Mausloch

Das Mausloch ist mein öffentliches Tagebuch.
Mein Refugium. Meine Höhle. Mein Ventil. Viel Spaß!

Samstag, 12. November 2016

Samstag, wenns schon dunkel draußen is

In einem ziemlich kalten Schlafzimmer sitze ich und schreibe. Ich könnte ja das Fenster zu machen, gell? Der Pc läuft wieder! Der Rechner ist repariert und angeschlossen, ich hab viel Mist deinstalliert und jetzt läuft er wieder, hurra!
Anstatt zu schreiben hätte ich echt wichtigeres zu Tun - weiter bügeln zum Beispiel, Haare waschen oder das Abendessen machen. Da gibts aber ein Problem - ich hab keine Lust! Mir ist doch schon wieder der Wind aus den Segeln genommen worden. Freitag war ich Vormittags fleißig und den Nachmittag hab ich verpennt. Es war eins dieser hinterhältigen 1-Stunden-Schläfchen, die man aus Furcht vor Schwiegereltern-Begegnung lieber oben im Bett macht, und wenn man dann nach einer Stunde aufwacht, ist es auf einmal halb sechs.
Freitag vorbei.
Samstag wieder fleißig sein, bügeln und die restlichen Spaghetti von gestern essen - mit Papa und "Better call Saul", dabei die Kontrolle über die Augenlider verlieren und realisieren, dass es schon wieder dunkel draussen ist. Aber Hauptsache die Waschmaschine läuft!
Tochter ist mit TOLO bei ihm zu Haus, Sohn ist mit nem Freund im Kino. Der selbe Film, das dritte Mal!!
Wir lieben Benedikt Cumberbatch!!
Eigentlich gehts mir heute ganz gut. Schmerzen halten sich einigermaßen in Grenzen (nur die Finger zwicken arg) . Morgen zerreißt sich der Tag in Vorher und Nachher.
Vorher Frühstück, Märchen, Haare waschen (hab ja heute keine Lust, wie gesagt) und
Nachher Kind zum lernen und trainieren antreiben, bügeln und Abendessen kochen.
Und zwischendrin - Le Reno's.

Das Wochenende rast an mir vorbei. Und die Woche war so doof!! Mittwoch hatten wir Notfalltrainng, das war auch doof. Die Lehrlinge haben immer nur gekichert, das hat genervt. Und es hat sich gezogen wie Kaugummi. Sohn verweigert mit Hilfe der Hausaufgaben das Schwertkampftraining.
Da war ich sauer. Ab zur Oma !! Dann gings besser.

Wie schaffen das eigentlich die anderen immer? Ich bin in einer Büchergruppe und da posten pünktlich zum Wochenende alle ihre "Ach-jetzt-nen-Tee-und-alle-neun-Bücher-lesen-Wochenende-ich-liebe-dich!" Bilder und fangen an zu lesen. Und ich? Siehe oben.
Warum? Ist meine Zeitplanung so schlecht? Oder schalten die alle ihren Fernseher erst garnicht ein? Oder haben die keine Kinder/Männer/Haushalt/Kühlschrank/Schwiegereltern ???

Immer das Gleiche. Seit ich Kinder hab stellt sich mir die Frage: Wie zum Geier machen das die Anderen?




Dienstag, 1. November 2016

Sie kennen das ...

Elternabend

von Anja Falk


Elternabend.
Der erste der Klasse 1b. Angesetzt um 19.00 Uhr. Der Klassenraum ist schon gut gefüllt, als ich eintrete. Eifrige Mütter umringen die Lehrerin, bestürmen sie mit Fragen. Andere betrachten gerührt getuschte Bilder an der Wand. Endlich klatscht die Lehrerin, Typ Mutter Beimer für Arme, in ihre fetten beringten Hände und fordert uns auf, Platz zu nehmen.
Mit größter Mühe quetschen wir uns auf die winzigen Stühlchen. Langatmig erklärt die Lehrerin Unwichtiges. Unterschiedliche Parfümwolken versetzen mich in eine Art Trance. Die Mamis haben sich schön gemacht für diesen Abend. Frau will ja einen guten Eindruck hinterlassen. Einige machen sich Notizen. Ich langweile mich.
Fasziniert beobachte ich die Lehrerin. Ein Speichelfaden zieht sich zwischen ihren Lippen in die Länge, wenn sie spricht. Mit einer Mischung aus Faszination und Ekel gelingt es mir nicht, meinen Blick von ihr zu wenden.
In der Zwischenzeit diskutieren die Mamis. Sie teilen sich in zwei Gruppen auf. Die eine Gruppe kämpft verbissen um Sitzbälle für eine gesunde Haltung, die andere Gruppe will lieber backen. Die erste Gruppe wettert gegen Süßigkeiten, die zweite will immer noch backen.
Einig sind sie darüber, dass die Klasse schöner werden muss. Ich bin inzwischen einer Ohnmacht nahe und zähle im Geiste die Sekunden. Ausserdem will ich eine rauchen. Ich wette mit mir selbst. Wenn der Speichelfaden der Lehrerin innerhalb der nächsten 10 Minuten reißt, dann darf ich eine rauchen gehen. Wenn nicht, muss ich einen Beitrag zu der Diskussion leisten.
Diese ist inzwischen bei Gewalt im Fernsehen angelangt. Tom und Jerry stehen im Kreuzfeuer der Kritik. Gebannt starre ich auf den Mund der Lehrerin. Da, sie lacht ... nein, wieder nicht. Das Ding will einfach nicht reißen. Das Teil ist zäh.
Die Zeit verrinnt und die Lehrerin hat den Mund geschlossen. Tückisch, als wollte er mich ärgern, ruht der Speichelfaden zwischen den Lippen der dicken Pädagogin. Da, endlich ... sie äußert sich darüber, ob die Kinder stilles Wasser trinken sollen, oder ob man auch Saft mitgeben darf. Doch sie wird unterbrochen, von der Übermami, die sich beklagt, dass es keine aktive Pause gibt.
Ein Blick auf die Uhr sagt mir, dass meine Zeit vorüber ist. Ich habe den Kampf gegen Speichelfaden und Zeit verloren. Seufzend falle ich der Übermami ins Wort.
"Mein Kind mag kein stilles Wasser. Sitzbälle in einer Klasse sind idiotisch. Die Kinder sollen malen und basteln und ihre Klasse selbst verschönern. Tom und Jerry backen keine Terroristen. Und jetzt geh ich eine rauchen."
Selten habe ich mich so gut gefühlt wie nach meinem Abgang aus der Klasse. Mit weit geöffnetem Mund und gerissenem Speichelfaden starrt mich die Lehrerin an. Ein später Sieg, wie ich befriedigt feststelle.
P.S. In meiner Abwesenheit haben sie mir die gerechte Strafe aufgebrummt und wählten mich zur Elternsprecherin.