit der Zeit starten, ob ich es schaffe, Punkt 7:40 im (freigekratzten) Auto zu sitzen! So spannend!
Was für ein beruhigendes Gefühl mich überkommt, wenn ich es geschafft habe und relativ entspannt mit sehr lautem Radio zur Arbeit fahren kann! Mit etwas Glück krieg ich sogar noch das Horoskop mit, manchmal wird es ein paar Minuten vorgezogen. Super Tagesstart!
In der Praxis begegnen mir so viele gut gelaunte Leute! Eine extrem gut gelaunte Kollegin schalmeit mir die letzte Müdigkeit aus dem Gesicht und der Lehrling lächelt ganz bezaubernd! Und die Patienten erst,  das muss ich mir mal bewusst machen - die wollen alle zu mir! Die wollen das! Mich sehen, meine Dienste und mein Können in Anspruch nehmen! Viele sind sogar ausschließlich wegen mir hier, gib dir das mal!
Wenn viel los ist, ist das auch voll gut, weil es mir dann auf keinen Fall langweilig werden kann! Und mein Hirn arbeitet auf Hochtouren, mein Körper wird gefordert, was will ich mehr? Und scha-wupp ist schon wieder Mittagspause, dann fahr ich heim, leg mich auf die Couch und genieße eine ganze Stunde des Dahindösens! Was ein Luxus! Und eine Viertelstunde vor Neustart in den Nachmittag darf ich mir eine Dose Energy-Zeugs gönnen, damit ich die wohlige Gewissheit erlange, den restlichen Arbeitstag wach zu überstehen. Beruhigend!
Der Nachmittag verläuft meist schnell und spannend, man weiß  nie, was man da kriegt - viel weniger oder viel mehr Patienten als geplant, einen neugierigen Lehrling, der Pieksen üben möchte, einen kritischen Chef oder gar ein Inventürchen im Ampullenschrank .. wer weiß? Hach ist das aufregend!

Nach der Arbeit darf ich mit meiner Lieblingsmusik zur EDEKA fahren und frei wählen, was ich zum Abendessen kochen möchte! Einfach so! Und zu Hause zaubere ich im Handumdrehen ein feines Mahl, rufe meine Liebsten an den Tisch und sonne mich im Lob und der Verzückung über das lecker Abendessen!
Ja und dann, dann hab ich den restlichen Abend voll zur freien Verfügung, ich kann machen, was-ich-will, egal was! Ich kann halbtot aufs Sofa sinken und einen Film gucken oder eine Serie oder eine Doku, völlig frei wählbar! Oder ich mache meinen Laptop auf und schau, wie die anderen den Tag verbracht haben - ODER BEIDES GLEICHZEITIG!!!
Und wie schön fühlt es sich an, sich mit geputzter Sibylle (so heißt meine Spange) und blanken Zähnen und gebürsteten Haaren und gecremten Händen in die Decke zu kuscheln, den Niveaduft in der Nase und dem Krimi in der Hand, bis mir die Augen zufallen und ich einem neuen, aufregenden Tag entgegenschauen kann!
Ich habs gut!
Und morgen ist es soweit, der elende nervige Urlaub ist endlich vorbei und ich starte durch in neue Abenteuer!
Yippie-ay-ey, Schweinebacke, what a wonderful world!



Samstag, 4. Januar 2020

's is Winterzeit in Wien

Da isser wieder, der Bub. Nachts um halb zwei kam der Flixbus an, einsam und verlassen stand Sohn da am Straßenrand und wartete darauf, eingesammelt zu werden. Ich bin froh, dass ich ihn wieder hab! Es war zwar nicht unbedingt einsam daheim oder langweilig, wir sind auch nicht in Tränen ausgebrochen - aber trotzdem ist es richtig schön, wieder komplett zu sein!
Wien war schön, sagt er, schön und schön anstrengend. Schlossbesichtigung, Prater, Wiener Schnitzel, Silvester in einer Geister-U-Bahn, Hostelzimmer zu siebt im vierten Stock ohne Aufzug und der Naschmarkt. Erlebt hat er einiges, und gelaufen ist er meilenweit! Nicht zu vergessen die Operette "Fledermaus" in der Wiener Staatsoper - Stehplatz! Es gibt in der Wiener Oper Stehplätze !! Um halb vier stehen sie an um Karten, um 19 Uhr beginnt die Vorstellung und dauert bis 23. Uhr. So lange stehen! Irre! Kein Wunder, dass dann der Kreislauf irgendwann schlapp macht.
Aber er hat sich wieder erholt, der Bub. Gleich will ich ihn wieder beschützen und fast zeitgleich hau ich mir mental selber auf die Finger. Ich glucke schon wieder umeinander, der Bub ist alt genug, verflixt, ausserdem muss er lernen, allein zurecht zu kommen. Soll ja kein Muttersöhnchen werden.

Ich hatte ja eine völlig falsche Vorstellung von Sohn's Besuch in Wien. Dass er mit seinem Freund und dessen Familie fährt, wusste ich schon. Aber die Eltern waren garnicht dabei, nichteinmal ein Onkel oder eine Tante, nur der ältere Bruder, seine Frau und ihre Freundin mit Schwester. Und dann noch ein Freund vom großen Bruder. Insgesamt sieben junge Leut, von denen drei nur russisch sprechen.
Dann dachte ich, es wird in einem Hotel residiert, Einkehr in feine Restaurants mit Kerzen und Obern im Frack und sowas. Dabei war die Übernachtung im Mehrbettzimmer in einem Hostel und gegessen wurde Döner oder in ganz normalen Lokalen. Vielleicht war es die Tatsache, dass beide Eltern in einem Orchester angestellt sind und Konzerte geben, dass ich die Familie in eine höhere Liga eingestuft hab. Wir haben ja extra ein Sakko und eine Fliege gekauft, damit er auch optisch was her macht, der Bub. War echt unnötig, aber wer weiß das schon?
Hauptsache, es hat dem Lütten gefallen!
Bloß über eins komm ich nicht hinweg - weil sie keine Lust auf Kracher und Raketen hatten, sind Sohn und Freund kurz vor Mitternacht vom Prater weg zur U-Bahn gelaufen um Heim zu fahren. Silvester allein in der U-Bahn .. das kann ich jetzt nicht unbedingt so gut nachvollziehen.
Naja gut, es macht ihm nichts aus. Immerhin.

Eben hab ich mir bisschen was über Wien angeschaut. Da gibts ja schon ziemlich viel, was man machen kann. Wär schon schön, da mal hin zu fahren! Natürlich mit weniger Lauferei, ich wär ja auch dabei (und der leidige Rollator) und mit nem Hotel oder einer Pension, die kleinere Zimmer hat. Die Zeit mit Gruppenübernachtungen ist definitiv vorbei. In Wien gibts tolle, geheimnisvolle Friedhöfe, es gibt 27 Schlösser (!!) , Rundfahrten mit der Straßenbahn, ein Madame Tussauds, ein Haufen Lokale und Museen .. da wär schon was dabei! Wien wär toll - und teuer!
Aaah, daran könnte es liegen, dass ich erst 1x dort war.
1988, zum 18. Geburtstag Cats angucken. Aber das zählt eigentlich nicht,
da war ich noch viel zu jung um die Schönheit der Stadt um mich herum wahr zu nehmen. Und es ist verdammt lang her! In dem Alter kriegst ja nix mit!
Was für ein Glück der Bub hat, dass ich da bin um ihm all das zu zeigen! (laaaaach)